Auto

Ein Fall für zwei

Von Thomas Geiger und Markus Cavelti. Aktualisiert am 06.09.2011

Mit dem Coupé bringen die bayrischen Briten die fünfte Version des Mini auf die Strasse – mit hohem Funfaktor.

1/4 Mini zum Fünften:
Bild: Mini

   

Mini Coupé

Modell: Coupé mit 2 Sitzen.
Masse: Länge 3734 mm, Breite 1683 mm. Höhe 1384 mm.
Getriebe: John Cooper Works 6-Gang manuell,
Automatik für die anderen Modelle optional.
Motoren: Drei Benziner mit 122, 184 und
211 PS. Ein Diesel mit 143 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 6,4 bis
9,0 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 204 bis 240 km/h.
Verbrauch: 4,3 bis 7,1 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 114 bis 165 Gramm/Kilometer.
Preis: ab 28 500 Franken.
Infos: www.mini.ch

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Mini macht mobil. Weil die junge Marke von BMW seit ihrem Start 2001 für jedes Jahr ein neues Modell versprochen hat, wächst die Familie schneller als bei jedem anderen Hersteller. Als fünfte Spielart des Neo-Klassikers läuft sich jetzt das neue Coupé warm. Befreit von Nebensächlichkeiten wie einer Rückbank, dynamischer geschnitten und straffer abgestimmt, gibt es ab Oktober den idealen Mini für Lust und Laune. Wie üblich bei Coupés zahlt man auch bei Mini mehr Geld und erhält dafür weniger Auto: Gegenüber dem Einstiegsmodell Mini Cooper verlangen die Bayern moderate 2200 Franken Aufpreis und beginnen die Preisliste des Zweisitzers bei 28 500 Franken.

Von A bis Z neu abgestimmt

Und das Geld ist gut angelegt. Denn selbst wenn nur absolute Profis einen konkreten Unterschied herausfahren werden, fühlt sich das Auto für den Fahrer einfach sportlicher an – und zwar nicht nur, weil das Dach drei Zentimeter tiefer ist. «Wir haben das Fahrwerk und alle Regelsysteme für das Coupé neu abgestimmt», sagt Dynamikchef Heinz Krusche und spricht von den Feinheiten, die den Unterschied ausmachen: Die Dämpfer hinten sind kräftiger und der Stabilisator einen Zentimeter dicker als beim Dreitürer. Ausserdem wiegt das Coupé etwa 25 Kilogramm mehr, hat aber den tieferen Schwerpunkt. Und vor allem gibt es auf dem Heckdeckel einen kleinen Spoiler, der bei Tempo 80 automatisch ausklappt und bei 60 von selbst wieder einfährt. «Das ist nicht etwa ein Gag», sagt Krusche.

Denn wie alles bei Mini hat auch der Spoiler eine Funktion: «Bei Vollgas lasten durch den Abtrieb 40 Kilo mehr auf der Hinterachse.» Zwar würde sich der Zweitürer auch ohne Flügel sicher durch die Kurven zirkeln lassen. «Doch so bekommen wir die bessere Strassenlage und das Mini-typische Lenkgefühl», sagt Krusche. Genau das ist aber ein wenig gewöhhnungsbedürftig. Denn der kurze Radstand und die – vor allem in der Topversion John Cooper Works – mehr als ausreichende Power machen den Kompakt-Sportler in schnell gefahrenen Kurven und auf unruhigem Terrain ein wenig nervös.

Sparen mit 143, spurten mit 211 PS

Doch weil bei den bayrischen Briten ohnehin primär der Fahrspass im Vordergrund steht, gibt es den ersten Zweisitzer von Mini nur mit den stärkeren Motoren: Das Line-up startet mit dem Cooper Coupé, das bereits 122 PS erreicht. Darüber rangiert der Cooper S mit 184 PS, und an der Spitze steht der 1,6-Liter-Turbo aus dem Cooper Works, der immerhin auf 211 PS und bis zu 280 Newtonmeter kommt. Das reicht für einen Sprintwert von 6,4 Sekunden für den Spurt von 0 auf Tempo 100 und eine Spitze von 240 km/h.

Kein anderer serienmässiger Mini war in der 50-jährigen Geschichte bisher schneller. Doch selbst beim Diesel gibt es nur die stärkere Variante: Einziger Selbstzünder ist deshalb der 143 PS starke Cooper SD. Bei allem Vergnügen kommt die Vernunft aber nicht vollends unter die Räder: Die Start-Stopp-Automatik zum Beispiel ist deshalb überall Serie und drückt den Verbrauch auf vernünftige 4,3 Liter beim Diesel und 5,4 bis 7,1 Liter bei den Benzinern. Zwar können Ingenieure wie Heinz Krusche stundenlang über die Fahrdynamik philosophieren. Doch werden das wohl die wenigsten Kunden tatsächlich herausfahren können.

Die Differenzierung geschieht vor allem über das Design, sagt Stylingchef Anders Warming mit Blick auf die schräg stehende Frontscheibe, das kurze, flache Dach mit der durchlässigen Abrisskante und den Heckstummel. Ihn erinnert das an eine verkehrt aufgesetzte Baseball-Mütze, die dem Mini einen kessen, frechen Anstrich gibt. Und als ob sie sich zuvor abgesprochen hätten, ergänzt Kay Segler, seit Mai erneut CEO der kultigen Marke, diese Aussage: «Das Coupé ist nur auf den ersten Blick etwas für Halbstarke. Es ist vielmehr eine moderne Reiselimousine im Kleinformat.»

Tatsächlich ist das Mini Coupé nicht nur cool und potent, es ist sogar praktischer als der Dreitürer – zumindest, wenn man auf die Rücksitze verzichten kann: Denn der Kofferraum wächst um mehr als 50 Prozent auf respektable 280 Liter, und sogar ein doppelter Boden und eine Durchreiche für Ski – das freut Herrn und Frau Schweizer – und Gegenstände bis zu 170 Zentimeter Länge sind vorhanden. Beim Coupé wird es allerdings nicht bleiben. Damit Mini sein Versprechen mit dem neuen Modell im neuen Jahr auch einhalten kann, gibt es den Zweitürer nächstes Jahr auch als Roadster.

Markus Cavelti fuhr das neue Mini Coupé am 31. August auf Einladung von Mini Schweiz in Deutschland.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2011, 21:58 Uhr

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