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Cadillac steht dazu: Leistung über alles

Von Peter Hegetschweiler. Aktualisiert am 10.09.2011

Die Amerikaner komplettierten ihre CTS-V-Serie mit dem 308 km/h schnellen Sports Wagon. Imposant ist auch sein CO-Ausstoss.

1/2 Laut Cadillac «der schnellste Kombi der Welt»: Der CTS-V mit 564 PS.
Bild: GM

   

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Berlin? Weshalb gerade Berlin? Die Frage nach der Ortswahl für die Präsentation der laut Cadillac «weltschnellsten Fahrzeug-Familie», der CTS-V-Serie, wird von Wolfgang Schubert spontan so beantwortet: «Weil es von hier aus Richtung Leipzig auf einer dreispurigen Autobahn noch so viele offene Streckenabschnitte gibt.» Mit gleicher Offenheit äussert sich der neue Europa-Chef von Cadillac auch dazu, für was die amerikanische Traditionsmarke weiterhin stehen will – und stehen wird: «Für Leistung, für Luxus und für Exklusivität.»

Es geht in Berlin auch CO2-frei

Da waren in Berlin vor kurzem ganz andere Töne zu hören. In der deutschen Hauptstadt hat eben jenes Projekt, das sich Clean Energy Partnership (CEP) nennt, seine dritte Stufe gezündet – völlig emissionsfrei. Im Verbund mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie und Politik wollen die Protagonisten von CEP laut Pressereferentin Amelie Fried «die Marktvorbereitung für Brennstoffzellen-Fahrzeuge in den nächsten zwei Jahren entscheidend vorantreiben» (TA vom 6. August). Dazu rollt derzeit eine Flotte von mehr als 100 Fahrzeugen, sogenannten Technologieträgern, von Mercedes, Opel, VW und Toyota mit Wasserstoff im Tank durch Berlin. Und bereits 2012 soll beim dannzumal fertiggestellten neuen Flughafen Berlin-Brandenburg die erste, völlig CO2-neutrale Tankstelle eröffnet werden. Mit Wasserstoff-Zapfsäulen. Und mit Steckdosen.

Cadillac, den Luxus-Brand von General Motors, kümmert solches Tun wenig. Oder besser: derzeit überhaupt nicht. Die Amerikaner, die vor einem Jahr erst mit einer neuen, straffen Organisation mit Sitz in Zürich auf dem Alten Kontinent wieder Tritt zu fassen suchen, beschwören derzeit den legendären American Way of Drive im rustikalen Stil: «Mit unserer CTS-V-Serie verfügen wir derzeit über die weltschnellste Fahrzeug-Familie», erklärte vergangene Woche Europa-Chef Schubert in Berlin. Und weiter: «Die V-Serie ist der Beweis für das Streben von Cadillac an die Spitze des globalen automobilen Oberhauses.»

Von der Leistung her gesehen trifft dies absolut zu. Sowohl die luxuriöse Limousine als auch das schnittige 2+2-plätzige Coupé sind mit dem 6,2-Liter-V8-Kompressor bestückt, der mit 564 PS das laut Technik-Chef Patrick Hofmann «leistungsstärkste Triebwerk in der Geschichte von Cadillac» ist. Dem Sports Wagon, der auf dem gleichen Antriebsstrang basiert, verhilft dies laut Cadillac zum Titel «schnellster Kombi der Welt». Seine (Rekord-)Werte: Spurt von null auf Tempo 100 in 4,1 Sekunden, Spitze 308 km/h – und das bei einem Ladevolumen von fast 1500 Litern. Da muss sogar Audis RS6 passen.

Beschwerlicher dürfte aber das «Streben an die Spitze» von den Absatzzahlen her fallen. Wolfgang Schubert räumt ein: «Mit unserer Palette decken wir derzeit lediglich 1,4 Prozent des Premium-Angebotes ab.» Was die aktuellen Verkaufszahlen deutlich widerspiegeln: Weltweit hat Cadillac im vergangenen Jahr 181 000 Autos verkauft, 2800 gingen nach Europa. Genauer: 1800 davon nach Russland.

Moderate Preise – wie lange noch?

Sorgen macht man sich in der Zürcher Zentrale wegen der Preise. Vor allem, was den Schweizer Markt betrifft. Zwar sind sie im Vergleich mit der Konkurrenz mit 113 000 Franken für den Sedan, 116 000 Franken für den Sports Wagon und 118 000 Franken für das Coupé höchst moderat. Aber das dürfte nicht mehr lange so bleiben. Der Grund dafür ist weniger in der Stärke des Frankens zu suchen als im Umstand, dass die geplante CO2-Steuer, die ab 130 g/km wirksam wird, Cadillac teuer zu stehen kommt. Im Schnitt stossen die Modelle der CTS-V-Serie 343 g/km aus. «Das dürfte uns», so Europa-Chef Schubert, «künftig 146 Franken für jedes zusätzliche Gramm kosten». Wie man das weitergeben will, ist derzeit noch völlig offen.

Übrigens: Ganz ohne E-Mobil kommt auch Cadillac nicht aus – so haben die Amis erste Fotos des ELR auf Basis des Chevrolet Volt veröffentlicht. Mehr Details gibts aber noch nicht.

Peter Hegetschweiler fuhr die neuen Modelle der CTS-V-Serie auf Einladung von Cadillac Schweiz in Deutschland. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2011, 08:10 Uhr

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