Obama verbucht einen Sieg, Romney vermeidet eine Niederlage

US-Präsident Barack Obama und Ex-Gouverneur Mitt Romney trafen sich zum zweiten Mal vor der Kamera. Diesmal zeigte Obama Energie. Tagesanzeiger.ch/Newsnet kommentierte live.

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    Vor zwei Wochen war er einschläfernd. Und stürzte seine Anhänger in tiefe Verzweiflung. Das muss ihm jemand deutlich gemacht haben. Denn am Dienstagabend (Ortszeit) zeigte sich Barack Obama mit solcher Energie, dass die Republikaner ihn bereits als «Rohling» bezeichnen. Kandidat Mitt Romney versuchte anzuknüpfen, wo er bei der letzten Debatte endete: beim Dominieren der Debatte – und wirkte dadurch selber oft wie ein Grobian.

    Die Beobachter fanden beim letzten Duell, dass nur Romney sein Red Bull getrunken habe. Das war nun deutlich anders. Obama machte von Anfang an Druck, doch Romney vermied ein K.O.

    Bessere Themen für den Demokraten

    Wiederum war die Palette der Themen viel breiter als beim ersten Mal. Obama konnte jene Punkte zur Sprache bringen, die den Demokraten viel besser liegen: Löhne für Frauen, Zugang zu Verhütungsmitteln, Legalisierung hispanischer Einwanderer, Vergleiche mit dem unbeliebten Ex-Präsidenten George W. Bush. Hier konnte Obama jeweils punkten. Und bei Romneys Lieblingsthema Steuern vermochte Obama besser zu antworten als in der letzten Debatte.

    Der Amtsinhaber nahm darauf sogar Bezug und wiederholte immer wieder, dass er damals überrascht wurde von einem «neuen Romney», der im Wahlkampf viel radikaler aufgetreten war.

    Romney auf der anderen Seite verhedderte sich in Themen, die bloss dem rechten Flügel seiner Partei gefallen: vor allem die Kritik an der Reaktion der Administration auf die Erstürmung der US-Botschaft in Libyen und die Ermordung des Botschafters. Obama habe viel zu lange diese Attacke nicht als Terror bezeichnet, wiederholte Romney.

    Romney wird korrigiert

    Eine Fehlkalkulation. Er musste sich von der gut informierten Moderatorin Candy Crowley von CNN auf der Bühne korrigieren lassen: Obama habe bereits am Tag nach dem Anschlag von «Terror» gesprochen. Ein Rätsel, warum die Republikaner derart Druck auf ihren Kandidaten gemacht hatten, dieses Thema überhaupt aufzubringen.

    Obama wiederum vergab die Chance, sich gegen Romneys Vorwurf zu wehren, die Regierung sei zu nachsichtig gegenüber dem aggressiven Handelskonkurrenten China. Obama entschied sich für eine moderate, weniger populistische Linie. Das wird auch seine Anhänger enttäuschen.

    Das Ergebnis: Obama übertraf die enorm tiefen Erwartungen an diesem Abend deutlich. Er dürfte seinen Abstieg in den Umfragen gestoppt haben. Ob er wieder aufsteigt, ist eine andere Frage.

  • 5.33 Uhr  

    CNN hat nun seine Umfrage: 46 zu 39 Prozent für den Präsidenten. Diesmal erwähnt CNN-Moderator Blitzer deutlich, dass der Sender in seinem Sample gut 8 Prozent mehr Republikaner beinhaltet als in seinen anderen repräsentativen Umfragen. Es ist nicht ganz klar, ob das aus Sicht von CNN bedeutet, dass mehr Republikaner sich die Debatten ansehen als Demokraten.

    Der Konsens pendelt sich ein auf Sieg für Obama, wenn auch weniger deutlich als Romneys Durchmarsch vor zwei Wochen.

  • 5.20 Uhr  

    CBS hat bereits die erste Umfrage: 37 Prozent sehen Obama als Sieger, 30 Prozent Romney und 33 entscheiden sich für unentschieden. Wenn die Debatte insgesamt als Unentschieden gewertet wird, liegt Romney nach Turnierregeln immer noch vorn.

