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Vitamin B für die Kompaktklasse

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 26.08.2011

Auf der IAA im September enthüllt Mercedes-Benz die neue B-Klasse, im November rollt der Kompaktwagen in die Schweiz.

1/3 Mehr Charakter: Die neue B-Klasse von Mercedes-Benz wurde von A bis Z neu aufgebaut.
Mercedes-Benz

   

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Dieser Spagat ist kein Kinderspiel: Zum einen soll die nächste Generation der Mercedes-B-Klasse den Aufbruch in eine neue Ära untermauern. Darum müsste sie wohl genauso dynamisch werden wie die A-Klasse-Studie aus Shanghai. Doch zum andern sollte sie jenen fast 700 000 Kunden gefallen, die sich seit ihrem Debüt 2005 für den Hochdach-Mercedes und gegen Autos wie den VW Golf Plus entschieden haben. Eine erhöhte Sitzposition, das üppige Platzangebot und die wenig dynamische Grundform einer Grossraumlimousine stehen deshalb nicht zur Diskussion. Also praktisch und peppig? Cool und klassisch? Das sind die Extreme, die Designchef Gordon Wagener und Baureihenleiter Hans Engel mit viel Vitamin B unter einen Hut bekommen mussten. Wie ihnen das gelungen ist, werden die Kunden im September auf der IAA sehen.

Innenraum mit mehr Style

Wo die A-Klasse den Angreifer spielt, gibt die um 9 Zentimeter auf 4,36 Meter gestreckte B-Klasse den Bewahrer. Sie soll alles bieten, was die Kunden bei der aktuellen B-Klasse kennen und lieben gelernt haben. Vergessen sind dagegen die bekannten Kritikpunkte, versprechen die Entwickler. Galten A- und B-Klasse bislang gerne als die Stiefkinder in der Modellfamilie, gehören sie künftig ganz selbstverständlich mit zur Partie. Denn nicht nur technische Alleingänge wie der Sandwichboden oder die exklusiven Motoren sind passé, sondern auch viele Gestaltungselemente sollen die Brücke zu den grossen Limousinen schlagen.

Dafür haben die Schwaben nicht nur den Innenraum aufgemöbelt, sondern sie haben auch eine neue Sitzordnung eingeführt: Weil der bisherige Sandwichboden nur noch den Versionen mit alternativen Antrieben vorbehalten bleibt, sitzt der Fahrer 8 Zentimeter tiefer. Auch hinten spürt man den Fortschritt bereits bei der ersten Sitzprobe: «In einigen Dimensionen bietet der Fond der B-Klasse sogar mehr Platz als die S-Klasse», sagt der Baureihenleiter mit Blick auf die um 14 Zentimeter verschiebbaren Einzelsitze aus der Aufpreisliste. Mit ihnen kann man den Knieraum vergrössern oder den Kofferraum erweitern – von 488 auf 666 Liter.

Turbinenlüfter des SLS

Grösser, geräumiger, gereifter – das alles passt auch zum «alten» Geist der B-Klasse. Dass der Hoffnungsträger in eine neue Zeit fährt, davon zeugt dagegen vor allem das Design. Aussen zeigt der kleine Nobel-Van mit grösserem Grill, detailliert ausgearbeiteten Scheinwerfern und den beiden gegenläufigen Sicken auf der Flanke mehr Charakter. Und innen hat das Ambiente nichts mehr von der billigen Behäbigkeit des Vorgängers. Neben Holz und Leder gibt es auf Wunsch auch moderne Metallkonsolen, bunte Nähte bringen Farbe ins Spiel, und die Turbinenlüfter aus dem SLS geben der Armaturentafel buchstäblich etwas frischen Wind. Absoluter Blickfang allerdings ist der Monitor für Navi & Co. Nicht nur, weil darauf die Albumcover fliessen wie auf dem iPod und weil es dort eine Onlineverbindung zu Twitter und Facebook gibt. Sondern vor allem weil er fast frei im Raum steht wie daheim der Flatscreen im Wohnzimmer.

Während die B-Klasse dem Rest der Familie damit deutlich vorauseilt, sucht sie in allen anderen Belangen erst einmal die Nähe zu C-Klasse & Co. Das gilt für das Heer der Assistenzsysteme vom Müdigkeitswarner bis zum Abstandshalter mit Notbremsfunktion ebenso wie für die Motoren. Ohne den Sandwichboden, passen unter die Haube jetzt die normalen 4-Zylinder aus der Grossserie.

Zwei Diesel und zwei Benziner

Trotzdem überrascht Mercedes-Benz mit einer komplett neuen Motorpalette. Los geht es mit zwei Benzinern, die von den grossen Dirketeinspritzern aus E- und S-Klasse abgeleitet sind. Sie haben 1,6 Liter Hubraum und kommen im B 180 auf 122 oder im B 200 auf 156 PS. Neu und trotzdem vertraut sind auch die beiden Diesel im 109 PS starken B 180 CDI oder im B 200 mit 136 PS. Rekuperation und Start-Stopp gibt es serienmässig für alle Modelle, und gegen Aufpreis übernimmt bei Mercedes erstmals auch eine Automatik mit Doppelkupplung die Schalterei. Bedient wird sie genau wie die Automatik in der S-Klasse vom Lenker aus.

Was jetzt noch fehlt, ist der Preis für die neue B-Klasse, den sich Mercedes als IAA-Überraschung aufgespart hat. Doch wenn die Schwaben Ernst machen mit der Zwitterrolle aus Bewahrer und Eroberer, dann können sie sich eigentlich keine grossen Aufschläge erlauben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2011, 20:38 Uhr

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