Ausland

Youssou N'Dour nicht zur Wahl zugelassen – Unruhen in Senegal

Nachdem bekannt wurde, dass der populäre Sänger nicht für die Präsidentschaftswahl kandidieren darf, kam es in der gestrigen Nacht zu schweren Ausschreitungen in Dakar.

«Wir werden es niemals zulassen»: Demonstranten in Dakar neben brennenden Reifen. (27. Januar 2012)

«Wir werden es niemals zulassen»: Demonstranten in Dakar neben brennenden Reifen. (27. Januar 2012)
Bild: AFP

«Ein politischer Entscheid»: Youssou N'Dour am Montreux Jazz Festival. (6. Juli 2007) (Bild: AFP )

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In der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist es in der Nacht zu heute zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Auslöser war der Entscheid des Verfassungsgerichts, Präsident Abdoulaye Wade zu gestatten, Ende Februar für eine dritte Amtszeit zu kandidieren.

Für Verärgerung sorgte zudem, dass dem Weltmusik-Star Youssou N'Dour nicht erlaubt wurde, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Das Gericht erklärte, der international bekannte Sänger habe nicht die nötigen 10'000 gültigen Unterschriften von Unterstützern erhalten.

Tausende Menschen hatten zunächst friedlich gegen Wades Kandidatur protestiert. Nach dem Entscheid des Verfassungsgerichts kam es jedoch zu heftigen Zusammenstössen zwischen der Polizei und überwiegend jugendlichen Oppositionsanhängern, die Barrikaden errichteten, Autoreifen in Brand setzten und Polizisten mit Steinen bewarfen.

Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Nach Angaben von Polizeichef Arona Sy wurde bei den Zusammenstössen ein Polizist getötet.

Präsident Wade forderte ein Ende der Proteste. Die Menschen gingen aus einer Laune heraus auf die Strasse, die Demonstrationen führten zu nichts, sagte er im Staatsfernsehen. Seinen Gegnern warf er vor, nur «fadenscheinige» Argumente gegen seine Kandidatur vorzubringen.

N'Dour: Politischer Entscheid

N'Dour sagte im Fernsehsender France 3, der Entscheid des Verfassungsgerichts werde zu neuen «Spannungen» führen. Wade werde mit seinem «Gewaltstreich» nicht durchkommen.

«Der Entscheid, mich nicht mitmachen zu lassen, hatte nichts mit dem Gesetz zu tun. Es war ein politischer Entscheid, und wir werden mit einem politischen Entscheid antworten», sagte N'Dour ohne Details zu nennen. «Wir werden niemals zulassen, dass Abdoulaye Wade an der Wahl teilnimmt.»

In Senegal schwelt schon seit geraumer Zeit ein Streit um die Zulässigkeit einer erneuten Kandidatur Wades. Der 85-Jährige war im Jahr 2000 für sieben und im Jahr 2007 nach einer Verfassungsänderung für fünf Jahre gewählt worden.

Da die Verfassung seit 2001 nur zwei Amtszeiten vorsieht, dürfte Wade eigentlich nicht mehr antreten. Wade hatte jedoch argumentiert, seine erste Amtszeit habe ein Jahr vor der Verfassungsänderung begonnen und dürfe deshalb nicht mitgezählt werden. Neben Wade akzeptierte das Gericht 13 weitere Bewerber für das Amt des Staatschefs.

Kritik an Regierungspartei

Der Sänger N'Dour hatte am Mittwoch seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl offiziell eingereicht. Der 52-Jährige ist in Europa einer der bekanntesten afrikanischen Musiker. In seiner Heimat ist N'Dour, ein Grenzgänger zwischen afrikanischer Tradition und westlicher Popmusik, seit langem ein gefeierter Star.

Bereits in der Vergangenheit hatte N'Dour scharfe Kritik an der Regierungspartei geübt. Der Grammy-Gewinner besitzt einen Radiosender und eine Zeitung. Diese Medien berichten regelmässig über Korruption und Vetternwirtschaft der amtierenden Regierung und des Präsidenten.

(kle/sda)

Erstellt: 28.01.2012, 06:29 Uhr

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7 Kommentare

Karin Fall

02.02.2012, 07:57 Uhr
Melden

Die Jugend Senegals hat genug - Youssou N'Dour ist DAS Sprachrohr Senegals, meiner Meinung nach ist nur er in der Lage, eine friedliche und trotzdem restriktive Veränderung zu erreichen. Senegal kann es schaffen, aber es braucht internationale Aufmerksamkeit, damit N'Dour zu den Wahlen zugelassen wird.
Hören wir endlich auf, die Augen vor Afrika zu verschliessen - we need a Change !
Antworten


Bruno Oerig

28.01.2012, 18:20 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Möglicherweise wäre eine Alterslimite angebracht gewesen, die dann ebenso übergangen worden wäre. Schade für Senegal und für die Senegalesen, die entgegen etlichen Nachbaren den Vielvölkerstaat bisher ohne allzu grosse Konflikte mittrugen. Antworten


Peter Fässler

28.01.2012, 12:36 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Wenn er so regieren kann wie er singt, dann hat Senegal echt eine Chance, ins 21ste Jahrhundert vorzurücken...... Antworten


Anna Mbacke

28.01.2012, 08:44 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich kenne das Land sehr gut - ein friedliches und politisch seit Jahrzehnten demokratisches Land, das hier nie zu Schlagzeilen führt und daher viele Menschen hier kaum kennen. Diese Schlagzeilen bringen Senegal genauso in ein falsches Licht die die FCB-Fans die Schweiz, wenn man im Ausland nur über sie berichten würde.... Antworten


Anna Mbacke

29.01.2012, 11:10 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Lieber Schlumpf - die Probleme unter Wade sind mir bekannt (Korruption ist übrigens ein Problem, das auch in EU und im Inland zu finden ist - das vergisst man gerne bzw. nennt man nicht beim Namen). Ich verteidige nicht Wade's Präsidentschaft, sondern kritisiere die Wahl der Berichterstattung und den Eindruck, den das hier erweckt. Senegal ist noch immer ein politisch, stabiles friedliches Land


Hans Peter Schlumpf

28.01.2012, 21:52 Uhr
Melden

So so kennst du??? ich auch, das Land ist unter Wade immer korrupter geworden und er muss gehen, denn das schreibt auch die Verfassung so vor, das währe Demokratie und im übrigen ist der Artikel sehr gut geschrieben.


Hans Peter Schlumpf

28.01.2012, 18:25 Uhr
Melden 1 Empfehlung

So so kennst du??? ich auch, das Land ist unter Wade immer korrupter geworden und er muss gehen, denn das schreibt auch die Verfassung so vor, das währe Demokratie.



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