Die «Freude am Fahren» macht Freude beim Sparen
Von Thomas Geiger und Dieter Liechti. Aktualisiert am 19.08.2009 1 Kommentar
Cayenne unter Strom
Während die M-Klasse von Mercedes mit Hybridantrieb in den USA vom Band läuft und BMW den X6 als Teilzeitstromer parat macht, bereitet auch Porsche einen Hybrid-Cayenne mit rund 380 PS vor. Mit dem Modellwechsel 2010 soll er nicht nur kompakter, sondern auch sparsamer werden – Porsche hofft auf «weniger als 9 Liter». Pionier in diesem LuxusSegment ist der Lexus RX 450h, der frisch geliftet und mit 299 PS ab 85 600 Franken am Start steht.
Mit der «Efficient Dynamics»-Strategie und den serienmässigen Spritsparpaketen für die gesamte Modellpalette hat BMW zur rechten Zeit den Nagel auf den Kopf getroffen und die Konkurrenz im Premiumbereich auf Distanz gehalten. Aber der Blick in die Zukunft der alternativen Antriebe war für die Bayern bisher eher trübe: Zwar fahren ein paar Elektro-Minis durch ein paar Grossstädte, doch der einst als Heilsbringer bezeichnete Wasserstoff-7er ist längst aus den Schlagzeilen gefahren. Und konkrete Pläne gibt es derzeit für beide Modelle nicht.
Dafür garantierte die Symbiose aus der BMW-typischen «Freude am Fahren» mit den «Efficient Dynamics» in den vergangenen Jahren volle Auftragsbücher – doch nun hat die Krise auch die Münchner erwischt: In der Schweiz liegt BMW nach dem ersten Halbjahr 18,3 Prozent hinter dem Vorjahr zurück, während der Hauptkonkurrent Audi weiter wächst und die Verkäufe im gleichen Zeitraum um 8,6 Prozent gesteigert hat. Kleiner Trost für BMW: Mercedes liegt in der Schweiz 19,2 Prozent hinter dem Vorjahr zurück.
485 PS für den neuen X6
Diesen Abwärtstrend will BMW mit seinem Auftritt an der IAA in Frankfurt (vom 17. bis 27. September) beenden. Dort zeigen die Bayern die Serienversion ihrer Hybridvarianten – Active Hybrid – des Sport-SUV X6 und der Luxuslimousine der 7er-Reihe. Beide Autos sollen im April 2010 auch tatsächlich auch auf den Markt kommen. Zwar tragen der Geländewagen und die Limousine den gleichen Active-Hybrid-Schriftzug vor dem Namenskürzel, und beide setzen auf einen V8-Benziner. Doch der Schein trügt, die beiden Sparer könnten kaum unterschiedlicher sein. Denn der 7er hat wie die S-Klasse von Mercedes hochmoderne Lithium-Ionen-Akkus an Bord, kann dafür aber nicht ohne Einsatz des Benzinmotors fahren. Der X6 hingegen teilt sich mit der Stuttgarter M-Klasse die eher betagten Nickel-Metall-Hydrid-Batterien, schafft es damit auch ein paar Kilometer nur mit Strom.
Beim X6 kombiniert BMW den 4,4 Liter grossen und 407 PS starken V8-Motor gleich mit zwei Elektromotoren, die auf 91 PS und 86 PS kommen. Das reicht für eine Systemleistung von 485 PS und ein gemeinsames Drehmomentmaximum von 780 Nm – und in der BMW-Statistik für den Ehrentitel «leistungsfähigstes Hybrid-Fahrzeug der Welt». Dementsprechend beeindruckend sind die Fahrleistungen: Obwohl rund 2,5 Tonnen schwer, beschleunigt der X6 mit dem elektrischen Turbo-Effekt in 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und kommt mit maximal 236 km/h nahe an die Höchstgeschwindigkeit der reinen Benziner heran. Gleichzeitig haben die Elektromotoren genügend Kraft und die Batterie genügend Kapazität, um den X6 auf Kurzstrecken mit bis zu 65 km/h rein elektrisch zu betreiben.
Das dürfte mit dem polarisierenden Sport-SUV ein erhebendes Gefühl sein. Doch am schönsten wird für X6-Fahrer mit dem Hybrid der Stopp an der Tankstelle: Denn mithilfe des zweiten Herzens sinkt der Verbrauch um etwa 20 Prozent auf 9,9 Liter. Klar, der Diesel (35 d) gibt sich mit 8,3 Liter zufrieden, doch dafür gibts ja auch «nur» 286 PS.
7er begnügt sich mit 9,4 Liter
Weniger spektakulär ist der Hybridantrieb im 7er – obwohl dort die moderneren Batterien zum Einsatz kommen. Genau wie in der parallel entwickelte S-Klasse aus Stuttgart sitzt hier im Getriebegehäuse ein Elektromotor mit 20 PS, der den Verbrenner beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt und beim Bremsen zum Generator wird. Anders als Mercedes baut BMW davor allerdings einen V8, der aus 4,4 Litern Hubraum 449 PS schöpft. Zusammen kommt das Duo auf 465 PS und ein maximales Drehmoment von 700 Nm, mit denen er das Flaggschiff in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Das Spitzentempo liegt bei 250 km/h, der Verbrauch bei 9,4 Litern und der CO2 bei 219 g/km.
Optisch geben sich die beiden Sparer sehr dezent. Der 7er ist von aussen nur am Schriftzug und den modifizierten End-rohren zu erkennen. Und obwohl der X6 spezielle Felgen und einen markanten Powerdome auf der Motorhaube bekommt, bleibt er ein X6.
In beiden Modellen wird mit Strom gearbeitet, und die Batterien liegen nur hinter einer dünnen Verkleidung im Kofferraum. Doch während die Techniker dort alles doppelt und dreifach abgesichert haben, wird mögliche Kunden schon vorher der Schlag treffen: Beim Blick in die Preisliste. Für den 7er wird in München zwar derzeit noch heftig gerechnet, doch für den X6 hat BMW schon einen Tarif ausgeknobelt, der vielen Interessenten wohl den Atem stocken lässt: 25?000 Euro mehr als der konventionelle V8 soll der Active Hybrid ab April 2010 kosten. Das heisst, dass der SUV-Teilzeitstromer aus München in der Schweiz wohl um die 150?000 Franken kosten wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.08.2009, 11:47 Uhr
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