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California Dreamin' 2.0

Von Thomas Geiger, Los Angeles. Aktualisiert am 22.10.2011

So sauber geniesst die Generation Facebook im Audi E-Tron Spyder die Sonne des Südens.

1/5 Da staunt die Highway Patrol:
Bild: Audi

   

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Ihre Eltern waren hier, zwischen Los Angeles und San Fracisco, noch im VW Käfer, im Samba-Bus oder mit etwas Glück im offenen Porsche unterwegs. Doch wenn die Generation Facebook aus reiner Freude durch die Hollywood Hills fährt, dann muss es Rasen ohne Reue sein. Flowerpower 2.0 könnte man die Bewegung nennen, die auf der Strasse durchaus Spass haben, aber dafür nicht unnötig Sprit verbrennen will.

In diesem Geist sind hier in Kalifornien nicht nur Autos wie der Tesla Roadster entstanden. Sondern für genau solche Kunden hat Audi auch den E-Tron Spyder gebaut. Theoretisch zumindest. Praktisch dagegen ist der offene Zweisitzer mit den klaren Linien und dem sauberen Plug-in-Hybrid nur eine Studie, die vor Jahresfrist ihre Premiere in Paris feierte und nun an der Pazifikküste noch einmal raus an die Sonne darf, bevor sie danach wohl – und leider – für immer und ewig in der Asservatenkammer von Designern und Vorausentwicklern landet.

Frontscheibe als Sonnenbrille

Wie schade die Fahrt aufs Abstellgleis wäre, beweist eine kurze Runde auf dem Pacific Coast Highway und dem legendären Mullholland Drive, auf dem sich für gewöhnlich die Reichen und Schönen aus Hollywood mit ihren Supersportwagen austoben. Heute allerdings stiehlt ein Auto die Schau, das schon fürs Auge eine Schau ist: Ganz wenige Linien reichen, um den Spyder zu zeichnen. Und jede von ihnen sitzt scharf wie ein Schnitt. Dazu gibts ein extrem reduziertes Innenleben. Bloss nicht ablenken vom dem, was wirklich wichtig ist bei diesem Auto: dem Fahren. Obwohl nur 4,06 Meter lang und 1,11 Meter hoch, ist der Showcar überraschend bequem. Man sitzt noch fünf Zentimeter tiefer auf der Strasse als im R8 und hat die flache Scheibe wie eine Sonnenbrille vor den Augen.

Dass um diese in wenigen Sekundenbruchteilen ein gewaltiger Sturm tost, dafür sorgt ein V6-Diesel. Der drei Liter grosse Biturbo hat 300 PS und schiebt den Spyder mächtig an. Aber das ist ja noch nicht alles: Vorn helfen E-Motoren mit je 44 PS. Zusammen haben sie gut 1000 Newtonmeter Drehmoment und entsprechend viel Kraft. Trotzdem liegt der Verbrauch dank grossem Akku und kleinem Gewicht bei nur 2,2 Litern.

In 4,4 Sekunden auf Tempo 100

Ist der Spyder eben noch lautlos mit Tempo 60 aus der Stadt gestromert, schnellt er jetzt brüllend durch die Berge. Von null auf Tempo 100 schafft es der deutsche Flachmann in 4,4 Sekunden, und hätte Projektleiter Uwe Haller nicht so viel Angst um das mit zwei Millionen Euro versicherte Einzelstück, wären 250 km/h locker drin. Dabei imponiert der Spyder nicht nur mit der Längs-, sondern auch mit der Querbeschleunigung: Dank des elektrischen Allradantriebs klebt er nicht nur am Asphalt, sondern dreht sich auch noch viel leichter in die Kurven.

Aus der ersten Ausfahrt ein Jahr nach der Messepremiere auf eine rosige Zukunft für den rassigen Renner zu schliessen, wäre schön, aber wahrscheinlich etwas übertrieben. «Wir wollen mit dem E-Tron Spyder vor allem das Zusammenspiel von Elektro- und Verbrennungsantrieb an den unterschiedlichen Achsen ausprobieren», sagt Projektleiter Haller. Und natürlich geht es ihm um die Weiterentwicklung des Designs und ein paar Finessen im Innenraum. Den elektrischen Quattroantrieb wird man darum genau wie das Plug-in-Konzept schon in drei, vier Jahren in der Serie sehen. Das neue Sportwagengesicht gibts wohl schon früher, und auf Details wie die Handschriftenerkennung auf dem MMI-Regler, das frei programmierbare Cockpit oder die berührungsempfindlichen Schaltflächen muss man keine zwei Jahre mehr warten.

Audi R4 gegen den Boxster?

Was allerdings aus der Idee vom kleinen Mittelsportwagen wird, der preisgünstiger ist als der R8 und radikaler als der TT, das kann Haller nicht sagen. Dass so ein Auto, das man zum Beispiel R4 nennen könnte, gut zu Audi passen würde, darüber muss man mit ihm nicht streiten. Und dass so ein Auto seine Kunden fände, kann man an den Reaktionen der Zaungäste hier in den Hollywood Hills ablesen. Nur ob der Konzernvorstand mit Rücksicht zum Beispiel auf den Porsche Boxster da mitspielt, dazu will Haller lieber keine Prognose abgeben. Nur eines macht er zum Ende der Testfahrt unmissverständlich klar: «An mir solls nicht liegen, meinetwegen könnten wir gleich morgen mit der Serienentwicklung anfangen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.10.2011, 06:43 Uhr

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