Alles Turbo oder was?

So fährt sich die neue Generation des Porsche 911 Turbo.

Der «richtige Turbo»: Das 911er-Flaggschiff spurtet dank maximal 580 PS in 2,9 Sekunden auf Tempo 100. Foto: Porsche

Der «richtige Turbo»: Das 911er-Flaggschiff spurtet dank maximal 580 PS in 2,9 Sekunden auf Tempo 100. Foto: Porsche

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Alle spitzen die Ohren. Und es dauert keine fünf Minuten. August Achleitner, Porsches Baureihenchef für den 911, zählt die zahlreichen Änderungen am überarbeiteten 911 Turbo auf. Das zweizeilige Tagfahrlicht und die neuen Front und Heckschürzen, die ihn vor allem von hinten noch vollfetter erscheinen lassen. Wie sie den 3,8-Liter-Boxer aus dem Vorgänger aufpoliert haben, damit er in Turbo und Turbo S je 20 Pferdestärken mehr ausspuckt. Und dass sie dafür auch neue Lader einsetzen, unterschiedliche für jede Version. «Das gibt es erstmals im richtigen Turbo.»

Schon ist es raus. Und alle haben es gehört. «Richtiger Turbo.» Denn: Seit der jüngsten Modellüberarbeitung der 911er-Reihe sind sie ja alle ein bisschen Turbo. Weil die singend-sägenden Saugmotoren im Vorgänger einfach nicht unter den künftigen EU-Abgashürden hindurch passen wollten, treiben nun neue Dreiliter-Boxer mit zwei Ladern schon die Basismodelle voran. Natürlich lässt Achleitner nichts auf die neuen Carrera- Antriebe kommen. Sie stünden für die verbrauchsgünstigere und noch kräftigere Zukunft; man könne sie mit mehreren Hubräumen, in vielen Leistungsstufen und sogar als Vierzylinder bauen. Aber eben: Es kann nur einen geben. Einen «richtigen Turbo».

Als die ersten Exemplare im Jahr 1974 ausgeliefert wurden, galt der Porsche 911 Turbo als Rüpel auf vier Rädern. Weil sein riesiger Lader sich sekundenlang Bedenkzeit gönnte, um auf Gasbefehle zu reagieren. Dann aber urplötzlich mit solcher Wucht den Elfer nach vorne peitschte, dass mancher sein Auto kaum im Zaum halten konnte. Gestartet wurde mit einemfadenscheinigen Blechschlüssel, eher für Omas Geschirrschrank als einen Supersportwagen gedacht. Feines Händchen beim Starten, harte Hand unterwegs.

Im neuen 911 Turbo ist es genau umgekehrt. Den XL-Funkschlüssel bringt jeder Grobmotoriker unfallfrei ins Zündschloss. Und sie haben bei Porsche ihrem Über-Sportler längst Manieren beigebracht: Seit 25 Jahren werden alle vier Räder angetrieben, damit er die schiere Kraft überhaupt auf den Asphalt bringt; vor zehn Jahren wurde ein Turbo mit variabler Geometrie eingeführt, der sich perfekt dosieren lässt. Und Schaltkreise für Stabilitäts- und Traktionskontrolle, verstellbares Fahrwerk und diverse Sportprogramme schleppt er ja längst mit sich herum. Man könnte glatt mit ihm Einkaufen fahren.

Der Turbo fliegt mühelos

Schlüssel drehen und hinten anstellen auf dem Kyalami-Racetrack nahe Johannesburg. Kyalami bedeutet auf Zulu «nach Hause kommen», und so fühlen sie sich wohl auch bei Porsche, weil die ihren das allererste und allerletzte Rennen auf dem einstigen Formel-1-Kurs gewannen. Vorneweg fährt Porsche-Werksfahrer Jörg Bergmeister im GT3 RS, dahinter reihen sich die neuen Turbo S auf. Eine Ahnung von der grundrenovierten Strecke hat niemand; auch Bergmeister nur annähernd, da sie erst seit 48 Stunden komplett befahrbar ist.

Ist aber auch völlig egal. Weil schon in der ersten, spät noch zumachenden Linkskurve das Auto ganz alleine zu wissen scheint, wo es langgeht. Die Leistungsentfaltung ist überirdisch und setzt nach dem Gaswegnehmen sofort wieder ein, weil die beiden Lader ihren Ladedruck halten. Wenn Bergmeisters Erfahrung ihn flotter durch die Kurven bringt, katapultieren sie den Turbo auf der Geraden wieder in seinen Windschatten. Steckte ein wenig mehr Bergmeister in einem, man könnte ihn glatt stehen lassen samt seinem brüllenden Saugmotor-Renner; an ihm vorbeiziehen wie ein Düsenjet an einem Doppeldecker. Würde auch so ähnlich tönen. In den Basis-Carrera geht das Kreischen des Boxermotors nun oft im Zischeln der Turbolader unter. Aber zur unbändigen Kraft des Top-Elfers passt sein Turbinen- ähnliches Rauschen. Der GT3 RS kreischt angestrengt vorneweg; die Turbos fliegen wie mühelos hintendrein. Wie früher.

Harte Hand war gestern

Die vier Fahrprogramme wählt ein Plastik- Drehschalter im Lenkrad – könnten das nicht auch satt einrastende Kippschalter wie früher erledigen? Eine Taste mittendrin konfiguriert den Antrieb für 20 Sekunden auf maximale Beschleunigung – man muss nur noch das Gaspedal durchtreten. Geschaltet wird immer automatisch per Doppelkupplungsgetriebe – nicht mehr mit vier manuellen Gängen wie einst. Und sogar einen Totwinkelwarner und einen automatisch Abstand haltenden Tempomaten kann man jetzt ordern. Harte Hand war gestern. Aber wenn noch ein Elfer-Porsche sich bei allen technischen Umbrüchen etwas von seinem ursprünglichen Charakter erhalten hat, dann der Turbo. Der richtige. Die falschen sind ja schliesslich auch bis zu 95000 Franken günstiger.

Andreas Faust fuhr den Porsche 911 Turbo am 18./19. Januar auf Einladung von Porsche Schweiz in Südafrika. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.01.2016, 14:41 Uhr)

Stichworte

Porsche 911 Turbo/Turbo S

Schwäbischer Supersportler

Kategorie Supersportwagen
Masse Länge 4507mm,Breite 1880mm, Höhe 1297mm,Radstand 2450mm
Motoren 3,8-Liter-Benziner mit 540PS (397 kW) oder 580PS(427 kW)
Fahrleistungen 0bis 100km/hin 3,0bis 2,9 Sekunden.Höchstgeschwindigkeit von 320/330km/h
Verbrauch 9,1 Liter auf 100Kilometer
CO2-Ausstoss 212 Gramm/Kilometer
Markteinführung ab sofort
Preis Coupé ab 209 200/246 000Franken, Cabrio ab 225 100/262 500Franken Infos:www.porsche.ch

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