Auto

So will der neue Opel Astra den «König»
aus Wolfsburg angreifen

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 04.10.2009

Für Opel-Chef Carl-Peter Forster ist der neue Astra «ein Bote einer spannenden Zukunft».

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Der König der Kompaktklasse heisst VW Golf. Doch mit dem neuen Astra machen die Rüsselsheimer mächtig Boden gut.

   

Daran lässt man selbst bei Opel keinen Zweifel: «Der König der Kompaktklasse ist der VW Golf», räumt Andreas Marx ein, der das Produktmarketing von Opel leitet. Doch entmutigen lässt er sich von dieser Tatsache nicht. Im Gegenteil: Trotzig bläst Opel jetzt mit dem neuen Astra zum Sturm auf den Golfplatz und will dort mit innovativer Technik, emotionalem Design und gesenkten Kosten für Kauf und Unterhalt nicht nur eine Million Astra- und Kadettfahrer bei der Stange halten, sondern immerhin 30 Prozent neue Kunden gewinnen – natürlich vor allem aus Wolfsburg. Zwar startet der Verkauf im Heimatland, wo für Opel besonders viel auf dem Spiel steht. «Doch die Schweiz hat für Opel bezüglich der Modelleinführungen erste Priorität. Gleich nach dem Produktionsstart bekommen wir die ersten Autos», bestätigt Pressesprecher Christoph Bleile, der Ende November mit der ersten Lieferung rechnet und noch für dieses Jahr rund 600 Verkäufe prophezeit.

Zum Marktstart 25?500 Franken

Nicht umsonst gibt es bis zum Jahresende Frühbucherpakete, mit denen Schnell- entschlossene bis zu 50 Prozent Rabatt für Ausstattungspakete erhalten. «Diese Schnäppchen-Angebote sind kaum nötig», ist der Schweizer Markenchef Alfred Suter überzeugt: «Der neue Astra bietet innovative Technologien, hohe Verarbeitungsqualität und effiziente Motoren – verpackt in ein athletisches Design», rühmt er den neuen Hoffnungsträger und glaubt, dass es die «attraktive Preisgestaltung» vielen Kunden ermöglichen wird, «sich so ein repräsentatives Kompaktfahrzeug leisten zu können». Schliesslich steht der neue Astra, wenn einmal alle Motoren erhältlich sind, ab 22?600 Franken beim Händler. Wer nicht auf das Basismodell warten will, muss zum Marktstart mit 25?550 Franken budgetieren.

Ein wichtiger Trumpf im Stechen mit dem Bestseller aus Wolfsburg ist das Fahrverhalten, das von einer neuen Hinterachse und dem variablen Dämpfersystem Flexride lebt. So konnten die Ingenieure die Eigenschaften des Astra weiter spreizen. Ohne die Sportlichkeit des Vorgängers aufzugeben, wirkt der Wagen nun – dank grösserem Radstand und breiterer Spur – sehr viel komfortabler und gelassener, wenn man über die Autobahn rollt. Kaum ist man jedoch auf der Landstrasse und drückt die Sporttaste, färbt sich nicht nur das Cockpit rot ein. Auch Federn und Dämpfern werden härter, die Lenkunterstützung wird reduziert, und aus dem braven Familienauto wird ein kompakter Sportler.

4 Diesel und 5 Benziner

Starten wird der Astra zunächst mit neun Motoren. Die vier Diesel decken eine Spanne von 95 bis 160 PS ab und verbrauchen im Mittel 4,6 Liter. Bei den Benzinern beginnt das Programm mit 87 und reicht bis 180 PS. Hier liegt der Durchschnittsverbrauch bei 6,1 Litern. Besonders stolz ist man bei Opel auf den neuen 1,4-Liter-Benziner, der auf 140 PS kommt und 5,9 Liter verbraucht. Weil die Entwickler den kleineren Hubraum mit einem Turbolader kompensieren («Downsizing»), sind das fast 18 Prozent weniger als beim vergleichbaren 1,8-Liter-Motor des aktuellen Astra. Mit dem Golf liegt der Astra so auf Augenhöhe – zumindest, solange man ein Schaltgetriebe bestellt. Gegen den zusätzlichen Spareffekt der Wolfsburger Doppelkupplung DSG kommt Opel allerdings vorerst nicht an.

Bei den ersten Testfahrten machte der kleine Turbo eine ganz ordentliche Figur. Zwar verlangt er noch reichlich Drehzahl und fällt beim Anfahren in das übliche Loch des Laders, nimmt danach aber zügig Fahrt auf, klingt sonor und läuft kultiviert: 9,7 Sekunden von 0 auf 100, und eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h sind deshalb kein schlechtes Ergebnis.