    Aber: Die von CBS befragten unentschiedenen Wähler kamen mit starker Vorliebe für Romney an. Vor der Debatte bevorzugten ihn 71 Prozent, wenn es um die Wirtschaft geht. Nach der Debatte waren es noch 65 Prozent. Obama verbesserte sich hier von 27 auf 34 Prozent.

    Immerhin. Wobei Obama offensichtlich immer noch ein Glaubwürdigkeitsproblem hat bei unabhängigen Wählern.

  • 4.52 Uhr  

    Barack und Michele Obama stürzen sich in die Menge und plaudern mit den Wählern. Romneys Ehefrau Ann tut dasselbe. Der Kandidat? Plaudert mit den Journalisten.

  • 4.48 Uhr  

    War Obama energiegeladen – oder einfach nur wütend den ganzen Abend? Rechte Kommentatoren, das zeichnet sich bereits ab, werden sich einrichten auf den «Wutnickel Obama».

  • 4.46 Uhr  

    Es geht bereits hin und her: Dominierte Romney die Bühne – oder war er ein Rüpel?

  • 4.40 Uhr  

    Die Debatte ist zu Ende. Zehn Minuten überzogen. Der notorisch vorsichtige CNN-Politmoderator Wolf Blitzer legt sich bereits fest: «Der Präsident hat Grund zu lächeln.»

  • 4.38 Uhr  

    «Was ist die grösste Falschmeinung, die über Sie beide grassiert», fragt der letzte Wähler. Beide Kandidaten werden sie ignorieren. Romney zählt noch einmal auf, warum er Amerika zu neuer Grösse führt. Und Obama nutzt die Chance, jenes Thema aufzubringen, auf das seine Anhänger seit eineinhalb Stunden warteten: «Hinter verschlossenen Türen bezeichnete Mitt Romney 47 Prozent der Amerikaner als unverantwortlich.»

    Erstaunlich aber, wie dieser massive Schnitzer, Romneys Geheimfilm, im letzten Monat an Wirkung verloren hat.

  • 4.32 Uhr  

    Beispiel Apple: Wie belässt die Firma ihre Fabriken in den USA und exportiert sie nicht nach China, fragt die Moderatorin. Romney, selber Grossinvestor in China, markiert den harten Verhandler: «China hat nie nach den Regeln gespielt.» Obama macht auf Realismus: «Fliessband-Jobs werden wohl nicht mehr zurückkommen, darum will ich bei uns gut bezahlte Jobs.» Ehrlich. Aber es ist nicht die populäre Position.

  • 4.30 Uhr  

    Romney landete am Ende beim Thema China. Obama greift das gerne auf: «Die grossen Unternehmen, die Romney vertritt, wollen tatsächlich Hunderttausenden Jobs schaffen – in China, Indien, Deutschland.» Ja, offenbar mögen die Amerikaner auch deutsche Jobs nicht.

  • 4.28 Uhr  

    «Jobs.» Beide Kandidaten mögen das Thema. Romney will die Wirtschaft stärken. Stellen schaffen. KMU fördern. Regulierung senken. Konkret wird er aber nur bei einem: «Dazu müssen wir die Steuern senken.»

  • 4.25 Uhr  

    Dank Crowley kann der Präsident das Thema Waffen selbstbewusst beenden und überleiten zu Bildung. Er preist seine Bildungsprogramme – trotz hilfloser Proteste der Moderatorin: «Das Thema war Waffen.»

  • 4.22 Uhr  

    Romney hätte hier leichtes Spiel. Aber zum einen verliert er sich in ein Spezialthema, das nur die Rechten interessiert: Warum werden Waffenlieferungen über Mexikos Grenzen vom Justizministerium untersucht? Moderatorin Crowley erinnert prompt an Romneys Schwäche: Dass er früher für ein Verbot von automatischen Waffen war.

    Obama springt hier auf. Er hätte auch selber darauf kommen können.

