Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: «Genf 2010 setzt bei ‹grün› neue Akzente»

Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 08.03.2010

Der deutsche «Autopapst» und Leiter Center Automotive Research an der Uni Duisburg gibt dem diesjährigen Auto-Salon in Genf gute Noten.

Optimistisch: Ferdinand Dudenhöffer.

Optimistisch: Ferdinand Dudenhöffer.

Seit Beginn der Klimadebatte rühmt sich jede Autoshow, besonders «grün» zu sein. Auch Genf. Doch wie «grün» ist der diesjährige Salon wirklich? Ganz klar: In Genf sind wir in diesem Jahr bei «grün» ein ordentliches Stück weitergekommen. Der diesjährige Genfer Auto-Salon setzt wichtige Akzente für die weltweite Autoindustrie.

Was heisst das konkret?

Die Zeiten der Marketingsprüche und der «grünen» Showcars ist definitiv zu Ende. Jetzt werden die saubereren Autos auch Realität, das Umdenken konkret. Das ist die mit Abstand wichtigste Botschaft, die Genf 2010 aussendet. Eine Botschaft, die für die weltweite Autoindustrie von grosser Bedeutung ist.

Im Vergleich zur North American International Auto Show in Detroit ist die Quantität und die Qualität der Premieren in Genf viel höher. Was macht den Salon so wichtig für die internationale Autoindustrie?

Genf ist eine ganz besondere Automesse. Zwar ist es eine der wichtigsten Messen überhaupt, aber gleichzeitig auch eine mit den geringsten Besucherzahlen. Vor allem aber ist Genf die «demokratischste» Messe – alle Hersteller werden hier gleich behandelt. So sind übertriebene Stände wie an der IAA in Frankfurt, bei der einige Marken ganze Hallen belegen und klotzen und die anderen wie Waisenkinder des Automobilzeitalters daneben stehen, gar nicht möglich. Genf ist Schweiz, und die Schweiz ist demokratisch. Und neutral. Es gibt keinen Schweizer Autobauer, und trotzdem ist die ganze Welt in Genf versammelt. Und hier werden die wichtigsten Neuheiten präsentiert. Das ist das Besondere an Genf. Insoweit ist Genf nicht zu wiederholen und damit einzigartig.

Nach Toyota und Honda haben nun auch die Europäer den Hybridantrieb entdeckt und zeigen in Genf viele Serienautos. Gehört dem Hybridantrieb die Zukunft?

Absolut. Die neue Regel heisst: Diesel ist out, hochaufgeladene kleine Benziner mit Hybrid sind in. Sogar Ferrari hat die Umwelt entdeckt, aber das ist mehr eine Marketinggeschichte und sollte nicht zu ernst genommen werden. Aber die Hybridisierung ist in vollem Gange und wird die Autowelt noch lange weiter bewegen. Plug-in und Range-Extender sind die nächsten grossen Zwischenschritte in Richtung Elektroauto.

Das Elektroauto als «Heilsbringer» für die angeschlagene Autoindustrie?

Nein, nicht nur. Zwar läuft die Elektrifizierung und ist nicht mehr wegzudenken. Doch damit werden die Autoindustrie und die Zulieferindustrie neu aufgebaut. Heutige Big Player wie Bosch, die wenig Eigenständiges bei den Batterien zu bieten haben werden von neuen Anbietern und Batterieherstellern bedrängt – die Zeit von BYD, Sanyo und Evonik beginnt.

Und wer hat bei den Autoherstellern derzeit die besten Karten, wenn es um das Elektroauto geht?

Nebst den vielen kleinen Anbietern und Exoten machen vor allem Mercedes und Smart, BMW, Ford und Opel – aber auch die Allianzen Peugeot-Mitsubishi und Nissan-Renault – glasklare Aussagen.

Hybrid oder Stromer: Wars das in Sachen alternative Antriebe am Genfer Salon?

Keineswegs. Denn neben den Elektroautos und Hybriden spricht man in diesem Jahr auch wieder vermehrt über Gas und über kleine, hochaufgeladene Motoren. So zeigt Fiat zum Beispiel den ersten europäischen Zweizylinder.

Trotz Sparautos und «grünem Anstrich»: Wie wichtig sind Emotionen für die Automobilindustrie?

Sie sind absolut unverzichtbar. Aber keine Angst, auch das Elektroauto «elektrisiert» in emotionalem Sinne. Wir sind auf dem Weg in ein Zeitalter neuer Emotionen: Zero-Emission, Zero-Noise – aber jede Menge Fahrspass! (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.03.2010, 16:18 Uhr

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