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VW-Chef setzt sportliche Herzen unter Strom

Der Volkswagen-Konzern überbietet sich am diesjährigen Salon mit Superlativen. Mehr Neuheiten zeigt in Genf keiner. Und alle – vom ersten Audi A1 bis zum ersten Pick-up von VW – versprechen Fahrspass und Sparspass.

Wolfgang Porsche (links), Martin Winterkorn (2. von links) und Ferdinand Piëch (rechts) lassen Osamu Suzuki hochleben.

Wolfgang Porsche (links), Martin Winterkorn (2. von links) und Ferdinand Piëch (rechts) lassen Osamu Suzuki hochleben.
Bild: Keystone

Da konnte selbst einer wie Osamu Suzuki, ergraute Eminenz des japanischen Autobaus und Mitbesitzer des gleichnamigen Konzerns, bloss staunen. Nach Genf eingeflogen, um bei der Salon-Vorpremiere den allmächtigen Ferdinand Piëch und dessen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn Gelegenheit zu bieten, sich nochmals für das eingegangene Joint Venture mit den Japanern beklatschen zu lassen, bekam Suzuki ein wahres Feuerwerk an Neuem zu sehen. Jede der neun Marken im VW-Konzern, Porsche erstmals inklusive, bietet am 80. Internationalen Auto- Salon Genf zumindest eine spektakuläre Neuheit. Ebenso spektakulär vor viel prominentem Premieren-Publikum angesagt von den jeweiligen Markenchefs.

Mini von Audi, Pick-up von VW

So sieht Rupert Stadler, der bei Audi das Sagen hat, den A1 «zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Weg in die urbane Zukunft». Schnell soll er sein, sportlich, aber auch sparsam. Und eine Elektroversion des frechen Neulings, der A1 e-tron, soll schon bald folgen. Auch der kleine A1 ist versehen mit all jenen Genen, die bis hinauf zum neuen Luxusliner A8 die Marke Audi «so unverwechselbar eigenständig machen», wie Stadler meint. Bleibt bloss die Frage: Braucht es da einen Justin Timberlake, um den Mini mit den vier Ringen im Singleframe-Kühlergrill der angepeilten Jungkundschaft überhaupt noch schmackhaft zu machen?

Unbestritten ist hingegen, dass die Wolfsburger erstmals einen Pick-up bauen und damit gleich ganz gross ins Geschäft kommen wollen. Der Amarok ist, so sieht es jedenfalls Wolfgang Scheiber als Chef der VW-Nutzfahrzeuge, nicht nur der Dynamischste, sondern auch der Effizienteste. «Ein Verbrauch von 7,2 Litern bei einer Zuladung von 1,1 Tonnen – das macht uns so schnell keiner nach», gibt sich Schreiber ebenso selbstbewusst wie überzeugt. Anvisiert werden mit dem Amarok vor allem Konkurrenten aus Japan und den USA – und zwar in deren Heimmärkten. Eben dort ortet VW weiteres Wachstumspotenzial, um den Konzern auf dem Weg zur weltweiten Nummer 1 noch einen Schritt weiter zu bringen.

Tempo 300 im Bio-Bentley-Cabrio

Weniger ums Wachstum als ums Prestige im Konzern und, natürlich, um den «grünen» Beweis, was der Vorsprung durch Technik auch bei einem Bentley bewirken kann, geht es Franz-Josef Paeffgen. Zwar soll sich der neue Continental Supersports, «das schnellste viersitzige Cabrio, das je gebaut wurde», auch offen bei über 300 km/h noch immer freudvoll fahren lassen. «Mit einem guten Gewissen», wie Paeffgen anmerkt. Denn der Super-Bentley (rund 400?000 Franken) kann jederzeit mit Ethanol betankt werden. Mehr noch: Die Edelmarke im VW-Konzern soll in Zukunft ausschliesslich mit Flex-Fuel-Motoren ausgeliefert werden. Mit Porsche ist man da bereits einen tüchtigen Schritt weiter. Zufall oder nicht: Gleich beim ersten gemeinsamen Auftritt an einem Genfer Auto-Salon sorgen die Stuttgarter mit dem 918 Spyder Plug-in-Hybrid für das Highlight schlechthin. Ein Auto, das die legendäre Nordschleife am Nürburgring in 7:30 Minuten schafft und auf einem ganz anderen Rundkurs, nämlich im Stadtverkehr, dank seiner beiden zusätzlichen Elektromotoren nicht ein Gramm CO2 ausstösst, das hat es so noch nicht gegeben.

Zwar steht der Spyder erst als Studie in Genf, doch bei der Medienpräsentation in den Serono-Werkshallen im Genfer Vorort Sécheron bekräftigte Porsche-Macher Michael Macht: «Wir werden beweisen, wie sozialverträglich auch Supersportwagen sein können.»

2018 stehen 3% unter Strom

Und wie wertet Konzernchef Martin Winterkorn selbst das Ganze? Den Genfer Auftritt seiner Marken – und die Strategie, die dahintersteckt? «Das Herz von VW schlägt auch elektrisch», bekannte er, auch wenn für ihn effiziente Benzinmotoren auch in naher Zukunft die wichtigste Antriebsart bleiben werden. Bis 2018 erwartet Winterkorn immerhin einen Anteil von 3% für die Elektromotoren bei den jährlichen Auslieferungen konzernweit. Das klingt zwar nicht sonderlich aufregend, doch wenn man sich das Gesamtvolumen vor Augen führt, dann hat diese Aussage Winterkorns dennoch Gewicht. Umso mehr, als der VW-Konzern seine Verkäufe im Januar bereits wieder um über 40 Prozent gesteigert hat. «Gegenwind», so Winterkorn in Genf, «bläst uns noch in Europa entgegen. In China und in den USA spüren wir Rückenwind.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2010, 23:04 Uhr

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