  • 4.20 Uhr  

    Gewalt und Waffen auf der Strasse: für jeden Demokraten ein diffiziles Terrain. Obama will automatische Waffen «aus den Händen junger Leute» kriegen – doch er wechselt schnell zum Thema Gewalt: «Die müssen wir senken.»

    Obama hat Angst vor der Waffenlobby. In seiner ganzen Amtszeit rührte er das Thema Waffen nicht an. Erstaunlich, denn die Waffenfans danken das nicht und lobbyieren massiv gegen seine Regierung.

  • 4.15 Uhr  

    «An den Tagen nach dem Anschlag waren Sie bei Wahlveranstaltungen.» Ein Tiefschlag von Romney – und ein Fehler: «Am Tag nach dem Anschlag stand ich im Garten vor dem Weissen Haus und nannte das einen Terroranschlag.»

    Romney beharrt: «Sie brauchten 14 Tage, um das einen Terroranschlag zu nennen.» Und jetzt geschieht etwas fast Unerhörtes: Moderatorin Crowley korrigiert den Kandidaten! «Der Präsident sprach tatsächlich von einem Terroranschlag.» Es gibt Applaus. Und Obama sagt fast erleichtert: «Können Sie das etwas lauter wiederholen, Candy?»

    Das ist nicht gut gelaufen für Romney. Ob die Sache allerdings die breite Öffentlichkeit interessiert, ist eine andere Frage.

  • 4.12 Uhr  

    Was geschah in Libyen? Ignoriert die Obama-Regierung Anfragen der dortigen Botschaft für mehr Sicherheit? Ein problematisches Thema für Obama. Er sagt, er habe ständig die Sicherheitsanforderungen aller US-Botschaften in der Welt im Auge. Da die Sache noch immer in Aufklärung ist, haben wir dazu nur sein Wort. Sein stärkster Punkt: «Wir kriegen die Leute, die diesen Angriff durchführten.» Der Hinweis auf Bin Laden ist klar.

  • 4.06 Uhr  

    Aber warum habe Obama das nicht in seinem ersten Jahr gemacht, fragt Romney. Eine gute Frage. Aber auch eine Ablenkung. Obama hakt nach beim national sehr unbeliebten Einwandererrecht des Staats Arizona, wo Menschen schon angehalten werden können, wenn sie mexikanisch aussehen. Dumm für Romney, dass sein Einwanderungs-Berater das Gesetz von Arizona einst ausarbeitete.

  • 4.03 Uhr  

    Thema Einwanderung: Romney vertritt seine harte Linie. «Wir müssen gegen illegale Einwanderung vorgehen.» Obama sagt, er habe die Grenze befestigt. Aber er habe den «Dream Act» verabschiedet, der die zweite Generation solcher Einwanderer legalisiert.

  • 3.55 Uhr  

    «Dieser Präsident hat nicht erfüllt, was er versprochen hat», sagt Romney. Und zählt seinen Katalog auf. Obama muss hier zurückgeben, sonst sieht er alt aus.

  • 3.52 Uhr  

    Ein enttäuschter Obama-Wähler: «Warum haben Sie abermals meine Stimme verdient?» Für den Präsdidenten die zentrale Frage überhaupt. Er zählt auf: Gesundheitsreform, mehr Jobs, Osama bin Laden tot. «Ich habe jene Verpflichtungen eingehalten, die ich einhalten konnte. Und bei den anderen habe ich es versucht.» Ob das den Wähler zufriedenstellt?

  • 3.50 Uhr  

    Für Obama ist das eine aufgelegte Sache: «Der Gouverneur hat dieselben Steuerideen wie George Bush. Aber es gibt Unterschiede: George Bush war liberaler in Sachen Einwanderung oder Verhütung. Romney ist wenn schon, dann extremer als George Bush.»

  • 3.46 Uhr  

    Romney bemüht sich bei der nächsten Frage um eine Antwort auf die Verhütungsfrage: «Die Bürokraten sollten sowas nicht bestimmen.» Das wird unentschiedene Wählerinnen nicht beeindrucken.

