Wie der Iran das Embargo umgeht
Auf der schwarzen Liste der USA: Die Iran Mutafeh im Jahr 2006.
Dasselbe Schiff?: Ein Frachter mit dem Namen Amplify im Juni 2009 in Gibraltar.
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Am 24. Januar 2009 verliess ein Schiff mit dem Namen Diplomat den Hafen von Durban, Südafrika. An Bord hatte die Diplomat eine wertvolle Ladung: Ein Schnellboot der Marke Bladerunner 51, hergerichtet, um Torpedos transportieren zu können. Das Schiff hielt Kurs auf den Persischen Golf – die Häfen des Iran. In Bandar Abbas schliesslich lud es seine geheime Fracht ab.
Minutiös hat die «New York Times» nachgezeichnet, wie die Diplomat sämtliche Kontrollen umgehen und schliesslich das Teheraner Regime mit militärischem Material versorgen konnte. Der Weg des Schiffs ist laut der Zeitung typisch für bis zu 73 andere Frachter, die unbehelligt von Behörden Waffen in den Iran geliefert haben sollen. Seit 2009 verbietet Grossbritannien sämtlichen Handel mit der staatlichen iranischen Reederei Islamic Republic of Iran Shipping Lines (Irisl). Auf der schwarzen Liste der USA steht das Unternehmen schon seit 2008. Waffenexporte hat gar der UNO-Sicherheitsrat mit einer Resolution im März 2007 komplett verboten.
Die Iran Mufateh wird zur Amplify
Die Diplomat schaffte es dennoch, ein britisches Schnellboot des Typs Bladerunner bis nach Bandar Abbas zu bringen – dank neuer Papiere. Die zeigten, dass das Schiff einem Unternehmen mit dem Namen Starry Shine gehörte, wie die NYT schreibt. Doch sowohl der Name als auch die Besitzerin des Schiffs waren brandneu: Sechs Monate zuvor hatte die Diplomat noch Iran Mufateh geheissen und war Eigentum der Staatsreederei Irisl. Nachdem die zuständigen amerikanischen Behörden die Tarnung entdeckten, setzten sie die Diplomat ebenso wie Starry Shine auf ihre schwarze Liste. Zu spät, wie die «New York Times» schreibt: Inzwischen hiess das Schiff Amplify, sein neuer Eigentümer ist eine Smart Day in Hongkong. Zuletzt gesichtet wurde das Schiff diesen April in Karachi, Pakistan.
Die Saga der Mutafeh-Diplomat-Amplify sei ein typisches Beispiel des «Katz-und-Maus-Spiels», mit dem der Iran die Sanktionen der USA, Grossbritannien und des Sicherheitsrats umgehe, so die NYT. Hinter sämtlichen vermeintlich unterschiedlichen Eigentümern und Schiffen stecke die Staatsreederei Irisl. «Sie betreibt ein Netz von Briefkastenfirmen in Europa und Asien, um die wahren Besitzverhältnisse der Schiffe zu verschleiern.» Die meisten hätten Namen, die sich über die amerikanischen Sanktionen lustig zu machen schienen: System Wise oder Great Method nennt die Zeitung als zwei Beispiele.
Das Vorgehen des iranischen Regimes zeige sehr deutlich die Schwierigkeit bei der Durchsetzung von Sanktionen, so die NYT weiter: «Die schwarze Liste kommt einfach nicht nach.» Von den 123 Schiffen, die dort mitsamt der Staatsreederei vermerkt seien, gehörten inzwischen auf dem Papier nur noch 46 der Irisl. Die restlichen 73 Frachter seien nun Eigentum von Unternehmen in Malta, Hongkong, Zypern, Deutschland oder der Isle of Man. Allerdings nur offiziell: Bei 63 der Schiffe konnte die Zeitung den Weg zurück zu Irisl verfolgen. Die Reederei dementiert gegenüber der «New York Times», dass sie die staatlichen Militärprogramme unterstützt. Die Anfrage zu einem ausführlicheren Gespräch sei abgelehnt worden. (oku)
Erstellt: 08.06.2010, 16:11 Uhr


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