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«King of Kustomizers» macht für Hollywood Auto-Träume wahr

Aktualisiert am 03.01.2009

Batman, Knight Rider oder die Monster Family: Wann immer Hollywood ein spektakuläres Filmauto brauchte, hat es der «King of Kustomizers» geliefert. Und noch immer gehen George Barris die Ideen nicht aus.

Der Bat-Smart.

Der Bat-Smart.

George Barris.

George Barris.

George Barris macht, wovon andere nur träumen. Während sich konventionelle Autodesigner streng an die Vorgaben von Entwicklern, Buchhaltern und Markenpflegern halten müssen, lässt der über 80 Jahre alte Amerikaner seinen Ideen freien Lauf. Denn Barris ist der selbst ernannte «King of Kustomizers» und hat schon Autos getunt, veredelt und modifiziert, als Leute wie Brabus-Chef Bodo Buschmann oder die Herren Abt, Kamei, Lexmaul & Co. noch nicht mal auf dem Dreirad sassen.

Zwar hat er sich damit schon früh viele Fans und Freunde gemacht und so manchen Dollar verdient, doch seinen Durchbruch feierte Barris, als in den 50er-Jahren die Filmstudios in Hollywood auf ihn aufmerksam wurden. Denn bald liessen sich Stars und Studiobosse in der kleinen Werkstatt draussen am Riverside Drive nicht nur schnittige Privatwagen schneidern, sondern bestellten auch Autos für ihre Filmproduktionen. So wurde der Designer, der nie auf einer Kunsthochschule war oder im «seriösen» Autobusiness gelernt hat, zum Autochef der Traumfabrik.

Von Magnums Ferrari bis zu KITT

Seit Barris erste Hotrods 1958 durch den Streifen «High School Confidental» rollten, gab und gibt es in Hollywood kaum einen Kinofilm und keine TV-Serie, die nicht von Barris Kustom Inc. ausgestattet wird. Er gab dem Magnum-Ferrari den letzten Schliff, modifizierte den Ford Torino von Starsky and Hutch, entwarf den Van für das A-Team, hat den Porsche von James Deans letzter Fahrt nachgebaut. Er ist der Kopf hinter Knight Riders KITT, und von ihm stammen die rollenden Särge der Monster Familiy oder die verrückten Autos für das Cannonball Race. Aber vor allem ist er der Vater des Batmobils, das er bei aller Liebe zu seinen anderen Autos als das wichtigste Objekt seiner Karriere bezeichnet.

Bei der Arbeit mit den Studios hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel geändert: «Wenn sie früher ein Auto für Spezialeffekte gebraucht haben, dann mussten wir die tatsächlich auch einbauen», sagt Barris mit Blick auf die vielen Schalter im Batmobil: Nebelwerfer, die Flammen eines Raketenantriebs, Nagelschleudern oder Bremsfallschirme – «alles, was draufstand, war auch drin», sagt er nicht ohne Stolz. «Heute dagegen entstehen die meisten Special Effects am Computer», klagt er und klingt dabei ein wenig sentimental. Doch seinen Job hat ihn das noch nicht gekostet. Denn selbst vollständig animierte und im Rechner erzeugte Filme wie «Speedracer» brauchen für die Autos eine Originalvorlage, die in diesem Fall einmal mehr von George Barris kam. Allerdings hat er diesmal kein fahrfähiges Auto gebaut, sondern nur ein lackiertes Schaumstoffmodell, das dann digitalisiert und im Rechner zum Leben erweckt worden sei. Zudem rauben ihm Produzenten und Drehbuchautoren zunehmend seinen kreativen Spielraum. «Als ich das erste Batmobil gemacht habe, hat die Produk- tionsfirma nur ein Auto bestellt, das schön spektakulär sein sollte, eines das Krach, Bumm, Peng macht. Alles andere überlies- sen sie mir.»

