Dirty Tricks vor TV-Duell Obama vs. McCain
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 07.10.2008
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Wenn sich die beiden Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama am Dienstag Abend auf dem Campus der Belmont-Universität in der Country-Metropole Nashville zur zweiten von drei Debatten gegenüberstehen, werden sie in einer zunehmend vergifteten politischen Atmosphäre agieren.
Haperte es bereits bei der ersten Debatte der beiden Kontrahenten in Oxford im Staat Mississippi an Zwischenmenschlichem, da der Republikaner sich dem Demokraten resolut verschloss und diesem nicht einmal in die Augen sehen wollte, so ist der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf inzwischen zu einem politischen Ju-Jutsu mutiert, dessen Akteure dem Gegner mit allen Mitteln beizukommen versuchen.
Kaum vorstellbar ist vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Wahlkampfs mit seinen harten persönlichen Attacken, dass der Umgang der beiden Kandidaten in Nashville von Respekt oder gar Zuneigung geprägt sein wird. Hatte der Stab von Senator McCain bereits am Wochenende angekündigt, man werde Barack Obama fortan rabiat an den Karren fahren und die Person des Demokraten zu zerlegen versuchen, so suchte der solcherart angemachte Obama nun seinerseits sein Heil in einem Präventivschlag gegen den republikanischen Widersacher: Auf einer eilends eingerichteten Webseite wurden die Wähler am Montag an McCains Verwicklung in den amerikanischen Sparkassenskandal Ende der Achtzigerjahre erinnert.
Pastor Wright kommt doch ins Spiel
Zuvor allerdings begann das Team von McCain die weithin proklamierte Absicht, Obama zu besudeln, in die Tat umzusetzen: In einem neuen Fernsehspot wurden dem demokratischen Kandidaten die Prädikate «unehrenhaft» und «gefährlich» verliehen, auch zieh man ihn fehlender Unterstützung der amerikanischen Truppen. Und McCains Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die sich zu einer begabten politischen Schlägerin entwickelt hat, knöpfte sich den gegnerischen Kandidaten in einem Interview wegen dessen ehemaligem Pastor Jeremiah Wright vor – wenngleich John McCain bereits vor Monaten angeordnet hatte, Wright sei der verzwickten Rassenproblematik wegen im Wahlkampf tabu. «Ich weiss nicht, warum diese Verbindung nicht mehr diskutiert wird, schliesslich waren das erschreckende Dinge, die der Pastor über unser grosses Land gesagt hat», entrüstete sich die Gouverneurin aus Alaska über den schwarzen Gottesmann mitsamt dessen ehemaligem Schäfchen Obama.
Der ging unterdessen gleichfalls in die Vollen und hieb auf McCain wegen eines Skandals ein, der zwar fast zwei Jahrzehnte zurückliegt, vor dem Hintergrund taumelnder Börsen und wankender Banken indes taufrisch wirkt. Tatsächlich nötigte der Casino-Kapitalismus der Sparkassen dem Staat unter dem älteren Bush eine der grössten finanziellen Rettungsaktionen der amerikanischen Geschichte ab. Mittendrin im Skandal fand sich Senator John McCain, nachdem er zusammen mit vier anderen Senatoren dem betrügerischen und später zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Sparkassenbesitzer Charles Keating zu Diensten gewesen war. John McCain hatte sich für Keating bei der staatlichen Sparkassenaufsicht verwendet, flog im Privatjet des Sparkassenmoguls und erfreute sich anderer Aufmerksamkeiten.
Freunde nicht sorgfältig ausgesucht
Der Senator, befand später sein Biograf Robert Tinberg, sei ins Schleudern geraten, weil er «seine Freunde nicht sorgfältig genug ausgewählt» habe. Nun also wärmt die Obama-Truppe den pekuniären Oldtimer auf und zeigt auf einer Webseite (KeatingEconomics.com) gar einen Dokumentarfilm von 13 Minuten Länge über die leidige Affäre: McCain, so der Anwurf, sei nicht zu trauen, wenn es um Banken und anderer Leute Geld gehe, stets habe der Senator aus Arizona fleissig dereguliert. Bei der heutigen Debatte in Nashville wird sich zeigen, wie viel böses Blut das Abdriften des Wahlkampfs in niedrige Gefilde bereits verursacht hat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.10.2008, 08:17 Uhr
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