Auto

Billy the Kid trifft Darth Vader

Von Thomas Geiger, Dubai. Aktualisiert am 28.01.2012

Das eine brüllend laut, das andere flüsterleise. Doch eines haben Nissan Juke-R und Leaf RC gemeinsam – beides sind faszinierende Autos.

1/6 Sportskanonen: Der Nissan Juke-R ...
Bild: Nissan

   

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Billy the Kid und Darth Vader in einem Abenteuer? Auf der Leinwand wäre das undenkbar. Doch auf der Strasse sieht die Sache ein wenig anders aus. Zumindest für die Motorsportler von Nissan. Denn sie haben zwei Prototypen am Start, die wie die beiden Kinofiguren zwei völlig unterschiedliche Epochen symbolisieren – den Juke-R und den Leaf RC.

Aggressiv sind beide, und beide stammen aus winzigen Kleinserien, die nie in Kundenhand gelangen werden. Doch wo der Juke den groben Rennwagen nach alter Väter Sitte gibt, weist der Leaf als erster Batterie-Bolide für die Rennstrecke ein gutes Stück in die Zukunft des Motorsports. Hier der brüllend laute Bösewicht mit dem 485 PS starken V6-Motor aus dem GT-R, da der flüsterleise Fiesling mit dem Antrieb des ersten familientauglichen Elektromobils aus der Grossserie.

Jetzt 485 statt 190 PS

Selbst die Entstehungsgeschichte der beiden Fahrzeuge könnte unterschiedlicher kaum sein. Während der Leaf RC durchaus strategische Absichten hat, Skeptiker vom Spass am Steuer eines Elektroautos überzeugen möchte und neue Wege für den Motorsport sucht, ist der Juke aus einer Bierlaune heraus entstanden. «Wenn Nissan schon so ein verrücktes Auto wie dieses Crossover-Coupé baut, dann wollten auch wir uns etwas richtig Schräges einfallen lassen», lacht Michael Mallock vom Rennstall RML. Er ist seit Jahren mit den Japanern verbandelt und hat in diesem Geist die Idee von der Kreuzung aus Juke und GTR entwickelt.

Wo in der Serie mit 190 PS Schluss ist, warten nach einer 22 Wochen dauernden Radikalkur 485 PS darauf, dass endlich jemand den Startknopf drückt. Das Brüllen des 3,8-Liters lässt die Boxengasse erzittern. Der Boden beginnt zu beben, der Asphalt scheint zu kochen und der Blick fixiert die Ampel, die uns noch von der Rennstrecke trennt. Dann ruft der Instruktor auf dem Beifahrersitz: «Go» und nichts ist mehr, wie es einmal war.

In 3,7 Sekunden auf Tempo 100

Am Fenster fliegt die Welt vorbei, die Wolkenkratzer der Skyline von Dubai scheinen sich im Fahrtwind zu biegen und der Juke rennt auf der langen Geraden davon. «588 statt 240 Nm», schreit der Begleiter in den Lärm des 6-Zylinders und erklärt damit, weshalb dem Sport-Juke nun 3,7 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 reichen. Vor der ersten Kehre zeigt der Tacho schon 150, 180 Sachen und es ist gut zu wissen, dass auch die Bremsen aus dem GT-R stammen. Mit aller Macht beissen sie zu und werfen die Insassen in die Gurte. Willig lenkt der Juke ein, zieht nach dem Scheitelpunkt mit der unbeirrbaren Traktion seines Allradantriebs wieder an und nimmt die nächste Kehre mit Vollgas. Die 20-Zöller rubbeln über die Curbs, der Fahrer wechselt mit den Sicheln hinter dem Lenkrad die Gänge und fliegt förmlich durch die Schikanen.

Mit jeder Runde wächst das Vertrauen in den Juke-R, von dem es einen Rechtsund einen Linkslenker gibt. Natürlich ist das Auto meilenweit von der Serienreife entfernt. Aber der Wagen wirkt trotzdem harmonisch, zuverlässig und solide. Selbst die Instrumente des GT-R haben die Techniker übernommen. Wenn es nur auch für die Klimatisierung gereicht hätte – denn nach zwei, drei Runden läuft einem der Schweiss in Strömen über den Rücken.

