Die Hamas hat von Israels Schmach im Libanon gelernt
Von Astrid Frefel, Kairo. Aktualisiert am 04.01.2009 116 Kommentare
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«Wir werden das Schlachtfeld nicht verlassen und kämpfen bis zum letzten Atemzug. Gaza wird euer Friedhof sein.» Diese Warnung schleuderte ein Hamas-Sprecher den israelischen Soldaten entgegen, nur Stunden nachdem sie die Bodenoffensive eröffnet hatten. Ein Vergleich mit dem Krieg im Sommer 2006 drängt sich auf, als israelische Soldaten in den Dörfern des Südlibanon kämpften. Auch damals lautete ihr Gefechtsauftrag, die «Terrorinfrastruktur» der Hizbollah zu zerstören.
Die Hizbollah stand als Siegerin da
Der Libanon-Feldzug wurde zu einer Schmach für die bis anhin unbezwungene israelische Armee. 120 Soldaten starben, die Militärmaschinerie der schiitischen Widerstandsorganisation war aber nur vorübergehend geschwächt. Nach 30 Kriegstagen stand die Hizbollah als Siegerin da, der es später gar gelang, den militärischen Erfolg auch in politische Gewinne umzumünzen. Die Hizbollah besitzt heute wieder 30'000 Raketen. Beobachter sehen die jüngste israelische Offensive als Versuch, die Scharte von 2006 auszuwetzen, diesmal gegen einen Gegner, dessen Arsenal und Kampfkraft der eigenen hochgerüsteten Armee noch krasser unterlegen ist.
Die Hamas hat von der Hizbollah jedoch gelernt. Insbesondere hat sie ihre Taktik geändert. Ihre wichtigste Waffe ist jetzt der Raketenbeschuss von israelischen Städten und nicht mehr Selbstmordanschläge. Verglichen mit den israelischen Präzisionswaffen ist ihre Schlagkraft minimal, aber sie verbreiten Angst und Schrecken und zermürben den Gegner. Seit der Machtübernahme in Gaza im Sommer 2007 hat die Hamas rund 5500 Raketen abgefeuert und dabei acht Israeli getötet. Die israelische Seite geht davon aus, dass die Hamas vor Ausbruch des jüngsten Krieges 5000 Raketen besass und ein Drittel davon in den letzten Tagen zerstört werden konnte.
Die Raketen des Typs Qassam in mehreren Varianten haben eine Reichweite von 10 bis 20 Kilometern, sie werden in einfachen Werkstätten produziert und sind sehr unpräzise. Hinzu kommt eine Anzahl von Grad-Raketen, die in vielen Ländern gebaut werden. Sie fliegen 30 bis 40 Kilometer weit. Die israelische Armee erklärte, dass auch im Iran gebaute Katjuschas im Einsatz seien, die durch Tunnel im Grenzgebiet zu Ägypten geschmuggelt würden. Eindeutige Beweise dafür hat die israelische Armee aber nicht vorgelegt.
Blutiger Häuserkampf erwartet
Bei ihrer Bodenoffensive treffen die israelischen Soldaten auf geschätzt 15'000 bis 20'000 Hamas-Milizionäre. Sie sind ausgerüstet mit Gewehren und panzerbrechenden Waffen. Sie verstehen sich auf die Konstruktion von Sprengfallen und sie werden versuchen, israelische Soldaten gefangen zu nehmen. Von der Hizbollah übernommen haben sie ihre Tunnelstrategie. Auch die Führung lebt seit Jahren im Untergrund. «Jedermann weiss, dass die Hamas gut verschanzt ist im Gazastreifen. Sie haben ein grosses Tunnelnetz und verstecken sich sehr gut», erklärte Hamas-Spezialist Khaled Hroub gegenüber al-Jazeera.
Im Häuserkampf hatte die israelische Armee auch im Libanon-Krieg die höchsten Verluste zu verzeichnen. In Gaza City mit den engen Gassen und unzähligen Schlupfwinkeln droht ein für beide Seiten blutiger Guerillakrieg. Im Kampf Mann gegen Mann kann die Hamas aber beweisen, dass ihre Parolen mehr als blosse Rhetorik sind, was ihr Ansehen unter den Palästinensern und der weiteren arabischen Bevölkerung noch steigern dürfte.
Der Gaza-Krieg hat aber nicht nur Parallelen zum Libanon-Feldzug, es gibt auch ganz gewichtige Unterschiede. Im Gegensatz zur Hizbollah, die in ihrem eigenen Land operierte, ist die Hamas auf wenigen Quadratkilometern eingeschlossen. Ihre Kämpfer haben keine Möglichkeiten auszuweichen, und es gibt keine Nachschub-linien. Im Moment sind auch die Lieferungen durch die Tunnel praktisch zum Stillstand gekommen. Vor allem aber kann die Zivilbevölkerung nicht fliehen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.01.2009, 22:34 Uhr
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116 Kommentare
GAZA ist das zur Zeit größte Gefängnis der Welt. 1,5 Mio Menschen sind auf das Wohlwollen der israelischen Wärter angewiesen. Nach Belieben wird die Lieferung von Strom, Gas, Öl, Lebensmittel und Medikamente gesteuert. Bitte stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten Ihr bisheriges Leben in GAZA verbracht. Wo lägen hier Ihre Sympatien ? Antworten
In diesen Kommentaren werden "Tatsachen" weiter gegeben, welche ausschliesslich von arabischer Seite bestätigt werden. Wenn Israel einen Gegner bekämpfen muss, der nur zivile Ziele im Visier hat und sich wiederum hinter Zivilisten versteckt, kann es auch vorkommen dass leider auch die Opfer Zivilisten sind. Würde Hamas nicht feige sein, würden sie offen kämpfen. Hoffen wir auf baldige Ruhe! Antworten











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