    Die konkrete Frage: Worin unterscheidet sich Republikaner Romney von Republikaner George W. Bush? Heikel für den Gouverneur. Er sei gegen riesige Defizite. Er sei für KMU. «Präsident Bush war auf einem anderen Weg.» Ob Bush das auch so sieht?

  • 3.43 Uhr  

    Obama nutzt die Chance, um gleich auch noch das Thema Verhütungsmittel zur Sprache zu bringen. Der Aufreger des Frühjahrs, als die Administration auch religiöse Organisationen dazu zwang, Verhütungsmittel ins Krankenversicherungsangebot aufnehmen zu lassen. «Gouverneur Romney war dagegen.» Romney erhält nicht die Gelegenheit, zu antworten.

  • 3.42 Uhr  

    «Eine Wirtschaft mit 7,8 Prozent Arbeitslosigkeit.» Romney sagt spezifisch 7,8 – und widerspricht damit den Verschwörungstheoretikern in seiner Partei, die glauben, Obama habe die Statistik auf unter 8 Prozent beschönigen lassen.

  • 3.38 Uhr  

    Nächstes Thema: Löhne für Frauen. Ein weiteres Thema, auf das sich vor allem die Demokraten freuen. Obama verweist auf ein Gesetz, das gleiche Löhne für gleiche Arbeit vorschreibt. «Eines der ersten, das ich verabschiedete.»

    Romney erzählt, dass er in Massachusetts dafür sorgte, dass Frauen in seinem Kabinett sassen. «Ich fragte alle möglichen Gruppen: Kennt Ihr geeignete Frauen?»

    Das klingt irgendwie seltsam. Romney brauchte Hilfe, geeignete Frauen für sein Kabinett zu finden?

  • 3.33 Uhr  

    Obama zählt auf, wofür Romney alles Geld ausgeben will: Steuersenkungen, mehr Militärausgaben, bei Defizitsenkungen. «Das geht nicht auf.» Romney erträgt die Predigt geduldig.

    Obama hat eine Punkt, aber er braucht Zeit für seinen Punkt. Die Zustimmungskurve der Kontrollgruppe von Wählern bei CNN steigt und sinkt wieder.

  • 3.32 Uhr  

    Romneys Antwort: Er redet über Freihandel und seine berufliche Erfahrung. Ein Zeichen, dass Obama ihn an einer empfindlichen Stelle trifft. Obama bleibt beim Thema Steuern: «Das ist noch nicht geklärt.»

  • 3.30 Uhr  

    «Wenn Gouverneur Romney ein Jahr lang den Reichsten tiefere Steuern verspricht, dann sollten Sie ihm glauben.» Diesmal will Obama seinen Gegner an seine bisherigen Standpunkte erinnern.

  • 3.27 Uhr  

    Obama kann darauf verweisen, dass er tatsächlich schon Steuern gesenkt hat für Mittelschicht-Einkommen. Und dass die Republikaner im Kongress ihn zwingen wollen, auch Einkommen über 250'000 Dollar im Jahr weitere Steuersenkungen zukommen zu lassen.

  • 3.24 Uhr  

    Nächstes Thema: Steuern. Romney wolle ja die Steuern für alle senken und das finanzieren mit der Abschaffung von Steuerabzügen. Aber was ist mit all den Abzügen, die normalen Familien zugute kommen? Ein Problemthema für Romney, weil er sich weigert zu sagen, welche Abzüge er abschaffen will.

    Er tut es auch jetzt nicht. «Vor allem jene für Leute am oberen Ende.» Konkreter wird er nicht. Allerdings will er «unter keinen Umständen» den Steueranteil der Reichsten weiter senken. Das klang schon anders von ihm.

  • 3.21 Uhr  

    Das ist bereits jetzt die konfrontativste Town-Hall-Debatte je. Dieses Format sorgte einst dafür, dass der Ton höflich und verständnisvoll blieb, weil ja noch andere, «normale» Menschen teilnahmen.

