«Wir erwarten, dass sich al-Qaida mit etwas Grossem rächt»
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 05.01.2010
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Die Warnung kam vom Geheimdienst. Amerikanische und britische Nachrichtenleute meldeten sich in der Nacht auf Samstag in der Heimat. «Wir haben Hinweise, dass al-Qaida ein Attentat auf Ziele in der Innenstadt von Sanaa plant», sagte der amerikanische Terrorabwehr-Chef John Brennan am Tag darauf der Öffentlichkeit. Die US-Botschaft schloss sofort ihre Türen, die britische folgte einen Tag später.
Heute reagierten auch Deutschland und Spanien. Die Botschaft habe «die Sicherheitsmassnahmen verschärft», sagt ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes gegenüber «Spiegel online». Spanien schliesst nach Angaben von «El Mundo» ebenfalls die Tore seiner Botschaft. Beide Länder haben bereits islamistische Traumata erlebt: Deutschland den nur zufällig gescheiterten Bombenanschlag von 2006 im Dortmunder Bahnhof und Spanien die Anschlagsserie von 2004 in Madrid, bei der 191 Menschen starben.
Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten EDA gibt zurzeit noch keine Auskunft über eventuell verstärkte Sicherheitsmassnahmen um die Schweizer Botschaft in Sanaa. Das EDA rät jedoch seit Monaten von «Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen» in den Jemen ab. Es bestünden Sicherheitsrisiken wie Spannungen zwischen einzelnen Stämmen und der Zentralregierung. «Im ganzen Land besteht das Risiko von terroristischen Akten.» Die Sicherheitslage könne sich ausserdem weiter verschlechtern.
Al-Qaida sinnt auf Rache
Es braut sich ein Gewitter zusammen über der Wüste Jemens. Die Kämpfer der al-Qaida sind wütend, und sie sinnen auf Rache. Am 17. und am 24. Dezember hat die jemenitische Armee nach offiziellen Aussagen 60 ihrer Brüder getötet – unter der Führung amerikanischer Militärexperten, wie der Sender CBS berichtet hat.
«Wir erwarten, dass sich al-Qaida mit etwas Grossem rächt», wird Andrew Moore, Direktor des Hilfswerks Save The Children im Jemen, im «Guardian» zitiert. «Die Frage ist nur, ob sie ein ziviles Ziel angreifen.» Seine Mitarbeiter fahren in Autos ohne Logo, meiden volle Restaurants und Hotels. Selbst Unicef ist alarmiert: Das Kinderhilfswerk hat einen Teil seiner Leute aus Sanaa abgezogen, wie Sprecher Naseem ur-Rahman ebenfalls im «Guardian» sagte.
Die USA rüsten auf
Noch am Sonntag schickte die jemenitische Armee nach eigenen Angaben zusätzliche Soldaten in die bergigen Ost-Provinzen, wo sich viele der Al-Qaida-Kämpfer versteckt halten. Zwei Tage zuvor war der amerikanische Nahost-Kommandant David Petraeus in einer noch unbestätigten Mission nach Sanaa gereist, um, nach Angaben der jemenitischen Nachrichtenagentur Saba, mit Jemens Präsident Ali Abdallah Saleh über den gemeinsamen Anti-Terror-Kampf zu diskutieren.
Gleichzeitig trat Barack Obama vor die Medien und kündigte an, die Zahlungen an die jemenitischen Anti-Terrorkämpfer auf 130 Millionen Dollar zu verdoppeln. Nahost-Experten rechnen mit einem baldigen Angriff der amerikanischen Armee im Jemen: «Obama wird wahrscheinlich schon in den kommenden Tagen einen Militärschlag anordnen», sagte der deutsche Aussenpolitiker Rolf Mützenich gemäss «Spiegel online». Obamas Sicherheitsleute halten sich bedeckt: «Wir sind fest entschlossen, al-Qaida zu besiegen, ob es nun in Afghanistan, in Pakistan oder in Jemen ist», sagte Terrorabwehr-Chef Brennan am Sonntag düster. Die Entsendung von Truppen sei nicht geplant – «im Moment», wie Brennan sagt.
«Ein Krieg, der über die Nachrichtendienste gewonnen wird»
In einem sind sich die Kenner einig: Ein reiner Militärschlag wäre im Jemen fruchtlos. «Dies ist ein Krieg, der über die Nachrichtendienste und in internationaler Zusammenarbeit gewonnen wird», wird Ali Seif Hassan, Direktor des Thinktanks Political Development Forum, im «Guardian» zitiert. Hassan warnt gar davor, ausländische Soldaten sichtbar im Jemen zu postieren: Dann werden die Stämme zusammenhalten und gemeinsam gegen die Fremden kämpfen. Die Kämpfer der al-Qaida seien mitten unter den Menschen, sagte auch Gregory Johnson von der Universität Princeton gegenüber dem Blatt. «Luftangriffe mit vielen zivilen Opfern würden eine mächtige Rekrutierungsbasis für al-Qaida schaffen», so der Jemen-Experte.
Barack Obama ist sich der Dringlichkeit internationaler Beteiligung offenbar bewusst. Die Ankündigung zusätzlicher Gelder für die jemenitische Terrorabwehr machte er gemeinsam mit dem britischen Staatschef Gordon Brown – und er betonte, dass gleichzeitig auch die Friedensmission der Uno in Somalia ausgebaut werden müsse. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.01.2010, 08:19 Uhr
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