Weil traditionell mindestens jeder zweite Opel Astra als CDTI bestellt wird und der Diesel in der CO2-Bilanz besser abschneidet, stellen die Rüsselsheimer auch einen sauberen Selbstzünder in Aussicht. Ab Frühjahr gibt es darum den Astra 1.3 CDTI ecoFlex mit 95 PS als neues Sparmobil: Eine optimierte Aerodynamik, ein modifiziertes Getriebe und Reifen mit reduziertem Rollwiderstand drücken den Verbrauch auf 4,2 Liter und den CO2 auf 109 Gramm. Das ist zwar für ein Auto dieser Grösse mehr als respektabel. Doch weil Opel bislang weder ein Start-Stopp-System vorweisen kann noch überschüssige Energie beim Bremsen zum Laden der Batterie und zur Entlastung der Lichtmaschine («Rekuperation») nutzt, reicht es nicht für einen Platz auf dem Podest.

Komponenten aus dem Insignia

Beim Sturm auf den Thron der Kompaktklasse setzt Opel darum in erster Linie auf das Design. «Gute Autos gibt es in diesem Segment viele», bestätigt Projektleiter Andreas Zipser freimütig. «Doch den meisten davon mangelt es an Leidenschaft und Emotionen.» Darum hat das Team um Designchef Mark Adams viel Schwung aus dem erfolgreichen Opel Insignia mitgenommen und einen sportlichen Astra auf die Räder gestellt: Wie der grosse Bruder trägt er einen scharfen Schmiss in der Flanke, hat weit ausgestellte Hüften und einen schmucken Bogen im Dach. Ausserdem tragen die Leuchten vorn wie hinten nun die markanten Lichthaken, die künftig an jedem Opel strahlen sollen. Das Profil und die Kehrseite wirken ausgesprochen interessant, gut geformt und viel versprechend. Nur die Front ist trotz des strengen Blicks ein wenig austauschbar – zumindest, wenn man den Astra im Rückspiegel sieht.
Innen bereitet der neue Astra seinen Besitzern einen warmherzigen Empfang: Er nimmt die Insassen buchstäblich mit offenen Armen auf und umschliesst sie mit einer Armaturentafel, die weit in den Türen ausläuft. «Diese Stilrichtung haben wir ebenso vom Insignia übernommen wie die in dieser Klasse einmalige Ambiente-Beleuchtung», sagt Designer Uwe Müller. Aber nur bei der Formvorlage ist es nicht geblieben: Selbst einzelne Komponenten wie das Lenkrad, die Chromspangen und der Schaltknauf kommen direkt aus dem Flaggschiff und bringen so einen Hauch Noblesse in die Kompaktklasse und suchen die Nähe zum 1er von BMW oder dem Audi A3. Allerdings ist das zumindest bei den ersten Testwagen noch ein frommer Wunsch, weil Premium eben auch Perfektion bedeutet. Und dazu wollen die schlechten Gussnähte oder die scharfen Grate an vielen Zierelementen aus Kunststoff nicht so recht passen.

Aber nur mit Emotionen kann man ein Auto in der heutigen Zeit und in diesem Segment ohnehin nicht verkaufen, weiss Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster und rühmt deshalb auch die technische Aufrüstung des neuen Astra. Extras wie das adaptive Lichtsystem mit neun unterschiedlichen Fahrbahnausleuchtungen, die Kamera zur Erkennung von Fahrspur und Verkehrszeichen, den im Heck integrierten Fahrradträger, das beheizte Lenkrad – all das sucht man in dieser hart umkämpften Klasse sonst vergebens.

22 Zentimeter länger als der Golf

Doch der Astra hat nicht nur bei der Ausstattung einen Schritt aus der Golf-Klasse gemacht: 17 Zentimeter mehr Länge und sieben Zentimeter mehr Radstand lassen den Herausforderer auf 4,42 Meter wachsen (VW Golf 4,2 Meter) und sprengen die Grenzen des Segments. Egal ob vorn oder hinten – auf allen fünf Plätzen bietet der Astra deshalb mehr als genügend Platz. Die Kniefreiheit ist logischerweise besser als bei Golf & Co. Zudem gibt es Dutzende von praktischen Ablagen und einen praktischen Kofferraum. Er fasst nicht nur 370 bis 1235 Liter, sondern glänzt auch mit einem variablen Ladeboden, der in drei Höhen arretiert werden kann.

Natürlich könnten die Zeiten besser sein für den Start eines so wichtigen Autos. Doch wie schon der Insignia, der Hoffnung und Halt in der GM-Krise gegeben hat, kommt für Carl-Peter Forster auch der Astra im richtigen Moment. Schliesslich ist die Übernahme durch Magna beinahe vollbracht, und eine neue Ära kann beginnen, sagt Forster: «So wird der Astra zum Boten einer spannenden Zukunft.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.10.2009, 18:40 Uhr

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