    Romney überfährt Moderatorin Crowley. «Er bekam dazu die erste Frage, ich kriege die letzte.» Er muss damit aufpassen.

  • 3.17 Uhr  

    «Was Gouverneur Romney sagt, ist einfach nicht wahr.» Den Satz werden wir heute nacht noch öfter hören. Es ist jener Satz, den Obama bei der letzten Debatte bleiben liess. Und jetzt debattieren sie direkt miteinander: «Wieviele Abbaulizenzen gaben sie aus in den vergangenen Jahren, Mr. Präsident?» – «Wir produzierten mehr Öl.» – «Aber wieviele Lizenzen?» – «Lassen Sie mich antworten...»

    Und so weiter. Schwierig zu sagen, wie das auf die Zuschauer wirkt. Kommt Romney als Besserwisser an? Oder Obama als unsicher?

  • 3.15 Uhr  

    Romney ärgert sich: Der Präsident habe dafür die Umweltorganisationen übernehmen lassen. «In North Dakota kriminalisierten sie die dortigen Erdölfirmen. Aus welchem Grund? Weil 25 Vögel starben.»

    Romney muss aufpassen mit solchen Sprüchen. 25 Vögel sind womöglich ihm egal. Die demokratische Basis regt sich massiv auf über eine solche Tonlage. Das ist Romneys grosses Problem in solchen Arenen: spontane Sprüche, die etwas kaltherzig tönen.

  • 3.13 Uhr  

    Nächste Frage: Energie. Obama setzt auf Erdgas und auf neue Vorkommen. «Gouverneur Romney will einfach die Erdölindustrie die Gesetze schreiben lassen.» Unter dem letzten Republikaner, George W. Bush, war es tatsächlich buchstäblich so.

  • 3.09 Uhr  

    Romney gibt zurück. Er ärgert sich darüber, dass die Demokraten immer behaupten, er habe die Autoindustrie in den Konkurs schicken wollen. Er habe einen kontrollierten Konkurs gewollt. «Nicht wahr», sagt Obama, Romney habe keine Garantien geben wollen. Und als Crowley zur nächsten Frage übergehen will, ruft Romney über sie hinweg: «Alles falsch!»

    Die Stimmung knistert bereits.

  • 3.07 Uhr  

    Barack Obama antwortet. Er bringt sein bestes Beispiel für Stellenschaffung, die Rettung der US-Autoindustrie. Und dann gehts gleich noch zum Thema Steuern und Einsparungen beim Militär. Wenn wir schon dabei sind. Der Präsident wirkt bedeutend nervöser als letztes Mal. Er weiss, warum.

  • 3.03 Uhr  

    Erste Frage von einem Studenten: Wie soll ich mich und meine Familie durchbringen, nachdem ich den Abschluss habe? Die Frage geht an Mitt Romney. Er bezieht sich kurz auf ein College-Programm, das er als Gouverneur in Massachusetts eingeführt habe (das war nicht die Frage) – und geht dann sofort in medias: «In den letzten vier Jahren gab es zuwenig Jobs. Wann schliessen Sie ab? 2014? Dann werde ich wohl Präsident sein. Ich sorge dafür, dass sie einen Job kriegen.»

    Das wird den Studenten freuen.

  • 3.01 Uhr  

    CNN-Kommentatorin Candy Crowley stellt sich und die Regeln vor. Kein Jubeln, kein Buhen, bitte. Ausser jetzt, wenn die beiden Kandidaten auftreten – und applaudiert wird.

  • 2.56 Uhr (20.56 Uhr New Yorker Zeit)  

    «Kritischer Moment»: Die wohl häufigste Umschreibung dieser Debatte durch die Kommentatoren auf CNN. Sie dürften diesmal Recht haben. Und die Einschaltquoten dürften entsprechend hoch sein.

  • 2.48 Uhr  

    Der Coach der Kommission für Präsidentschaftsdebatten weist die ausgewählten 82 unentschiedenen Wähler ein, die bei dieser Debatte dabei sein werden.