«Zeit war und ist Mangelware»

Heute dagegen bekommt er wie die Entwickler bei Ford oder Mercedes ein eng gefasstes Lastenheft und muss bauen, was andere ihm vorschrieben. Nur eines habe sich in all den Jahren nicht geändert, sagt der Amerikaner, der von einer deutschen Stiefmutter aufgezogen wurde und als allererstes Auto deren 25er Buick Coupé mit Wandfarbe und den Türgriffen des Schlafzimmerschranks verziert hat: «Zeit war und ist bei der Filmindustrie Mangelware.» Viel mehr als ein paar Wochen bleiben ihm bei keinem Projekt, und manchmal muss er auch schon in wenigen Tagen fertig sein. Mit der Arbeitszeit und dem Aufwand ändert sich natürlich auch der Preis, sagt er diplomatisch. «Ein trockenes Brötchen zum Frühstück kostet schliesslich auch weniger als Rührei mit Speck, Croissants und Orangensaft», spannt er den Bogen, ohne auch nur einen Hauch konkreter zu werden. Denn über Geld spricht der «King of Kustomizers» lieber nicht.

In seiner Karriere hat Barris so viele Autos entworfen, auf die Räder gestellt oder zumindest nachgebaut, dass er selbst den Überblick zu verlieren droht. Wie viele es genau waren, kann er deshalb nicht mehr sagen. «Auf jeden Fall viele Tausende», sprudelt es aus ihm heraus. Und alle waren ihm gleich lieb und gleich wichtig. «Oder würden Sie eines Ihrer Kinder dem anderen vorziehen», beantwortet er die Favoritenfrage mit einer Gegenfrage. Dass er sich dabei manchmal ganz nonchalant auch mit fremden Federn schmückt, muss man ihm fast verzeihen. Nur dass er sogar den De Lorean für den Film «Zurück in die Zukunft» entworfen haben will, liessen ihm die Universal Studios nicht durchgehen und schickten postwendend Anwälte.

Dass er auch nach über 60 Jahren noch immer im Geschäft ist, führt Barris auf seine geschickte Strategie zurück: Natürlich baut er noch immer Autos für die Studios in Hollywood oder sonst wo auf der Welt. «Doch ich habe schon früh angefangen, mein Geschäft breiter aufzustellen», sagt er stolz. Deshalb hat er nicht nur fünf Dependancen in den USA und Filialen in Grossbritannien, Schweden und Japan, sondern mischt längst auch andere Branchen auf: Seit vielen Jahren verkauft er die Lizenzen für seine Autos an die Spielwarenindustrie, er hat Fahrräder entworfen, Motorräder und Rennboote, sogar Gitarren tragen seine Handschrift und klingen nun auf einigen Alben – etwa von ZZ Top.

George Barris verleiht Flügel

Ausserdem sucht der selbst ernannte «King of Kustomizers» seine Kunden mittlerweile auch ausserhalb von Film und Fernsehen und arbeitet zusammen mit einer Reihe von Partnern als ganz normaler Tuner, der Autos breiter macht, tiefer legt und ihnen Flügel verleiht. Dabei bearbeitet er US-Ikonen wie den Ford Mustang oder den Dodge Challenger genauso liebevoll wie etwa den Toyota Prius, den er auch privat fährt – mit Flügeltüren natürlich. «Das ist für mich das Kustomizing der Zukunft», sagt er und lässt seine über 60 Jahre im Geschäft Revue passieren: «Früher waren es die Hot Rods, dann kamen die Muscle Cars und jetzt sind es Hybridautos.» Oder Kleinwagen, müsste er eigentlich ergänzen. Denn sein jüngstes Projekt ist der Smart, den er mit Fledermausschwingen, dreifachem Auspuffrohr auf dem Dach und Flügeltüren zu einer Miniaturausgabe des Batmobils aufgerüstet hat. Und anders als die frühen Batmobile, die er in seinem über und über mit Filmplakaten, Autogrammkarten, Urkunden und Erinnerungsfotos tapezierten Laden in North Hollywood ausgestellt hat, bleibt dieser Smart kein Einzelstück, sondern wird in Kleinserie produziert. Während Barris von der Replika des Challenger «General Lee» aus der TV-Serie «The Dukes of Hazard» («Ein Duke kommt selten allein») allerdings gleich 1000 Stück bauen will, wird es vom «Batsmart» wohl nur 40 Exemplare geben, erzählt ein Partner von Barris und stellt einen Preis von rund 40'000 Dollar in Aussicht.

Erstellt: 03.01.2009, 10:21 Uhr

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