Spanischer Spätzünder

Jetzt steigt auch Seat ins boomende Geschäft mit kompakten SUV ein. Lange hat sich die spanische VW-Konzerntochter gedulden müssen, bis sie den Ateca auf die Räder stellen konnte.

Spanischer Kompakt-SUV: Mit dem Ateca fährt Seat auf Basis des VW Tiguan einen spannenden Neuling vor. Fotos: Seat

Spanischer Kompakt-SUV: Mit dem Ateca fährt Seat auf Basis des VW Tiguan einen spannenden Neuling vor. Fotos: Seat

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Die Spanier! Als ruhig, ausgeglichen oder gar geduldig gelten sie nachgerade nicht. Dafür als temperamentvoll, impulsiv und, klar doch, eher ungeduldig. Doch wenn es um einen ganz besonderen «Spanier» geht, dann sieht das etwas anders aus. So hat sich Seat, die spanische Konzerntochter von Volkswagen, allein schon den Erfolg mit Geduld erdauern müssen: Nach sieben chronisch defizitären Jahren schloss die Marke 2015 erstmals wieder mit einem Gewinn ab. Keinem grossen zwar – man muss eher von einer schwarzen Null reden –, aber immerhin. Und auch bei weiteren Kennzahlen zeigt der Trend endlich wieder nach oben: Umsatzerlös seit 2009 verdoppelt, Entwicklungsbudget um fast 30 Prozent erhöht und im letzten Jahr 400'000 Autos verkauft.

Erfolg auch in der Schweiz

Auf diesem Erfolgskurs sieht sich auch Seat Schweiz. Markenchef Peter Schmid nennt 2015 mit 10 451 immatrikulierten Fahrzeugen sogar «ein Rekordjahr». Der Marktanteil stieg auf 3,2 Prozent an, der Seat Leon als Technikgleiche, aber günstigere Alternative zum VW Golf, war bei uns im vergangenen Jahr die fünfthäufigste Neueinlösung. Mit dem Alhambra, der bis auf das Design identisch mit dem VW Sharan ist, hält Seat sogar den meistverkauften, siebensitzigen Van in seinen Reihen. Und jetzt kommt, was Schmids Optimismus auf weiter steigende Verkaufszahlen zusätzlich beflügelt, der erste Kompakt-SUV der Marke. Auch diese Geduldsprobe hat Seat somit bestanden. Oder überstanden. Denn nach langem Zögern hat sich Wolfsburg bereit erklärt, den Spaniern für den Bau des Ateca jenes Konzernregal zu öffnen, aus dem sich der Zwillingsbruder VW Tiguan schon seit Jahren bedient. Befürchtungen, es könnte zwischen den beiden Kompaktmodellen zu Kannibalismus kommen, hegen die Wolfsburger offenbar nicht mehr. Und zudem scheint sowohl für den Tiguan wie für den Ateca genügend Wachstumspotenzial vorhanden zu sein: Bis 2020 prophezeien Experten dem schon seit Jahren boomenden Segment eine weitere Steigerung um bis zu 25 Prozent. Davon dürften allerdings auch Konkurrenten wie Nissan Qashqai, Mazda CX-3, Toyota RAV-4, Hyundai Tucson, Renault Kadjar oder Opel Mokka profitieren. Keine schlechte Idee also, wenn VW mit einer doppelten Speerspitze gegen sie antreten kann.

Mehr als ein spanischer Tiguan

Auch wenn er auf der gleichen modularen Quermotor-Plattform basiert wie der Zwillingsbruder Tiguan, der eben erst in zweiter Generation neu aufgelegt worden ist, gibt sich der Ateca durchaus eigenständig. Und diese Unterschiede sind zugleich seine Stärken: kleiner, leichter und damit auch agiler, vom Design her trendiger und letztlich dennoch gross genug, um den Ansprüchen an einen kompakten SUV mit Platz für fünf Personen gerecht zu werden. Im Klartext: Bloss eine spanisch eingekleidete Version des Tiguan ist der Ateca bei weitem nicht. So dürfte sich der Spätzünder mit seinem markentypischen Design, seinem stechenden Scheinwerferblick, den scharfen Kanten und seinen ausgewogenen Proportionen nicht nur deutlich vom Konzernbruder abheben, wenn er in diesen Tagen zu einem Basispreis von 21'750 Franken in die Showrooms der Händler kommt. Sondern auch – durchaus wohltuend – von der übrigen Konkurrenz. Mit einer Länge von 4,36 Metern ist der Ateca zwölf Zentimeter kürzer als der Tiguan, bietet aber das wohl ausgewogenere Raumkonzept. Auch hinten hält er für Erwachsene genügend Kopf- und Beinfreiheit bereit, und obwohl die Rückbank nicht verschiebbar ist, lässt sich bei umgeklappten Sitzen (samt Sitzlehnen) das Stauvolumen von 510 auf 1604 Liter steigern. Bei den Versionen mit Allradantrieb sind es einige Liter weniger.

Trotz 4x4 nicht fürs Gelände

Vom Zugriff ins Konzernregal profitiert Seat neben den Motoren – zwei Benziner und drei Diesel, die ein Spektrum von 115 bis 190 PS abdecken – vor allem bei den Ausstattungsdetails. So gibt es den Ateca auf Wunsch wie den Tiguan mit LED-Scheinwerfern, einem Stauassistenten mit Geschwindigkeits- und Spurregelung sowie Einparkhilfe. Und zudem mit einem pfiffigen Infotainment- System. Die stärksten Motorisierungen sind optional mit 4x4 erhältlich, doch zumGeländewagen wird der Ateca deswegen nicht. Auch wenn der Spanier sogar über ein besonders Fahrprofil für Schnee verfügt.

Peter Hegetschweiler fuhr den Seat Ateca auf Einladung des Schweizer Importeurs Amag am 22./23. Juni in Spanien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.07.2016, 17:09 Uhr

Seat Ateca

Spanier nach deutschem Vorbild

Kategorie Kompakt-SUV mit 5 Türen
Masse Länge 4363 mm, Breite 1841 mm, Höhe 1601 mm, Radstand 2638 mm
Kofferraum 510 bis 1604 Liter
Motoren Je Zwei Benziner und Diesel mit 115 bis 190 PS
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 7,0 bis 10,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 183 bis 212 km/h
Verbrauch 4,3 bis 6,2 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe)
CO2-Ausstoss 113 bis 140 Gramm pro Kilometer (offizielle Werksangabe)
Markteinführung Mitte Juli 2016
Preis Ab 21'500 Franken
Infos: www.seat.ch

Alles im Griff: Das übersichtliche Cockpit des Ateca.

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