    Gemäss Umfragen gibt es immer weniger von diesen Unentschiedenen. Anders als 1992, als diese Form der Debatte «erfunden» wurde: Kandidaten, die auf einem Barhocker sitzen, mit dem Mikrofon herumgehen können und Fragen direkt von Wählern kriegen.

    Es war ein Format, das dem damaligen Kandidaten Bill Clinton wie auf den Leib geschrieben war. Dem Team seines Gegners, Präsident George Bush, des Älteren, war das nie richtig klar – bis es vorüber war. Wer weiss, ob sie sonst zugestimmt hätten. Und ob das Format bis heute überlebt hätte.

  • Ausgangslage  

    Nach seinem schwachen Auftritt im ersten TV-Duell gegen Mitt Romney steht Barack Obama unter Zugzwang. Vor dem zweiten direkten Aufeinandertreffen heute Nacht gab sich das Wahlkampfteam des US-Präsidenten entsprechend kämpferisch. Der Druck war aber für beide Kandidaten enorm: Nur drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl ist das Rennen laut Umfragen wieder völlig offen. In der zweiten Debatte vor Millionen Fernsehzuschauern den richtigen Ton zu treffen, galt daher als möglicherweise entscheidend.

    In vielen der sogenannten Swing-States, die für eine knappe Mehrheit am Ende den Ausschlag geben könnten, hat Obama im Rennen um das Weisse Haus noch immer leicht die Nase vorn. Umso mehr stand bei dem Duell in Hempstead im Staat New York auf dem Spiel: Würde sich der Präsident in der Argumentation mit Romney ein zweites Mal schwertun, bliebe kaum noch Zeit, erneut gegenzusteuern.

    Richtiges Mass finden

    Nach guten Umfragewerten für Obama im September liegen die beiden Kandidaten inzwischen praktisch gleich auf - und Romney wird gewiss alles dransetzen, seinen politischen Rivalen endgültig zu überholen.

    Für Obama, dessen Auftreten in der ersten Debatte in Denver als zu zurückhaltend kritisiert wurde, ging es vor allem darum, das richtige Mass zwischen Angriffslust und Sachlichkeit zu finden. Im zurückliegenden Duell hatte Romney seine mitunter radikalen Positionen teilweise deutlich abgeschwächt - ein Schachzug, auf den der Präsident offenbar nicht hinreichend vorbereitet gewesen war.

    Intensivtraining im «Debatten-Camp»

    Wie wichtig die beiden Kandidaten den Auftritt in Hempstead nahmen, zeigte schon ihre ausführliche Vorbereitung. Obama zog sich für ein dreitägiges «Debatten-Camp» im Staat Virginia zurück und trat zuletzt kaum noch öffentlich in Erscheinung. Auch Romney war in den letzten Tagen intensiv mit den Proben für das Duell beschäftigt.

    Die Teams der beiden Kandidaten setzten den Wahlkampf unterdessen auf allen Kanälen fort. Beide Seiten schalteten neue Fernsehspots. In einem am Montag veröffentlichten Video warfen die Demokraten Romney vor, er wolle mit seinem jüngsten Rückzug auf gemässigtere Positionen die Wähler hinters Licht führen.

    Selbst Fragen stellen

    Am Dienstag schaltete sich der frühere demokratische Präsident Bill Clinton in die Debatte um die US-Wirtschaftspolitik ein und nahm in einem Video die Steuerpläne des Republikaners auseinander. Romneys Vize Paul Ryan erklärte in den Staaten Ohio und Wisconsin, Obama habe in seiner Regierungszeit eine schwierige Wirtschaftslage weiter verschlimmert.

    In der von der CNN-Moderatorin Candy Crowley moderierten Debatte sollten unentschlossene Wähler auch die Möglichkeit haben, den beiden Präsidentschaftskandidaten selbst ihre Fragen zu stellen. Vor der Wahl am 6. November wird es noch ein drittes TV-Duell zwischen Obama und Romney geben. Es ist für den 22. Oktober in Florida geplant.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 17.10.2012, 07:24 Uhr)

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