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Wie Goodluck zum Bad Guy wurde

Aktualisiert am 24.01.2012 4 Kommentare

Nach seiner Wahl galt der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan als grosser Hoffnungsträger. Schuld an seinem Niedergang ist nicht nur die derzeitige Anschlagserie, sondern auch seine eigene Politik.

Nichts von seinem einstigen Glanz ist geblieben: Jonathan Goodluck.

Nichts von seinem einstigen Glanz ist geblieben: Jonathan Goodluck.
Bild: Keystone

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Blutige Anschläge in Nigeria

Blutige Anschläge in Nigeria
Bei einem Terroranschlag auf eine Kirche in Nigeria kamen mindestens 40 Menschen um. Die islamistische Sekte Boko Haram bekannte sich zur Tat.

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Die Bewohner der nigerianischen Stadt Kano kommen nicht zur Ruhe: Mit einem regelrechten Massaker tötete die islamistische Sekte Boko Haram am Freitag mindestens 178 Menschen. Gemäss Augenzeugen schossen die Extremisten auf alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Bewaffnete Kämpfer auf Motorrädern sicherten Fahrzeuge ab, in denen Selbstmordattentäter mit ihrer tödlichen Fracht auf Polizeistationen und staatliche Einrichtungen zurasten.

Nach der Anschlagswelle hat die Polizei heute in Kano weitere Bombenexplosionen verhindert. In verschiedenen Bezirken fanden die Ermittler acht Autobomben. Rund um die bisherigen Anschlagsorte entdeckten die Beamten zudem noch mehr als hundert nicht detonierte Sprengsätze, die offenbar ein noch viel grösseres Unheil hätten anrichten sollen.

Soziale Kluft als Pulverfass

Als Intianten der Gewalt gelten in erster Linie die Mitglieder der Gruppierung Boko Haram, die seit Monaten einen fanatischen Krieg für die Einführung der Scharia führen. Doch die Spannungen sind nicht zuletzt auch der sozialen Kluft zuzuschreiben, die in Nigeria immer grösser wird. Rund 70 Prozent der 150 Millionen Einwohner müssen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen.

Genau bei dieser Bevölkerungsschicht galt er nach seiner Wahl im Mai 2010 zum 14. Präsident Nigerias als grosser Hoffnungsträger: Goodluck Jonathan . Der Sohn eines Kanu-Bauers verstand es wie kein anderer, das Volk mit seinen Reden auf seine Seite zu ziehen. Er, der gemäss eigener Aussage in Armut aufwuchs und seine gesamte Kindheit ohne Strom verbringen musste. Er, der seinen kilometerlangen Schulweg zu Fuss hinter sich brachte und dabei einen grossen Fluss durchqueren musste. Mit seinem Lächeln und einer charismatischen Antrittsrede gelang es ihm im westafrikanischen Staat eine Aufbruchstimmung zu erzeugen: «Im Jahr 2011 wird es zur grossen Wende kommen» – in der Bevölkerung wurde er bereits als «Obama von Nigeria» gefeiert.

Ärger durch Streichung von Subventionen

Von diesem Glanz ist wenig geblieben. Im Gegenteil: Mit einer umstrittenen Massnahme zog Goodluck zu Beginn dieses Jahres den Groll der Bevölkerung auf sich. Inmitten der aufflammenden Proteste strich der Präsident die staatlichen Subventionen für den Treibstoff. Die Treibstoffpreise sind seither tagtäglich angestiegen. Die Bevölkerung empfindet dieses Vorgehen als Angriff. Weil die Stromproduktion bei weitem nicht ausreicht, sind die Nigerianer auf günstigen Treibstoff angewiesen, mit denen sie aus China importierte Generatoren betreiben, die ihnen Licht und warmes Wasser garantieren sollen.

Viele von Goodlucks einstigen Anhängern wenden sich nun enttäuscht von ihrem vermeintlichen Heilsbringer ab: Mit selbstgebastelten Särgen ziehen sie in diesen Tagen durch die Strassen und schwenken Transparente mit der Aufschrift «President Badluck». Nigerianische Auswanderer in London bezeichnen ihn gegenüber «News Nigeria» gar als «Terroristen». Der renommierte nigerianische Schriftsteller und Poet Tolu Ogunlesi sagt auf CNN: Noch nie habe er erlebt, wie jemand innert so kurzer Zeit seinen guten Ruf verspielt.

Leere Versprechungen im Kampf gegen Boko Harum

Die Streichung der Treibstoff-Subventionen dürften den Ausschlag für seinen Popularitätsabfall gegeben haben. Doch schon zuvor liess Goodluck durch ungewohnte Massnahmen aufhorchen. Kurz nach seiner Wahl liess er die Länge seiner Amtszeit von vier auf sechs Jahre verlängern. Seinem angekündigten Kampf gegen die Sekte Boko Haram liess er keine Taten folgen. «Absolut nichts ist passiert», sagt Ogunlesi.

Genau wegen dieser Gruppierung droht Nigeria nun der grösste Bürgerkrieg seit dem Biafra-Krieg Ende der 60er-Jahre bei dem über eine Million Menschen den Sezessionsbestrebungen zum Opfer vielen. Der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka sieht dieses Schreckensszenario schon weit fortgeschritten: Nigeria ist schon im Krieg (...) «Da sind in manchen Teilen des Landes Leute an der Macht, die zutiefst jede andere Religion als ihre eigene hassen», schrieb er im Magazin Newsweek – und dies bereits vor den Anschlägen in Kano.

(mrs)

Erstellt: 23.01.2012, 21:15 Uhr

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4 Kommentare

Marc Christian

23.01.2012, 22:02 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Dann werden wir ja bald schon viele symphatische junge Männer aus Nigeria bei uns zum integrieren haben! Tja! es wird sich schon ein Job bei uns finden lassen! die Juso wird sich dieses Problems annehmen und es sicher lösen! Wir freuen uns jetzt schon auf unsere neuen Gäste und Mitbewohner aus Nigeria! ich hoffe es sind auch recht viele Moslems dabei, die wir dann so richtig tolerieren können! Antworten


Esther Müller

24.01.2012, 12:00 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Schauen Sie, das subventionierte Öl wurde zu grossen illegal Teile exportiert und die Gewinne davon verschwanden in den Taschen einiger Wenigen. Es ist bezeichnend, das der nördliche Teil der Nachbarstaaten just dann ein Treibstoffproblem haben, wenn Jonathan die Subventionen abschafft! Er musste diese Subvention früher oder später abschaffen um den Saustall aufzuräumen. Antworten



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