Dauerläufer mit Ambitionen

Der Opel Corsa wartet als Kleinwagen in fünfter Generation mit neuem Design und Oberklasse-Technologie auf.

Schmucker 3-Türer: Der neue Opel Corsa macht in seiner fünften Generation vor allem von vorne eine gute Figur. Fotos: Opel

Schmucker 3-Türer: Der neue Opel Corsa macht in seiner fünften Generation vor allem von vorne eine gute Figur. Fotos: Opel

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ET wollte erstmals nach Hause telefonieren, Walter Röhrl gewann mit einem Opel in Monaco die 50. Rallye Monte Carlo, Italien schlug Deutschland in einem packenden WM-Fussballfinal in Spanien 3:1 – und Opel brachte mit dem Corsa erstmals einen sportlichen Kleinwagen auf den Markt, der «auch den Mann im Hause» überzeugen sollte: 1982 war ein gutes Jahr, mit vielen derartigen Highlights, welche nicht nur die Männerwelt ansprachen.

1982 war aber auch für Opel besonders, weil für die deutschen Autobauer eine lange währende Erfolgsgeschichte begann. Denn die GM-Tochter verkaufte in vier Generationen und über 32 Jahren weltweit 12,4 Millionen Corsa. Davon rollten rund 175000 in die Schweiz, wie Peter Fahrni, der Managing Director von Opel Schweiz, sagt: «An diese Erfolge wollen wir ab Ende des Jahres mit der Lancierung der neuen, mittlerweile fünften Corsa-Generation anschliessen und wieder in die Top- 5 im Kleinwagensegment vordringen.»

«Silhouette beibehalten»

Damit dieses Vorhaben gelingt, durfte vor allem der Chefdesigner Carsten Aengenheyster tüchtig Hand anlegen. Seine Vorgabe lautete, in der Opel-Familie den grossen Bruder des kleinen Adam so zu gestalten, dass sich der neue Corsa vom vornehmlich auf Junglenker und Frauen zielenden Design des Rüsselsheimer Minis zwar deutlich unterscheidet, das Familiengesicht aber ganz klar erkennbar bleibt. «Wir haben die Corsa- Silhouette beibehalten, aber mit einer flacheren Front, schärferen Linien im Design und eleganteren Leuchten sowie einem komplett neu gestalteten Cockpit eine erwachsenere Anmutung erzielt.»

Tatsächlich sind die Bemühungen beim knapp über 4 Meter kompakten Cityflitzer gut sichtbar. Sowohl der coupéhafte 3- als auch der etwas behäbiger wirkende 5-Türer stehen im Vergleich zum Vorgänger visuell breiter und trotzdem kompakt auf der Strasse. Das sieht nicht nur von aussen ansprechend aus, sondern wirkt auch im Innern deutlich hochwertiger als bisher. Die wuchtige Mittelkonsole mit tausend Knöpfen von einst ist verschwunden. An ihrer Stelle dominieren im aus- und aufgeräumten Cockpit mit Tacho und Tourenzähler zwei nüchterne Rundinstrumente hinter der Lenksäule und ein 7-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole. Zusammen mit guten Halt bietenden Sitzen und Dekorelementen in verschiedenen Farb- und Materialmixes wirkt das Interieur so sehr modern. Dass die zu breit geratene Fensterbedientaste in der Armlehne der Beifahrertür öfter zu unfreiwilligem Öffnen des Fensters und Durchzug führt, sei dahingestellt. Alles in allem gilt im neuen Corsa: Schnickschnack war gestern.

Die 1982 noch jugendlichen Erstkäufer des Corsa sind mittlerweile im reifen Alter. Entsprechend dürften sie sich am erwachsenen Look des Neuen ebenso freuen wie an der langen Optionenliste für technische Helfer. Opel zielt nämlich mit Extras wie Frontkamera, Verkehrsschilderkennung, Spurhalteassistent, Frontkollisionswarner, automatisch lenkendem Parkassistenten oder der Rückfahrkamera bewusst auch auf eine etwas reifere und zahlungskräftigere Klientel. Die wird sich ebenfalls über das komplett neue Fahrwerk im Corsa freuen, dem viel kritisierten Schwachpunkt der Vorgängerversion. Chef-Entwicklungsingenieur Jöris Werner verspricht für den neuen Corsa: «Bis auf ein paar wenige Schrauben ist sein Fahrwerk vollständig neu, verfügt über deutlich feiner ansprechende Stossdämpfer und bietet zusammen mit der neuen Lenkung eine hohe Kurvenpräzision und einen stoischen Geradeauslauf.» Die Probe aufs Exempel vermag bis auf eine Ausnahme zu überzeugen: Unebenheiten schluckt die neue Federung wirklich gelassener als zuvor, und auch die Kurven und Geraden nimmt der Corsa, wie es sich gehört – nur die geschwindigkeitsabhängige, elektrische Servolenkung bleibt ziemlich gefühllos.

Überzeugend in der City

Aber der Corsa ist ja bekanntlich kein Sportwagen, sondern vornehmlich in der Stadt und Agglomeration zu Hause. Da überzeugt er denn auch durchwegs. Auf Knopfdruck lässt er sich dank seiner leichtgängigeren City-Lenkfunktion ohne Kraftaufwand in jede Parklücke manövrieren. Und am Rotlicht wartet der von uns gefahrene 1-Liter-3-Zylinder- Motor dank Start-Stopp ohne unnötige Abgase auf die nächste Grünphase. Das vom Adam übernommene Vorzeigeaggregat treibt den rund 1,2 Tonnen wiegenden Corsa mit 115 PS und 6-Gang- Handschaltung flott voran und bleibt mit einem Normverbrauch von 5 Litern bescheiden durstig. So hinterlässt der neue Corsa insgesamt einen guten Eindruck, und man ist versucht, darauf zu wetten, dass er das auch in den nächsten 30 Jahren tun wird.

Thomas Borowski fuhr den neuen Opel Corsa am 16./17. Oktober auf Einladung von Opel Schweiz in Deutschland.

Opel Corsa Modell: 3- oder 5-türiger Kompaktwagen mit 4 Sitzen. Masse: Länge 4021mm, Breite 1736 mm, Höhe 1479 mm, Radstand 2510 mm. Kofferraum: 285 bis 1120 Liter. Motoren: 3 Benziner mit 70 bis 115 PS (51–85 kW), 2 Diesel mit 75 oder 95 PS (55/70 kW). Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 10,5 bis 16 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 162 bis 195 km/h. Verbrauch: 3,2 bis 6,0 Liter/100 Kilometer (offizielle Werksangabe). CO2: 87 bis 140 Gramm/Kilometer. Markteinführung: Dezember. Preise: ab 13 750 Franken. Info: www.opel.ch (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.10.2014, 17:25 Uhr)

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