Audi A1 quattro – heiss auf Eis

Im schwedischen Winter läuft sich derzeit der wohl schärfste Kleinwagen des kommenden Sommers warm.

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Audi lässt es richtig krachen bei den Kleinwagen. Um endlich auch die letzten Zweifler von den grossen Qualitäten ihres kleinsten Autos zu überzeugen, legen sie den A1 jetzt auch als Quattro auf. Dafür bekommt der bayerische Benjamin nicht nur die angetriebene Hinterachse aus dem TTS. Sondern in 17 Monaten Entwicklungszeit haben ihm die Ingenieure auch den zwei Liter grossen TFSI-Motor aus dem Coupé eingepflanzt. Das reicht für 256 PS und macht den A1 zu einem wahren Kleinkaliber. Zwar dauert es noch bis zum Sommer mit der Auslieferung der exklusiven Kleinserie von 333 Exemplaren, doch auf einem Eissee im schwedischen Winter konnte der A1 schon jetzt beweisen, wie heiss er tatsächlich ist.

Ohne ESP tanzt der A1 auf Eis

Gierig greifen die Spikereifen ins blanke Eis, schnell hat die Lamellenkupplung die Kraft zwischen vorn und hinten verteilt, und bis zu 350 Nm lassen den A1 durch den Schnee schiessen wie Lara Gut in ihren besten Zeiten. 5,7 Sekunden reichen ihm bis Tempo 100, und die Schikanen auf dem Handlingkurs nimmt er mit der Leichtfüssigkeit eines Slalomchampions. Kurz am Lenker reissen, mit der Bremse vorsichtig anstellen und dann mit dem Gaspedal flott um die Kurve lupfen – so schön kann der Schneewalzer sein. Und wenn die Gegengerade nur lange genug wäre, würde der A1 sogar 245 Sachen schaffen, versprechen die Entwickler. Doch das interessiert in der heutigen Zeit eigentlich niemanden mehr.

Wer auf dem schwedischen Eis einen wirklich heissen Tanz aufführen will, der kann auf Tastendruck die Toleranzschwelle des ESP deutlich verschieben oder die Schutzengel ganz in die Pause zwingen. Dann wird der A1 quattro vollends zum Wirbelwind, den man trotz Spikes und Allrad lässig mit dem Fuss lenken kann. Aber wenn man nicht aufpasst, dann wird er auch zum Querschläger, den am Ende der Übung ein bulliger Audi Q7 aus den Schneewehen ziehen muss.

Ein starker Motor und ein strammes Fahrwerk alleine sind aber fürs Bodybuilding nicht genug. Weil es bei aller Stärke auch um die Show geht, gibt es für die Optik – und natürlich für die Strassenlage, sagen die Techniker – einen riesigen Spoiler auf dem Heck. Die Backen sind etwas weiter ausgestellt, der Singleframe-Grill ist schwarz wie die Seele des Autos, und auf den Chromleisten in den filigranen Scheinwerfern glüht ein feuerroter Streifen, als wären die Designer dem sportlichen A1 mit einem riesigen Kajalstift durch die Augen gefahren.

Nur der Sound des Kraftzwergs ist noch ein bisschen enttäuschend. Zwar schauen aus dem schwarzen Diffusor am Heck zwei in die Mitte gerückte Sportendrohre von stattlichem Durchmesser heraus. Doch weil hier oben in Schweden der Schnee den Schall weitgehend schluckt, klingt der A1 quattro fast wie ein Stromer. Keine Sorge, sagen die Audi-Ingenieure, «wenn es in den nächsten Wochen wärmer wird, taut der schon noch auf».

Nur 333 Exemplare

So imposant wie die Fahrleistungen des A1 quattro ist auch sein Preis: 49 900 Euro in Deutschland (CH-Preis noch nicht bekannt) machen den stärksten auch zum teuersten Mini. Allerdings sind dann nicht nur der starke Motor und die Kardanwelle zur Hinterachse an Bord. Sondern auch alle Extras, die man sich wünschen kann. «Dieses Auto gibts nur fully loaded, Ausstattungsoptionen sind nicht vorgesehen», sagt ein Produktmanager und zeigt in eine kleine Luxushöhle aus Lack und Leder, in der nur der rote Drehzahlmesser (bis 8000 Touren), der neue Tacho (bis 280 km/h), die strammen Sitze und ein paar Quattroplaketten an die Kraftkur erinnern.

Das Komplettpaket kommt bei den Kunden offenbar gut an: Noch bevor sie das Auto zum ersten Mal sehen konnten, ist die Sonderserie von 333 Exemplaren schon fast ganz verkauft. Wer jetzt nicht mehr zum Zug kommt, für den haben die Bayern allerdings einen schönen Trost. Der Aufwand für die Entwicklung war so gross, dass es bei der kleinen Auflage nicht bleiben wird. Spätestens in zwei, drei Jahren wird uns das Kleinkaliber wieder begegnen – dann als waschechter S1. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.02.2012, 10:33 Uhr)

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