Auto

Gedränge im Gelände

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 11.02.2012

Der Run auf SUV und Geländewagen hält weiter an – deshalb gibts auch in diesem Jahr jede Menge Neuheiten.

1/6 Neue Offroader am Start: Opel Mokka...
Bild: PR

   

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So schlecht ist es um die Strassen in der Schweiz nun auch wieder nicht bestellt: Als wären die Autobahnen längst Buckelpisten und die Städte voller Schlaglöcher, wollen immer mehr Menschen einen Geländewagen. Und auch wenn die meisten Offroader und SUV nur per Zufall mal einen Grashalm unter den Rädern erwischen, trägt die Industrie der Entwicklung auch im Autojahr 2012 mit vielen neuen Modellen Rechnung.

Allerdings bestätigt sich dabei ein positiver Trend: Nicht mehr big ist beautiful – darum geben längst nicht mehr die Klassiker wie der Land Rover Defender, der Jeep Wrangler und der zum Sommer noch einmal aufgefrischte Urtyp des Mercedes G-Modells nicht mehr den Ton an. Sondern small ist neuerdings sexy: Genau wie bei den Motoren setzt die Industrie auch bei den Abmessungen auf Downsizing und bäckt 2012 deshalb bewusst kleinere Brötchen. Denn nachdem die XXL-Geländewagen wegen ihres Gewichts und des hohen Verbrauchs in Verruf geraten sind und die Auswahl bei den Kompakten grösser ist als je zuvor, drängen in diesem Jahr noch mehr kompakte Kraxler auf die Buckelpiste.

Ein Opel Corsa fürs Grobe

Das jüngste Beispiel dafür ist der Opel Mokka, der seine Weltpremiere auf dem Genfer Auto-Salon im März feiert und im Herbst in den Handel kommt. Der Corsa fürs Grobe misst 4,28 Meter und bietet Platz für fünf Personen. Der Kofferraum lässt sich auf maximal 1372 Liter erweitern, und innen verspricht Opel bis zu 19 Ablagen. Als eines der wenigen Autos in diesem Segment auf Wunsch auch mit Allradantrieb lieferbar, gibts den Mokka zunächst mit drei Motoren: An der Basis steht ein 1,6-Liter-Benziner mit 115 PS. Darüber rangiert ein Diesel mit 1,7 Liter Hubraum und 130 PS, und die Spitze markiert vorerst der 1,4-Liter-Turbo, der es auf immerhin 140 PS bringt.

Am meisten Bewegung gibts eine Klasse drüber: Dem Bestseller VW Tiguan sowie Korea-Importen wie dem Kia Sportage und dem Hyundai ix35 oder noblen Alternativen wie BMW X1 und dem Audi Q3 wollen in diesem Jahr bald ein halbes Dutzend neue Allradler ans Leder. Ford zum Beispiel setzt auf den neuen Kuga. Er basiert zum grossen Teil auf dem eben in den USA eingeführten Escape und kommt im Sommer mit grösserem Format und kleinerem Durst dank neuer Eco-Boost-Motoren. Bei Honda steht die nächste Generation des CR-V in den Startlöchern, die sich noch weiter einem komfortablen Kombi annähert, und Subaru fährt mit dem neuen XV erstmals gegen Tiguan & Co.

Der 5-Türer steht stilistisch zwischen einer normalen Kompaktlimousine wie dem VW Golf und einem Geländewagen wie dem Ford Kuga. Vom einen hat er das kompakte Format mit 4,45 Meter Länge und das schräge Heck mit der grossen Klappe über dem 380 Liter grossen Kofferraum. Und vom anderen die hohe Bodenfreiheit, die robusten Anbauteile und den serienmässigen Allradantrieb.

Ebenfalls ein Nachzügler jenseits geteerter Strassen ist der Mazda CX-5. Der 4,55 Meter lange 5-Sitzer nutzt als erstes Auto der Modellpalette die sogenannten Sky-activ-Technologien und soll darum besonders leicht und sparsam sein. So wiegt das Auto bestenfalls 1345 Kilo und ist damit der leichteste seine Art. Weil es zudem eine neue Generation von Motoren und Getrieben gibt, setzt er auch beim Verbrauch Bestmarken. Angeboten wird der CX-5 mit Frontoder Allradantrieb mit einem Benziner und zwei Dieseln. Der Benzinmotor hat 2 Liter Hubraum und leistet 160 PS, der Selbstzünder kommt bei 2,2 Liter Hubraum auf 150 PS oder 175 PS. Das ermöglicht theoretisch Verbrauchswerte von 4,5 bis 6,0 Liter.

Französisches Doppel

Und als wären das noch nicht genug Neuheiten, starten auch die Franzosen auf der Buckelpiste noch einmal durch. Bis die Serienfassung der Studie Captur einmal den unglücklichen Koleos bei Renault ablösen wird, dürfte es zwar noch zwei, drei Jahre dauern. Doch bei Peugeot und Citroën steht schon jetzt Nachschub ins Haus: Die im PSA-Konzern vereinten Marken übernehmen den Mitsubishi ASX und machen daraus ihre eigenen Modelle. In den Handel kommt der 4,32 Meter lange Offroader als Citroën C4 Aircross und als Peugeot 4008 bereits im Sommer. Technisch weitgehend identisch, aber im Design jeweils dem Markengesicht angepasst, kann man die beiden kleinen Kraxler wahlweise mit Front- oder Allradantrieb bestellen.

Wer es etwas vornehmer mag, bestellt bei BMW den X3, bei Audi den Q5 oder bei Volvo den XC60, oder er lässt sich auf die täglich länger werdende Warteliste für den weltweit so erfolgreich gestarteten Range Rover Evoque setzen. Oder er blickt gespannt nach New York: Denn dort enthüllt Mercedes-Benz noch vor Ostern die überarbeitete Fassung des GLK. Alles nicht vornehm, sportlich und elitär genug? Dann dauert die Geduldsprobe vielleicht noch etwas länger: Denn den kleinen Bruder des Porsche Cayenne gibt es erst im nächsten Jahr.

Doch auch wenn den kleinsten Offroadern die grösste Zukunft vorausgesagt wird, sterben die grossen Geländewagen nicht aus. Im Gegenteil: Auch in der Oberliga wird es reichlich Nachschub geben. So bereitet Land Rover den Start des neuen Range Rover vor, Mercedes bringt die zweite Generation des GL, und der BMW X5 geht so langsam auf die Zielgerade. Ausserdem spendieren die Bayern dem X6 dieser Tage ein dezentes Facelift.

Maserati macht Kubang

Selbst die Top-Luxusmarken riskieren demnächst womöglich ein paar Spritzer Schlamm am Smoking: Nicht umsonst will Aston Martin einen Lagonda fürs Grobe bauen, Maserati den Kubang 2013 nach Europa bringen und VW-Tochter Bentley Konzernmodellen wie dem Audi Q7 und VW Touareg mit einem 12-Zylinder-SUV die Krone aufsetzen. Und selbst Lamborghini-Chef Winkelmann hätte lieber heute als morgen einen Nachfolger für den LM 002. Nur einer spielt da nicht mit: Rolls-Royce-Chef Müller-Ötvös schliesst für seine Marke «ein Fahrzeug in diesem Segment auf absehbare Zeit definitiv aus». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2012, 17:17 Uhr

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