Mit allen Wassern gewaschen

Klein, wendig und ganz schön stürmisch: Mehr als andere Cabrios beweist der offene Smart Fortwo, dass gute Laune keine Frage des Wetters ist.

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Gestern war es angeblich schön. Und morgen soll es auch wieder schön werden. Nur heute, ausgerechnet heute, liegt Valencia unter einer derart dichten Wolkendecke, dass sich die Lust aufs Offenfahren stark in Grenzen hält. Das kommt davon, wenn man seinen Teller am Vorabend nicht leer gegessen hat! Oder steckt vielleicht die Konkurrenz dahinter? Verschwörungstheoretikern zufolge lässt sich das Wetter ja gezielt manipulieren.

Bloss: welche Konkurrenz denn? Es gibt keine. Nach knapp 16 Jahren Bauzeit und 220'000 Einheiten ist das 2,7 Meter kurze Smart Fortwo Cabrio noch immer einzigartig auf der Welt. Und nicht nur die Marktsituation, auch der Erfolg der Ende 2014 eingeführten neuen Baureihe lässt aufhorchen: Im vergangenen Jahr konnte die Daimler-Tochter 120'000 Exemplare des Fortwo Coupé und Forfour absetzen, was ihr in Europa ein Plus von 72,5 Prozent bescherte.

In der Schweiz betrug das Wachstum dank 3409 Verkäufen sogar über 100 Prozent. Mit einem Fahrzeug auf 36 Einwohner war Zürich eine Zeitlang die Smart-Hauptstadt überhaupt. Und bislang lag der Cabrio-Anteil hierzulande bei immerhin 15 bis 20 Prozent. Kein Wunder, strahlen die Verantwortlichen, als fände die Pressevorstellung des neuen Modells unter einem sommerlichen Hochdruckgebiet statt!

«Einziges echtes Cabrio»

Um den Teller von gestern leer zu essen, ist es jetzt eh zu spät. Also Knopf drücken und dabei zusehen, wie sich das Verdeck stufenlos nach hinten verzieht, im Heck faltet und den geschlossenen Zweisitzer in 12 Sekunden zum Targa verwandelt. Das Gepäckabteil bleibt dabei zugänglich, denn in der Cargo-Stellung lässt sich das Stoffdach leicht anheben, um die Kofferraumluke zu vergrössern. Vor allem aber können die Dachholme demontiert und in der Heckklappe verstaut werden. Anders als bei kleinen Cabrios üblich bleiben so nur noch die hinteren Seitenfensterchen, B-Säulen und eine Querstrebe stehen. Entwicklungsleiter Dirk Streichert spricht darum vom «einzigen echten Cabrio im Segment».

An der Echtheit des Cabrios lässt die Zugluft tatsächlich nicht zweifeln. Mütze und Schal müssen sein, um sich den Januar-Wind als Juli-Brise vorzustellen. Wenn Sitzheizung und Windschott an Bord sind, ist diese Vorstellung sogar recht angenehm. Nur eines möchte man sich jetzt nicht vorstellen: Platzregen. Sind die Dachholme befestigt, öffnet und schliesst das Verdeck bis zur Höchstgeschwindigkeit. Wenn nicht, muss man jedoch anhalten. Aussteigen. Die Metallteile aus dem Kofferraum kramen. Sie befestigen. Und hoffen, dass der Smart in der Zwischenzeit nicht zum Swimmingpool verkommt – wäre schade um das Cockpit, das bei aller Verspieltheit hochwertig anmutet.

Nun, so weit kommt es an jenem Tag nicht. Und nach einer halben Autobahnstunde (was bei 1,9 Meter Radstand und entsprechend unruhigem Geradeauslauf lange genug ist) rückt das Wetter ohnehin in den Hintergrund. Trotz der rund 60 Kilo schweren Versteifungsmassnahmen gibt sich das Cabrio auf kurviger Landstrasse genauso lebendig wie das Coupé. Die Lenkung ist aufmerksam, das Fahrwerk straff, ohne über Bodenunebenheiten zu poltern, und die Sitze bieten guten Seitenhalt. Gerade mit dem stärkeren 90-PS-Dreizylinder im Heck wähnt man sich in einem weit sportlicheren Gefährt. Und wenn der Beifahrer nickt, dann bloss noch aus Zustimmung, denn ruppige Schaltvorgänge sind Geschichte. Das neue Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge fast unmerklich.

19'845 Franken und mehr

Zurück in der Stadt kommt erst recht Schönwetterstimmung auf. Sich in der Rushhour durch die engen Gassen und bis zu achtspurigen Strassen Valencias zu kämpfen, ist kein Kinderspiel – aber es fühlt sich bei 2,69 Meter Länge, irre kleinem Wendekreis und der Möglichkeit, blitzschnell von Lücke zu Lücke zu springen, so an. Und klar liesse sich dieses Spiel auch in einem Coupé spielen, doch in einem Cabrio erlebt man die Stadt mit ihrer Hektik, Atmosphäre, Geräuschkulisse und Geruchswelt noch viel authentischer. Sonnenschein? Küstenromantik? Der Duft nach Blumenwiesen und Wäldern? Werden mindestens so überschätzt wie dreistellige PS-Zahlen, vier Zylinder und eine zweite Sitzreihe.

Das Einzige, was unterschätzt werden könnte, ist der Preis: Das 71-PS-Basismodell startet zwar bei 19 845 Franken, und die Doppelkupplung, die Klimaautomatik und das Multimediasystem mit 7-Zoll-Touchscreen, Audio-Streaming und Navi sind serienmässig, doch mit mehr Leistung, mehr Ausstattung und dem einen oder anderen Individualisierungs- Extra tendiert der Preis eher gegen 30'000 Franken. Das Gute daran ist: Wer sich das vom Mund abspart, schafft es eher, seinen Teller leer zu essen.

Nina Vetterli fuhr das neue Smart Fortwo Cabrio am 26./27. Januar auf Einladung der Mercedes-Benz Schweiz AG in Spanien. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 29.01.2016, 22:28 Uhr)

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Smart Fortwo Cabrio

71 bis 90 PS

Kategorie 2-türiger Kleinstwagen mit 2 Plätzen
Masse Länge 2695 mm, Breite 1663 mm, Höhe 1552 mm, Radstand 1873 mm
Kofferraum 260–340 Liter
Motor 1,0-Liter-3-Zylinder-Benziner mit 71 PS (52 kW), 0,9-Liter-3-Zylinder-Turbobenziner mit 90 PS (66 kW)
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 11,7–15,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
Verbrauch 4,2–4,3 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss 97–99 Gramm pro Kilometer
Markteinführung 10. März 2016
Preis Ab 19'845 Franken

Infos: www.smart.ch

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