Youssou N'Dour nicht zur Wahl zugelassen – Unruhen in Senegal

Aktualisiert am 28.01.2012 7 Kommentare

Nachdem bekannt wurde, dass der populäre Sänger nicht für die Präsidentschaftswahl kandidieren darf, kam es in der gestrigen Nacht zu schweren Ausschreitungen in Dakar.

«Wir werden es niemals zulassen»: Demonstranten in Dakar neben brennenden Reifen. (27. Januar 2012)

«Wir werden es niemals zulassen»: Demonstranten in Dakar neben brennenden Reifen. (27. Januar 2012)
Bild: AFP

«Ein politischer Entscheid»: Youssou N'Dour am Montreux Jazz Festival. (6. Juli 2007) (Bild: AFP )

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In der senegalesischen Hauptstadt Dakar ist es in der Nacht zu heute zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Auslöser war der Entscheid des Verfassungsgerichts, Präsident Abdoulaye Wade zu gestatten, Ende Februar für eine dritte Amtszeit zu kandidieren.

Für Verärgerung sorgte zudem, dass dem Weltmusik-Star Youssou N'Dour nicht erlaubt wurde, für die Präsidentschaftswahl zu kandidieren. Das Gericht erklärte, der international bekannte Sänger habe nicht die nötigen 10'000 gültigen Unterschriften von Unterstützern erhalten.

Tausende Menschen hatten zunächst friedlich gegen Wades Kandidatur protestiert. Nach dem Entscheid des Verfassungsgerichts kam es jedoch zu heftigen Zusammenstössen zwischen der Polizei und überwiegend jugendlichen Oppositionsanhängern, die Barrikaden errichteten, Autoreifen in Brand setzten und Polizisten mit Steinen bewarfen.

Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Nach Angaben von Polizeichef Arona Sy wurde bei den Zusammenstössen ein Polizist getötet.

Präsident Wade forderte ein Ende der Proteste. Die Menschen gingen aus einer Laune heraus auf die Strasse, die Demonstrationen führten zu nichts, sagte er im Staatsfernsehen. Seinen Gegnern warf er vor, nur «fadenscheinige» Argumente gegen seine Kandidatur vorzubringen.

N'Dour: Politischer Entscheid

N'Dour sagte im Fernsehsender France 3, der Entscheid des Verfassungsgerichts werde zu neuen «Spannungen» führen. Wade werde mit seinem «Gewaltstreich» nicht durchkommen.

«Der Entscheid, mich nicht mitmachen zu lassen, hatte nichts mit dem Gesetz zu tun. Es war ein politischer Entscheid, und wir werden mit einem politischen Entscheid antworten», sagte N'Dour ohne Details zu nennen. «Wir werden niemals zulassen, dass Abdoulaye Wade an der Wahl teilnimmt.»

In Senegal schwelt schon seit geraumer Zeit ein Streit um die Zulässigkeit einer erneuten Kandidatur Wades. Der 85-Jährige war im Jahr 2000 für sieben und im Jahr 2007 nach einer Verfassungsänderung für fünf Jahre gewählt worden.

Da die Verfassung seit 2001 nur zwei Amtszeiten vorsieht, dürfte Wade eigentlich nicht mehr antreten. Wade hatte jedoch argumentiert, seine erste Amtszeit habe ein Jahr vor der Verfassungsänderung begonnen und dürfe deshalb nicht mitgezählt werden. Neben Wade akzeptierte das Gericht 13 weitere Bewerber für das Amt des Staatschefs.

Kritik an Regierungspartei

Der Sänger N'Dour hatte am Mittwoch seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl offiziell eingereicht. Der 52-Jährige ist in Europa einer der bekanntesten afrikanischen Musiker. In seiner Heimat ist N'Dour, ein Grenzgänger zwischen afrikanischer Tradition und westlicher Popmusik, seit langem ein gefeierter Star.

Bereits in der Vergangenheit hatte N'Dour scharfe Kritik an der Regierungspartei geübt. Der Grammy-Gewinner besitzt einen Radiosender und eine Zeitung. Diese Medien berichten regelmässig über Korruption und Vetternwirtschaft der amtierenden Regierung und des Präsidenten.

(kle/sda)

Erstellt: 28.01.2012, 06:29 Uhr

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7 Kommentare

Peter Fässler

28.01.2012, 12:36 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Wenn er so regieren kann wie er singt, dann hat Senegal echt eine Chance, ins 21ste Jahrhundert vorzurücken...... Antworten


Anna Mbacke

28.01.2012, 08:44 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich kenne das Land sehr gut - ein friedliches und politisch seit Jahrzehnten demokratisches Land, das hier nie zu Schlagzeilen führt und daher viele Menschen hier kaum kennen. Diese Schlagzeilen bringen Senegal genauso in ein falsches Licht die die FCB-Fans die Schweiz, wenn man im Ausland nur über sie berichten würde.... Antworten



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