200'000 Kilometer unter Strom

Ein deutscher Privatier ist mit seinem Tesla Roadster der inoffizielle Weltmeister der Elektro-Fahrer.

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Benzin im Blut? Das ist für Hansjörg von Gemmingen passé. Sein Mercedes SL 600 ist verkauft, und in der Garage steht seit Hebst 2009 ein Tesla. (TSLA 242.78 -2.38%) Den Akku-Roadster nutzt der Privatier aus Karlsruhe so häufig, dass der Wagen jetzt über 200 000 Kilometer auf dem Tacho hat und sich der Besitzer «Elektro-Weltmeister» nennt: Kein anderer Autofahrer ist schon so weit gestromert. Und selbst für manchen Strassenbahnfahrer wird das knapp.

Dafür ist der Freiherr im ganzen Land unterwegs. Und als Privatier kann er sich den Luxus leisten, dass eine Fahrt nach Hamburg auch mal drei Tage dauert. Denn bei höchstens 300 Kilometer Reichweite und Ladezyklen von teilweise mehr als acht Stunden muss man sich schon etwas Zeit lassen. «Und vor allem muss man gut planen», so von Gemmingen. Und das musste auch der Weltmeister erst lernen. Dreimal ist er mit leerem Akku liegen geblieben.

Boxenstopp bei Tesla-Fahrern

Weil es noch viel zu wenig öffentliche Ladesäulen gibt, zapft er auf seinen Touren in den Norden, nach Berlin, Wien oder durch die Schweiz oft bei den weit verstreuten Verwandten. Er übernachtet nur in Hotels mit Steckdosen auf dem Parkplatz und schwört auf die Hilfe der anderen Tesla-Fahrer in Europa. Die haben fast alle Zahlenschlösser an den Garagen, stellen die Codes ins Internet und bitten Gleichgesinnte zum Boxenstopp, erzählt der Weltmeister: «Wer es ernst meint mit der elektrischen Mobilität, wird da automatisch zu einem geselligen Menschen.» Nur die Tankwarte sind auf den ehemaligen SL-Fahrer nicht mehr ganz so gut zu sprechen: Zu Shell, BP oder Aral fährt der Freiherr heute nicht mal mehr zum Brötchenholen.

Dabei ist von Gemmingen kein Öko. Er weiss, dass auch sein Strom aus irgendeinem Kraftwerk kommt und die Solarzellen bei ihm auf dem Dach nur für ein paar Kilometer reichen. Nicht umsonst hat er bei den Stadtwerken bereits 30 000 Kilowattstunden auf der Rechnung. Und auch Geld spart er mit dem Elektroauto kaum. «Das Tanken wird zwar billiger», rechnet er vor. Aber der Tesla ist mit 120 000 Euro kein Schnäppchen, und bis er eine Starkstromleitung samt Nachtstromzähler und Industriesicherung in der Garage hatte, war er am Ende auch 10 000 Euro los.

Trotzdem ist der Freiherr ein echter Überzeugungstäter und nimmt die Mercedes-E-Klasse seiner Lebensgefährtin nur im absoluten Notfall oder wenn mal die Schwiegermutter mit muss. Selbst in die Ferien nach Südspanien will er wie früher mit dem luxuriösen Mercedes SL bald zum ersten Mal mit dem Tesla Roadster fahren: «Wer Weltmeister bleiben will, darf sich vor solchen Herausforderungen nicht drücken.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 04.05.2012, 17:39 Uhr)

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