Zimbabwe torkelt dem Abgrund zu
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Am Samstag kündete die Regierung die Einführung einer 200-Millionen-Note an, deren Wert rund 17 Franken entspricht. Jede Woche verdoppelt sich der Brotpreis, immer mehr Menschen leiden Hunger. Verschiedentlich haben meuternde Soldaten, deren Sold nichts mehr wert ist, mit Waffengewalt Geschäfte geplündert. Landesweit sind Trinkwasserversorgung und Kanalisationssystem zusammengebrochen, eine Cholera-Epidemie hat seit August rund 600 Leben gefordert.
Erziehungs- und Gesundheitssystem liegen am Boden, ein Militärputsch ist nicht auszuschliessen. Zimbabwe torkelt dem Kollaps entgegen. Doch sein greiser Diktator gibt sich nicht geschlagen: Der 84-jährige Robert Mugabe denkt weder an Rücktritt noch daran, mit der vor gut drei Monaten vereinbarten Machtteilung Ernst zu machen. Und er wirft dem Westen vor, den Cholera-Ausbruch mit seinen Sanktionen verursacht zu haben.
So viel Starrsinn weckt weltweit Empörung. Letzte Woche haben Kenyas Premierminister Raila Odinga und US-Aussenministerin Condoleezza Rice die Weltgemeinschaft dazu aufgerufen, Mugabe zum Rücktritt zu zwingen. Die EU erwägt zu diesem Zweck zusätzliche Sanktionen, während der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu notfalls gar einer militärischen Intervention seinen Segen erteilen würde. Am Wochenende verlangte der britische Premier Gordon Brown eine dringliche Sitzung des Uno-Sicherheitsrates, da die Krise in Zimbabwe der grenzüberschreitenden Cholera-Epidemie wegen internationale Dimensionen angenommen habe. Auch Zimbabwes Nachbar Botswana hat für die Region ungewöhnlich deutliche Töne angeschlagen.
Versagen des südlichen Afrika
Das Versagen der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC), Mugabe zur Machtteilung zu drängen, sei an der Krise mitverantwortlich, erklärte Botswanas Aussenminister Phandu Skelemani am Samstag. Für ihn sind nun zwei Alternativen denkbar. Entweder gelinge es der Weltgemeinschaft mit vereinten Kräften, Mugabe zur Machtteilung oder zur Durchführung einer Neuwahl zu drängen. Andernfalls müsse seinem Regime der Hahn zugedreht und das Binnenland Zimbabwe auf diese Weise in die Knie gezwungen werden, erklärte Skelemani gegenüber Radio France Internationale. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.12.2008, 22:17 Uhr
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