Moskau droht US-Flugzeuge abzuschiessen

Moskau verurteilt den Abschuss eines syrischen Kampfflugzeuges durch die US-Luftwaffe als «Akt der Aggression» und stoppt die Sicherheits-Zusammenarbeit.

Das Verteidigungsministerium in Moskau macht ernst: Ein US-Kampfjet. (Archiv)

Das Verteidigungsministerium in Moskau macht ernst: Ein US-Kampfjet. (Archiv) Bild: Jake Cannady/Keystone

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Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch ein US-Flugzeug kündigte Moskau an, den Kommunikationskanal zwischen russischem und amerikanischem Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien zu kappen.

Stattdessen werde das russische Militär Flugzeuge und Drohnen der US-geführten Koalition als potenzielle Ziele ins Visier nehmen, wenn sie westlich des Flusses Euphrat fliegen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau heute mit. Der russische Vizeaussenminister Sergej Rjabkow verurteilte den Abschuss als «Akt der Aggression». Die US-Kommandoführung müsse den Vorfall «sorgfältig» untersuchen, forderte das russische Verteidigungsministerium.

Spannungen reduzieren

Nach Angaben von US-Stabschef Joseph Dunford werden die USA und Russland sich bemühen, die Spannungen zwischen beiden Ländern zu reduzieren. Dunford erklärte in Washington, es habe bereits am Morgen Kontakte gegeben. Nun gehe es darum, die Koordinierung mit Russland im Luftraum über den sogenannten Deeskalationszonen wiederherzustellen.

Nachdem Moskau diese Zusammenarbeit zuvor aufgekündigt hatte erkärte Dunford: «Das Schlimmste, was wir jetzt tun könnten ist, das überzubewerten.» Die USA und Russland seien in der Lage, direkte Feindseligkeiten in Syrien zu vermeiden.

Iran greift «Terroristen» in Syrien an. (Video: Tamedia/AFP)

Der syrische Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-22 war am Sonntag bei Gefechten um die IS-Hochburg Al-Rakka in Nordsyrien getroffen worden. Das Flugzeug habe zuvor Bomben in der Nähe von Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) abgeworfen, teilte das US-Militär mit. Zum Abschalten des Kommunikationskanals mit den Russen wollte sich ein Sprecher der US-geführten Koalition zunächst nicht äussern. Die kurdisch geführten SDF sind mit der internationalen Koalition verbündet, die in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpft. Nach syrischen Angaben hatte die Su-22 nur IS-Stellungen angegriffen. Moskau unterstützt in Syrien die Führung von Präsident Baschar al-Assad.

Mehrere Vorfälle

In den vergangenen Wochen hatte das US-Militär im Südosten Syriens mehrmals regierungsnahe Milizen angegriffen. Das Pentagon begründete das damit, dass diese eine Gefahr für US-Soldaten und verbündete Kämpfer dargestellt hätten. Alle drei Vorfälle ereigneten sich nahe At Tanf, wo rund 150 US-Soldaten oppositionelle Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausbilden.

Manche Beobachter fürchten, dass die USA schleichend tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden und es zu einem direkten militärischen Konflikt mit den Truppen von Assad kommen könnte.

Bereits im April hatte Russland die Sicherheits-Vereinbarung mit den USA ausgesetzt. Damals reagierte der Kreml auf einen US-Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Trotz der russischen Ankündigung wurde jedoch weiter über die sogenannte Sicherheits-Hotline kommuniziert.

Kurdische Truppen drohen

Die SDF drohte der Regierung in Damaskus derweil. «Wir betonen, dass die andauernden Attacken des Regimes auf unsere Stellungen in der Provinz Al-Rakka uns zur Vergeltung und zu unserem Recht zur Selbstverteidigung zwingen werden», sagte Sprecher Talal Silo in einer Stellungnahme Die Angriffe zielten darauf, den Sturm auf die IS-Hochburg Al-Rakka zu stoppen.

Die steigenden Spannungen könnten auch Einfluss die für den 10. Juli angesetzten Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana haben. Zu diesen werde auch der UNO-Sondergesandte Staffan De Mistura erwartet, sagte der russische Aussenminister Sergej Lawrow der Agentur Tass zufolge heute in Peking. (fal/nag/afp)

Erstellt: 19.06.2017, 15:56 Uhr

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