Brabus baut den «Apple-Shop» auf Rädern

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 31.08.2010

Der deutsche Edel-Tuner Brabus hat das Traumauto für alle Apple-Fans im Angebot: die «iBusiness»-Limousine. «Tages-Anzeiger»-Mitarbeiter Thomas Geiger nahm im fahrenden Apple-Shop auf Basis der neuen S-Klasse von Mercedes Platz.

1/12 Ich lasse mich tief in die weichen Sessel der Langversion der neuen S-Klasse sinken, drücke auf ein kleines Knöpfchen, und leise surrt aus der Rücklehne des Vordersitzes ein fein belederter Schreibtisch hervor.
Bild: Brabus

Brabus baut den «Apple-Shop» auf Rädern

   

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat vergebens verhandelt, und auch die anderen Autobosse beissen sich an einer Kooperation mit Apple die Zähne aus. Darum schafft Brabus-Chef Bodo Buschmann einfach Fakten und baut das erste «iCar» der Welt. Nur eben nicht etwa als smarten Kleinwagen, sondern als luxuriöse Business-Limousine mit 750 PS. «iBusiness» heisst die schwarze S-Klasse von Mercedes, die der Tuner allein mit Apple-Technik für rund 65?000 Franken ausgerüstet hat und am liebsten als neuen Dienstwagen an Steve Jobs, den kultigen Chef des Computerriesen, verkaufen würde. Bevor allerdings der Guru der Generation iPod darin Platz nehmen könnte, war der «Tages-Anzeiger» auf einer ersten Probefahrt. Und so erlebte ich die paar Runden im schnellsten und wohl luxuriösesten «Apple-Shop» der Welt.

Brabus-App als Steuerung

Ich lasse mich tief in die weichen Sessel der Langversion der neuen S-Klasse sinken, drücke auf ein kleines Knöpfchen, und leise surrt aus der Rücklehne des Vordersitzes ein fein belederter Schreibtisch hervor. Er hat zwei Kerben, die massgeschneidert sind für das iPad und die coole Apple-Tastatur, die griffbereit in der Mittelkonsole steckt. Schnell noch die Blue-toothmaus herausgezogen — schon surfe ich zu www.tagesanzeiger.ch und schreibe die ersten E-Mails.

Das funktioniert im Fond der Brabus S-Klasse zwar bequemer, ist aber im Prinzip nichts Neues. Doch mit dem eigenen App gehen die Brabus-Entwickler einen grossen Schritt weiter: Denn sobald ich auf meinem iPhone oder dem iPad dieses Zusatzprogramm gestartet habe, kann ich direkt ins Command-System der S-Klasse eingreifen: Navi-Ziele, Telefonmenüs, Klimasteuerung, ja sogar die eigene Brabus-Ambiente-Beleuchtung steuere ich nicht mehr mit dem Drehrädchen auf der Mittelkonsole, sondern mit einem Fingerzeig auf meinem Touchscreen — das haben die grossen Hersteller bislang noch nicht fertig gebracht.

Meeting via Webcam

Ach ja, auch mit zwei Mängeln des iPads hat Brabus Schluss gemacht: dem fehlenden Laufwerk und dem eher kleinen Bildschirm. Für DVDs oder andere Programme gibt es im Kofferraum einen Mac Mini, der auf Knopfdruck aus einer speziellen Schublade fährt. Und für das grosse Kino während der Fahrt lasse ich einfach den Monitor von der Decke surren. Da würde selbst Steve Jobs Augen machen. Denn über USB-Anschlüsse, die im Fond der Limousine integriert wurden, kann der Mac Mini mit den verschiedensten Zusatzgeräten verbunden werden. So wäre Jobs auch in der Lage, seine nächste Produktvorstellung via Web-Cam direkt aus dem Fond des «iBusiness» zu senden.

Doch während der Apple-Boss längst nicht mehr aufs Geld schauen muss, hat Brabus durchaus Sinn für kleinere Portemonnaies. So gibt es neben dem Komplettpaket für etwa 65?000 Franken auch einen abgestuften Baukasten, der mit nur einem iPad samt Tastatur, Schreibtisch und elektronischer Integration bei rund 11?500 Franken startet.

Schnell auch im realen Leben

Zwar hat Brabus mit UMTS und HSDPA die schnellsten verfügbaren Datennetze eingebaut. Doch im Funkloch kann es natürlich trotzdem zum Stau auf der Datenautobahn kommen. Im echten Leben dagegen kann den weit über 300?000 Euro teuren «iBusiness» kaum jemand stoppen. Nicht umsonst arbeitet schliesslich unter der Haube ein auf 6,3 Liter vergrösserter V12-Motor mit 750 PS und 1350 Nm. So ausgerüstet, beschleunigt der Luxusliner auf bis zu 340 km/h — wer braucht da noch die Elektronik-Games «Need for Speed» oder «Gran Turismo»?

Was man für den Apple-Spass auf Rädern von Brabus aber so oder so braucht, ist eine S-Klasse von Mercedes. Denn in andere Autos wird die trendige Technik derzeit noch nicht verbaut. Noch mehr Bilder des «iBusiness» von Brabus auf www.tagesanzeiger.ch (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.08.2010, 16:11 Uhr

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