Maximale Unaufgeregtheit

Klares Design, komfortabler Innenraum, kein Schnickschnack: Mit der neuen CX-5-Generation setzt Mazda auf Bewährtes statt auf Blendwerk.

Weniger Linien, schmalere Scheinwerfer, grösserer Frontgrill: Der CX-5 wurde leichten kosmetischen Eingriffen unterzogen. Foto: PD

Weniger Linien, schmalere Scheinwerfer, grösserer Frontgrill: Der CX-5 wurde leichten kosmetischen Eingriffen unterzogen. Foto: PD

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Fahren wir noch oder telefonieren wir schon? Wenn heute ein neues Fahrzeugmodell präsentiert wird, geht es vor ­allem um die Vernetzung. Um Apple, Android und Apps. Um Musikstreaming, Tweets aus dem Cockpit und die WLAN-Anbindung fürs Kinderbespassungs-­Tablet. Die Autowelt tickt inzwischen derart multimedial, dass man sich fragt, ob die eigene physische Anwesenheit vor dem Steuer noch gefragt ist oder Anrufen, Whatsappen oder Skypen eigentlich genügen würde.

Und dann erzählen sie bei Mazda etwas von Ross und Reiter, von Bewegung und Spannung, vom Einssein von Mensch und Maschine. Seit fünf Jahren hat sich der japanische Autobauer von den Megatrends der Branche entkoppelt. Er spart sich miniaturisierte Turbomotoren und baut unbeirrt bis zu zweieinhalblitrige Saugbenziner, die dafür auf maximale Verdichtung und minimale Reibung getrimmt werden – auch so liess sich der CO2 der Flotte um 30 Prozent seit 2012 reduzieren.

Mazda verzichtet auf Alu, Magnesium und Carbonfaser und schweisst seine Leichtbau-Karosserien nur aus Stahl zusammen. Und reduziert deren Linien auf ein Minimum, statt immer mehr Falze und Sicken einzupressen. Nicht einmal die automobile Revolution mag Mazdas europäischer Vertriebsvorstand Martijn ten Brink an der Präsentation des neuen Kompakt-SUV CX-5 ausrufen: «Wir machen einfach weiter, weil wir denken, dass wir es noch besser können.»

Ein Viertel mehr Umsatz

Sie funktioniert, diese Mentalität à la gallisches Dorf. Seit 2012 hat Mazda seinen Absatz um 25 Prozent von 1,25 auf 1,56 Millionen Autos pro Jahr steigern können. In der Schweiz konnte die Marke im letzten Jahr erstmals die 10'000er-Marke knacken, getrieben vor allem vom CX-5, der sich weltweit rund 1,5 Millionen Mal verkaufte und dessen zweite Generation nun im Juni zu den Händlern rollt. In manchen Märkten läge ein noch grösserer Zuwachs drin, wenn nicht die Produktionskapazitäten derzeit ein Limit setzen würden, sagt Schweiz-Chef Damian Donnellan. Er hofft, dass sich der Fünfplätzer wieder als Bestseller entpuppen wird und rechnet mit 2700 verkauften Exemplaren pro Jahr.

Irgendwie anders als sein Vorgänger schaut der CX-5 schon aus, aber warum, das verrät erst ein direkter Vergleich: schmalere Scheinwerfer, grösserer Frontgrill mit vorstehendem Rahmen; darüber scheint die Motorhaube wie zu schweben. Und tatsächlich: weniger Linien in der Seitenansicht. Vor allem an den vorderen Ecken ist man im innerstädtischen Chaos Barcelonas froh um die Parksensoren – die über den Scheinwerfern tief abfallende Haube lässt den Autoanfang ohne Übung nur erahnen.

Natürlich kann man auch im CX-5 das Smartphone koppeln und lassen sich über den vielleicht einen Tick zu klein geratenen Zentralmonitor dessen wichtigste Apps nutzen. Aber vor allem strahlt das Cockpit maximale Unaufgeregtheit aus. Keine wilden Animationen in den Instrumenten, dafür klar gezeichnete Anzeigen, sinnvoll platzierte Tasten und ein Head-up-Display, das endlich die wichtigsten Informationen direkt in die Scheibe statt auf ein klappbares Plexiglasteil projiziert. Statt voluminöser Wölbungen wirkt das Armaturenbrett angenehm schlank, wird weich bezogen und lässt weiterhin einen irgendwie analog ausschauenden Schlitz für CDs frei. Selbst hinter Damian Donnellan – Statur: Basketball-Center – bleibt auf der Rückbank mehr als genug Raum für die Knie.

Hände ans Steuer und fertig

Statt Qual der Wahl und unzähliger Optionen gibt es beim neuen CX-5 drei Ausstattungslevel, denen jeweils fix Motoren zugeordnet werden. Die Basisversion ab 28'900 Franken kommt mit einem 165-PS-Benziner und Frontantrieb; darüber rangieren preislich der gleiche Zweiliter mit 160 PS und Allrad und zwei 2,2-Liter-Turbodiesel mit 150 oder 175 PS; Ersterer optional, Letzterer serienmässig mit 4 × 4. Im September folgt der einzige neue Motor, ein 2,5-Liter-Benziner mit 194 PS und einer Zylinderabschaltung, die unter Tempo 80 rund fünf Prozent Sprit sparen soll.

Würde man jetzt das Fahrverhalten ebenfalls als unaufgeregt bezeichnen, klänge das nach Höchststrafe. Ist aber überhaupt nicht so gemeint, ganz im Gegenteil: Keine fancy Fahrmodi, keine Offroad-Assistenten, den Automatikgetrieben der Diesel fehlt gar der Sportmodus. Einfach Hände ans Steuer und fahren und sie nur wegnehmen, wenn man den präzise geführten Schalthebel einen Gang weiter schnipsen möchte. In Kurven unterstützt uns eine variable Drehmomentverteilung, und wenn man die Fahrbahnlinie überfährt, brummt nicht mehr der entsprechende Lautsprecher wie früher die Ohren voll, sondern das Auto lenkt einfach sanft gegen.

Wie sehr es Mazda um das reibungslose Zusammenspiel Mensch-Maschine geht, spürt man an der Geräuschdämmung. Es wurden Schallbrücken aufgespürt und Dämmmatten in die Hohlräume gestopft, bis die Diesel nun beinahe leiser laufen als die Benziner. Fortan müssen die CX-5-Passagiere nicht mehr am Smartphone kleben. Sie könnten sich sogar unterhalten. Ganz real.

* Andreas Faust fuhr den neuen Mazda CX-5 am 18. und 19. Mai auf Einladung von Mazda Schweiz in Spanien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2017, 18:08 Uhr

Mazda CX-5

Bestseller, neu aufgelegt

Modell: Kompakt-SUV mit 5 Türen.
Masse: Länge 4550 mm, Breite 1840 mm, Höhe 1680 mm, Radstand 2700 mm.
Kofferraum: 506 bis 1620 Liter.
Motoren: Turbodiesel mit 150 PS (110 kW) oder 175 PS (129 kW), Benziner mit 160 PS (118 kW), 165 PS (121 kW) oder 194 PS (143 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 9,0 bis 10,9 Sekunden.
Höchstgeschwindigkeit: 198 bis 208 km/h.
Verbrauch: 5,0 bis 7,1 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 132 bis 162 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung: Juni 2017.
Preis: ab 28'900 Franken.
Infos: www.mazda.ch


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