Auf Sparflamme in die elektrische Zukunft

Bis ins 2012 will der französische PSA-Konzern pro Jahr über eine Million Autos mit einem CO2-Ausstoss von weniger als 120 Gramm pro Kilometer verkaufen. Dabei setzen die Franzosen auf die baugleichen Stromer Peugeot iOn und Citroën C-Zero.

1/4 Die drei Trümpfe der grossen Spar-Offensive des PSA-Konzerns: Der Elektroflitzer Peugeot iOn ...
Foto: Peugeot/Citroën

Eigentlich könnte sich Guillaume Faury ganz gelassen zurücklehnen. Denn während seine Kollegen bei Mercedes, Audi oder Opel noch immer mit zu hohen CO2-Werten kämpfen, trägt der Entwicklungsvorstand des PSA-Konzerns eine ziemlich grüne Weste: «Jedes fünfte Auto mit einem CO2 unter 120 Gramm pro Kilometer, das im vergangenen Jahr in Europa verkauft worden ist, kommt von Peugeot oder Citroën», sagt der Franzose stolz und spricht von fast 800'000 Zulassungen am unteren Ende der CO2-Tabelle.

Doch darauf ausruhen wollen sich die beiden Schwestermarken nicht. Stattdessen soll die Zahl der Saubermänner bis ins Jahr 2012 auf über eine Million steigen, und zum ersten Mal seit der vorzeitigen und vollflächigen Einführung des Russpartikelfilters wollen Peugeot und Citroën auch technisch wieder in Vorlage gehen.

Stromer auf Mitsubishi-Basis

Auf dem Sparplan für eine sauberere Zukunft stehen deshalb nicht nur eine Start-Stopp-Automatik für alle Modelle oder verbesserte und weiter geschrumpfte Verbrennungsmotoren wie ein neuer 3-Zylinder mit 75 bis 135 PS, der als erster Benziner die 99 g/km-Marke knacken sollen. Sondern ganz oben auf der Prioritätenliste steht auch die elektrische Mobilität mit wachsenden Strecken ganz ohne Schadstoffausstoss.

Beginnen wird diese Ära bei den Franzosen schon im nächsten Jahr mit dem Peugeot iOn und dem Citroën C-Zero. Obwohl die beiden Marken in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehr als 10'000 Elektrofahrzeuge umgerüstet und deshalb wohl mehr Erfahrung haben als alle anderen Europäer, kommen die «stromernden» Stadtflitzer allerdings nicht aus dem eigenen Stall. Sondern genau wie die Geländewagen Citroën C-Crosser und Peugeot 4007 ist auch der Kleinwagen ein Mitsubishi und wird dort bereits als i-Miev verkauft. Die Reichweite von 130 Kilometern und die Höchstgeschwindigkeit von Tempo 130 sind deshalb unverändert. «Aber immerhin haben wir – übrigens auch für die Kollegen aus Japan – die europäische Abstimmung übernommen und den Wagen vom Rechts- zum Linkslenker umgebaut. Das war schon ein bisschen mehr Arbeit, als nur die neuen Logos draufzukleben», verteidigt Entwicklungsvorstand Faury seine Ingenieure.

Peugeot bringt Diesel-Hybrid

Zeitgleich mit den beiden Elektroautos startet allerdings ein Fahrzeug, auf das die Franzosen zu Recht stolz sein können: den 3008 Hybrid4. Denn mit ein wenig Glück ist das der erste Teilzeitstromer, bei dem der 40 PS starke Elektromotor nicht einen Benziner, sondern einen 170-PS-Diesel unterstützt. «Das ist derzeit die sparsamste Kombination von allen», schwärmt Faury und stellt Verbrauchswerte in Aussicht, die nicht zum üppigen Format und zu den Fahrleistungen des Crossovers passen wollen: Obwohl das Auto rund zwei Tonnen wiegt, gross ist wie ein Van und mit 200 PS fast so viel Fahrspass verspricht wie ein GTI, ist der Fünfsitzer mit 3,8 Litern zufrieden. Das entspricht einem CO2 von 99 Gramm pro Kilometer. Und bis zu drei Kilometer rein elektrisch fahren kann der Wagen auch. Zudem bekommen die Franzosen so quasi nebenbei auch noch ihr erstes eigenes Modell mit Allradantrieb: Weil der Diesel auf die Vorder- und der Stromer auf die Hinterachse wirkt, verliert der Schnee jetzt seinen Schrecken.

Da beide Motoren strikt von einander getrennt sind und das gesamte Elektropaket samt der Leistungselektronik und dem Akku um die Hinterachse gruppiert wird, ist das Konzept hochgradig flexibel: So können die Ingenieure nicht nur vergleichsweise leicht die Verbrenner austauschen und etwa für Asien auch einen Benzin-Hybrid entwickeln.

Flexibles Hybrid-Paket

Aber vor allem kann das gesamte Hybrid-Paket auch schnell in andere Fahrzeuge auf der gleichen Plattform implantiert werden. Der Citroën DS5 ist dafür bereits fest vorgesehen, und beim Nachfolger für den Peugeot 407 (siehe Bild unten) wird die Technik wohl auch eingebaut. Dazu kommen wohl noch ein kleineres Modell von Citroën und womöglich auch der Peugeot-Sportwagen 308 RCZ.

Die Modulstrategie erleichtert den Ingenieuren auch den Weg in eine noch sauberere Zukunft. Schon eine grössere Batterie und die Umstellung auf Lithium-Ionen-Technologie reicht ihnen im Grunde für den nächsten Schritt: Ab 2012 wird der 3008 deshalb – zumindest für einen Flottenversuch mit 100 Fahrzeugen – zum Plug-in-Hybrid. Weil man die Akkus dann auch an der Steckdose laden und rund 20 Kilometer ohne Diesel fahren kann, geht der Verbrauch auf zirka 2 Liter zurück und der CO2 auf unter 50 Gramm, stellt Faury in Aussicht. «Je nach Nutzungsprofil kommen damit die meisten Menschen ganz ohne Verbrenner durch den Alltag», zitiert Entwickler Stephane Beretta die Kundenanalysen. Ins Büro oder in die Schule mit Strom, und nur am Wochenende mit Diesel unterwegs, skizziert er die saubere Zukunft der Franzosen.

Technisch ist das kein Hexenwerk, und die Schadstoffprognosen sind verlockend. Doch wenn es um den Preis geht, werden die sonst so auskunftsfreudigen Entwickler zurückhaltend. Denn genau das ist der Knackpunkt der sauberen Visionen, weiss auch Entwicklungsvorstand Faury. Das grosse Geld verdienen will er mit den neuen Technologien in den ersten Jahren vielleicht gar nicht, doch kräftig draufzulegen können und wollen sich die Franzosen nicht leisten. Darum werden die Autos womöglich so teuer, dass sie für die meisten Kunden nicht mehr attraktiv sind. Deshalb ist sich Faury sicher: «Zumindest am Anfang wird es ohne deutliche Zuschüsse nicht funktionieren.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 02.02.2010, 09:56 Uhr

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