Wechselt man danach in den Leaf, fühlt sich das an, als werde man mit der Zeitmaschine durch die Jahrzehnte katapultiert. Denn obwohl das Auto längst warmgefahren wurde, ist es nicht nur wunderbar kalt an Bord. Sondern ohne das Stampfen der Zylinder, das Röhren aus dem Auspuff, das Klackern des Getriebes und das Vibrieren im ganzen Auto wirkt die Raserei ganz anders, und man wähnt sich am Steuer eines gigantischen Slotcars auf einer in die Wirklichkeit gewachsenen Carrera-Bahn.

E-Motor auf die Hinterräder

Dazu passt auch das Fahrgefühl im Batterie-Boliden: Weil die Japaner beweisen wollten, wie viel Spass ein Elektroauto wie der Leaf machen kann, haben sie zwar den 109-PS-Motor und die 24 kWh grossen Akkus unverändert übernommen. Aber mit der flach gedrückten Karbonkarosse haben sie das Gewicht von 1,5 auf 0,9 Tonnen gesenkt. Und vor allem haben sie den Antrieb gedreht: Jetzt sitzt der Motor zusammen mit der Batterie im Heck und treibt die Hinterräder. Das macht den Leaf RC zu einem Kurvenkünstler, den man elegant mit dem Gasfuss auf Kurs halten kann. Wie eine Flipperkugel kurz vor dem Frei-spiel fliegt die Flunder durch die Schikanen, krallt sich an die Ideallinie und fährt so einen zackigen Strich, dass selbst der fünfmal stärkere GT-R aus dem Begleittross kaum hinterher kommt.

«Je enger und kurviger der Kurs, desto mehr liegt er dem Auto», sagt François Crisias. Denn auf einer langen Start-Ziel-Gerade sieht man mit maximal 150 km/h ziemlich alt aus. Und auch beim Sprint von 0 auf Tempo 100 in 6,5 Sekunden macht man keine ganz so gute Figur. Doch bei den kurzen Vollgasintermezzos zwischen zwei schnellen Kurven, da kann der Leaf punkten und macht so manchen Sportwagen nass.

Das würde Crisias in Zukunft gerne öfter demonstrieren. Denn für ihn ist der Leaf nicht nur ein rasender Botschafter für Elektromobilität, sondern auch der Prototyp eines neuen Rennwagens. «Wir denken sehr ernsthaft über ein Motorsportprogramm mit dem Leaf RC nach», bestätigt Crisias. Nur ist noch offen, ob Nissan dafür einen Markenpokal ausschreiben wird, sich eine Ökoformel sucht oder die Autos an einen Promoter für dessen eigene Rennserie verkauft. «Es gibt viele Möglichkeiten», sagt Crisias. «Und Strecken auch.» Denn mit elektrischen Rennwagen ohne Lärm und Abgase könnte man endlich zurück in die Innenstädte, ist Crisias überzeugt. «Warum sollte in New York, Paris oder London nicht funktionieren, was heute bei der Formel-1 in Monaco oder Singapur klappt?»

Eine Argumentationshilfe

Nissan-Manager Crisias weiss um die Gratwanderung, auf die sich die Japaner mit dem Leaf RC begeben. Natürlich ist der elektrische Flachmann eine gute Argumentationshilfe und eine verlockende Perspektive für die PS-Fraktion. Doch soll er nicht zum Aus für Extravaganzen wie den Juke-R führen. «Elektrische Autorennen können Spass machen und spannend sein», so Crisias, während sein Leaf nach einer halben Stunde mit leerem Akku an die Steckdose rollt und der Juke draussen alleine weiter fährt. «Aber wir müssen das eine tun, ohne das andere zu lassen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.01.2012, 09:28 Uhr

[Alt-Text]
Aktuelle Autos auf car4you

Auto

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.