SUV in the City: New York im Zeichen der Offroader
Von Dieter Liechti und Thomas Geiger. Aktualisiert am 11.04.2009 19 Kommentare
«Sex in the City»: Die Lebenseinstellung der New Yorker Besserverdiener kennt wegen der gleichnamigen TV-Serie fast jeder. Doch beim Blick auf die Strassen von Manhattan drängt sich eine kleine Änderung auf. «SUV in the City» kommt einem in den Sinn, wenn man zwischen Central Park und Wallstreet unterwegs ist. Obwohl der Big Apple im Dauerstau erstickt, die Strassen für US-Verhältnisse viel zu eng sind und ein freier Parkplatz s0 selten ist wie ein Sechser im Lotto, fahren – oder stehen – in kaum einer anderen Stadt so viele Offroader und SUV.
«The Bigger, the Better»
Kein Wunder also, dass diese Spezies auch das Bild bei der New York Auto Show prägt, die an diesem Wochenende eröffnet wurde. Natürlich schwappt auch durchs Jakob-Javits-Messecenter die grüne Welle, auf der seit Monaten so viele Hybrid- und Elektroautos reiten. Aber den Spass lassen sich die heimlichen Hauptstädter der USA nicht verderben. Das Motto «The Bigger, the Better» gilt auf dieser Messe noch immer.
«Neben London und Moskau gibt es keine Stadt auf der Welt, in der wir so viele Range Rover verkaufen wie in New York», bestätigt Land Rovers US-Chef Chris Marchand. Bald könnten es noch ein paar mehr werden. Denn die Briten feiern in New York eine Dreifachpremiere und haben Discovery, Range Rover und Range Rover Sport aktualisiert: Neben einem frischen Design samt der mittlerweile unvermeidlichen LED-Tagfahrleuchten, mehr Ausstattung und mehr Technik gibt es eine neue Generation von Motoren, die ebenfalls dem Mehr verpflichtet ist: mehr Hubraum, mehr Leistung, aber auch mehr Effizienz sind die Leitbegriffe für die neuen 8-Zylinder, die man in Europa schon von der Jaguar-Palette kennt.
Neuer Grand Cherokee von Jeep
Ebenfalls auf mehr Leistung setzt man bei BMW. So enthüllen die Bayern in New York erstmals eine M-Version des X6, der in zwei Wochen auch ein X?5 folgen wird. 555 PS aus dem V8-Turbo-Motor machen ausgerechnet die beiden Offroader zu den stärksten Fahrzeugen im aktuellen BMW-Programm.
Klimaschützer ärgern sich, aber die New Yorker goutieren den Kraftakt und freuen sich bereits auf die ersten kurzen Powersprints zwischen zwei roten Ampeln. Dazu gibt es auf der Messe einen frisch gelifteten Mercedes GL mit noch mehr Glanz und Gloria und beim Honda-Ableger Acura das eigenwillige Offroad-Coupé ZDX, das viele als ziemlich dreiste Kopie des BMW X6 werten.
Zwar geben gerade auf dem Broadway, in der Wallstreet oder am Union Square die europäischen Offroader den Ton an. Doch die wichtigste SUV-Neuheit kommt trotzdem aus Detroit. Denn als Leuchtfeuer der Hoffnung präsentiert Chrysler in Manhattan schon jetzt den neuen Jeep Grand Cherokee, der zwar noch einmal grösser, kantiger und stärker, aber nun auch sparsamer werden soll.
Viele SUV-Hersteller stellen sich jedoch der Kritik und wehren sich mit Händen und Füssen gegen das Schicksal der Dinosaurier. Überall werden sie auf Diät gesetzt. Der neue GMC Terrain ist aus diesem Grund nicht nur eine halbe Nummer kleiner, sondern im Stadtverkehr kann man bei ihm auf Knopfdruck sogar die Drehzahl auf knapp über 1000 Touren limitieren und so den Durst zügeln.
Mercedes baut Hybrid für die USA
Danben wächst in New York die Flotte der Hybriden. Und auch hier mischen die Deutschen mit. Neben dem urgewaltigen Luxusliner GMC Denali von General Motors feiert im Big Apple auch die Mercedes M-Klasse ihre Weltpremiere als Teilzeitstromer. Von aussen zwar völlig unscheinbar, steckt dieser ML 450 Hybrid unter dem Blech voll neuer Technik. Denn zum 3,2 Liter grossen V6-Benziner bekommt er zwei Elektromotoren, die im ebenfalls neuen Getriebe integriert sind. Die beiden Stromer haben eine Spitzenleistung von 67 und 63 kW, und zusammen kommt der ML 450 Hybrid auf eine Systemleistung von 340 PS, erläutert Entwickler Konstantin Neiss.
Damit liegt er kräftemässig zwischen dem ML 320 und dem ML 500, und auch der Preis wird dem V8-Modell ziemlich nahe kommen. Doch dafür bewegt sich sein Verbrauch auf dem Niveau eines Diesels: «Wir peilen einen Normwert von weniger als acht Litern an und sind damit etwa 30 Prozent sparsamer als das Referenzmodell», sagt Neiss. Gegenüber US-Offroadern mit 8 Zylindern berechnet Mercedes sogar einen Verbrauchsvorteil von bis zu 60 Prozent. Tönt sehr gut, ist aber – vorerst – leider noch nicht für Europa geplant.
«Für Europäer ist der Diesel noch immer der bessere Deal», ist man bei Mercedes-Benz überzeugt. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Stimmung im Gegensatz zu den Shows in Los Angeles oder Detroit in New York anders ist. Ausgelassene Party-Atmosphä- re herrscht zwar nicht. Doch regieren Optimismus und Zuversicht – selbst wenn man es in Anbetracht der Situation in der Autoindustrie kaum glauben mag. Auch hier heisst es nun: «Yes, we can.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.04.2009, 14:28 Uhr
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19 Kommentare
Ein bisschen langweilig ist das Design dieser mit Lineal und Dreieck gezeichneten Kisten schon,welche mich an den Renault R 4 errinnern.Das waren noch Zeiten als,wenigstens im Film,ein gewisser Jerry Cotton mit seinem roten Jaguar E-Type durch New York kurvte.Ein 1957 er Cadillac Eldorado Brougham sieht da einfach aufregender aus,als so ein langweiliger SUV. Antworten
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