Wird ein Antisemit neuer Unesco-Chef?
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Spätestens seit Juli letzten Jahres kennt jeder in der Schweiz die Unesco: Die Uno-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur nahm damals die Albula- und Bernina-Strecke der Rhätischen Bahn sowie die Glarner Hauptüberschiebung in das Weltkulturerbe auf. Damit stehen diese Sehenswürdigkeiten auf dem gleichen Rang wie die Berner Altstadt, die Tre Castelli in Bellinzona sowie die Weinberg-Terrassen der Lavaux.
Faruk Hosni – «ein gefährlicher Mann»?
Nun ziehen dunkle Wolken über der Unesco auf. Ende Mai läuft die Bewerbungsfrist für die Neubesetzung des Chefsessels aus – und der prominenteste Bewerber steht im Verdacht, ein Antisemit zu sein: der ägyptische Kulturminister Faruk Hosni. In der französischen Zeitung «Le Monde» werfen ihm der Philosoph Bernard-Henri Lévy, der Filmregisseur Claude Lanzmann sowie der Nobelpreisträger Elie Wiesel vor, er sei ein «gefährlicher Mann, ein Brandstifter der Herzen und Gemüter». Es bleibe nur wenig Zeit, Hosnis Wahl zu verhindern.
Wie kam es zu diesem Aufruf? 1997 antwortete Hosni einem Abgeordneten des ägyptischen Parlaments, der sich besorgt über die mögliche Überführung israelischer Bücher in die Bibliothek von Alexandria äusserte: «Lasst uns diese Bücher verbrennen». Zudem lud der Kulturminister den französischen Holocaustleugner Roger Garaudy nach Ägypten ein. Hosni betont auch unablässig, dass es keinen Kulturaustausch mit Israel gebe, solange dieses die palästinensischen Gebiete besetze. So verhinderte er 2007, dass der israelische Film «The Band» am Kairoer Filmfestival gezeigt wurde. Die Simon-Wiesenthal-Stiftung warnte, Hosni sei ein Antisemit und achte die Werte der Unesco nicht.
Zwei Gesichter
Im Ausland gibt sich Hosni gemässigter – im Wissen um seine Kandidatur für die Uno-Organisation. Im jüdischen Wochenmagazin «Tachles» sagt er, er sei «grundlegend ein offener Mensch» und betont, dass man in seiner Heimatstadt Alexandria immer mit dem «ausländischen Element» gelebt habe: «Unser Familienarzt war jüdisch, der Bijoutier meiner Mutter war es auch.» Er fordert einzig, Israel müsse akzeptieren, dass auch die Palästinenser das Recht zu existieren hätten. Seinen Aufruf zur Bücherverbrennung tut er als «fabrizierte Geschichte» ab; er habe vielmehr persönlich angeordnet, diese Bücher restaurieren zu lassen. Und als Kulturminister habe er sich am Unesco-Projekt Aladin beteiligt, dass die Geschichte des Holocaust in den arabischen Ländern vermitteln möchte.
Wie lassen sich die Widersprüche des Faruk Hosni erklären? Mit Opportunismus. In Ägypten mimt er den harten Israelkritiker, im Ausland den Freund des jüdischen Staates. Genau dies dürfte ihm einen Strich durch seine Unesco-Pläne machen, schätzt die Ägyptenkorrespondentin der NZZ. (cha)
Erstellt: 25.05.2009, 11:53 Uhr












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