Lasst ihn fliegen!

Bei seiner Premiere in den Londoner Docks schraubte sich der SUV E-Pace durch die Luft. Offenbar will Jaguar Aufmerksamkeit – und Absatzzahlen, die in die Höhe schiessen.

Stuntman Terry Grant schaffte es mit dieser Fassrolle ins «Guinnessbuch der Rekorde». Foto: Anthony Cullen

Stuntman Terry Grant schaffte es mit dieser Fassrolle ins «Guinnessbuch der Rekorde». Foto: Anthony Cullen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit der banalen Präsentation hat man es nicht so bei Jaguar Land Rover. Grosse Showbühne, Ansprache vom Vorstand, und dann zerren zwei Hostessen ein Tuch von der Neuheit – wie langweilig, das kann ja jeder. Nein, bei dem britischen Autobauer darf es etwas mehr sein. Ein Weltraumbahnhof in New Mexico als Kulisse, beispielsweise. Oder eine 13 Meter hohe Tower Bridge aus 5,8 Millionen Legosteinen. Auch beliebt: das neue Modell per Helikopter einschweben zu lassen, es über der Themse auf Seilen zu balancieren oder gleich durch einen Looping zu schiessen. Und wenn man es dann kaum noch toppen kann – dann wirft man das Auto einfach durch die Luft.

Für die Premiere des neuen Jaguar E-Pace musste damit gleich noch ein «Guinnessbuch»-notierter Rekord verbunden sein: Im Ausstellungszentrum Excel in den Londoner Docks nahm Stuntman Terry Grant 160 Meter Anlauf, schoss im E-Pace mit den rechten Pneus über eine Rampe und setzte nach einem 15-Meter-Sprung inklusive einer 270-Grad-Drehung um die Längsachse wieder auf. Als Erster? Nicht ganz: Roger Moore legte als James Bond schon solch eine sogenannte Fassrolle mit dem Auto hin. Aber sagen wir lieber: Dreiviertelschraube. Klingt eleganter.

Der Versuchung widerstanden

Offenbar haben sie bei Jaguar Aufmerksamkeit nötig. Die gesamte Gruppe, also Jaguar und Land Rover zusammen, legte zwar in den letzten Jahren Absatz­rekorde hin; dank des Engagements des indischen Mischkonzerns Tata, der die unter Ford eher dahinrollenden Marken 2008 übernahm und seitdem in Ruhe arbeiten lässt. Aber getrieben wurde dieser Erfolg vor allem von der SUV- und Allrad-Marke Land Rover – auch in der Schweiz. Im Jahr 2007 setzte Jaguar noch 800 Fahrzeuge gegenüber den 2100 der Schwestermarke ab. Acht Jahre später waren es immerhin 180 Autos mehr, aber Land Rover hatte sich im gleichen Zeitraum auf 3800 Verkäufe gesteigert. Jaguars Antwort darauf: ein erster SUV. Prompt avancierte der F-Pace im letzten Jahr zum bestverkauften Modell der Marke und sorgte in der Schweiz für 82 Prozent Zuwachs bei den Verkäufen. Auch global hob Jaguar mit einem Plus von 83 Prozent geradezu ab.

Ein Allradler neben jenen von Land Rover funktioniert also offenbar, wenn man ihn eher sportlich als geländegängig positioniert – und so versucht Jaguar nun den gleichen Trick ein Segment tiefer mit dem E-Pace. Aber Chefdesigner Ian Callum widerstand der Versuchung, einfach einen geschrumpften F-Pace auf die bis zu 21 Zoll grossen Räder zu stellen. Der Kompakt-SUV wirkt fokussierter und nicht ganz so ausladend wie der grosse Bruder, und vor allem am Heck finden sich einige vom Sportwagen F-Type abgeschaute Details. Technisch baut der E-Pace auf dem Range Rover Evoque auf, übernimmt aber Fahrwerksteile und Hinterachse vom F-Pace. Weil es unter der kurzen Fronthaube eng zugeht, legt sich bei einem Aufprall ein Fussgängerairbag über Blech und Frontscheibe.

Weil der E-Pace auch Kunden mit eher kompakteren Geldbeuteln anlocken soll, müssen dem Basiscockpit analoge Uhren genügen; gegen Aufpreis lässt es sich mit virtuellen Instrumenten und einem Head-up-Display mit vollfarbiger Darstellung und verdoppelter Anzeigefläche aufrüsten. Über dem Innenspiegel beobachtet eine Stereokamera das Umfeld und liefert die Daten für Notbrems- und Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung und den adaptiven Tempomaten. Mit Lenkung und Radarsensoren im Heckbereich schaut sie auch für den Totwinkel-Assistenten auf benachbarte Fahrspuren.

Der fast 4,40 Meter lange Fünfplätzer mit 2,68 Meter Radstand – exakt gleich viel wie der Segmentsbestseller VW Tiguan – bietet zwischen 557 und 1234 Liter Stauraum und die volle Smartphone-Einbindung. Bis zu acht Endgeräte beliefert der Wi-Fi-Hotspot mit Daten, geladen wird über fünf USB-Buchsen, und per App lässt sich die Klimaanlage fernbedienen oder lassen sich Tankfüllung und Türen und Fenster prüfen.

Antriebsseitig bescheidet sich der E-Pace mit vier Zylindern. Die letzten Ford-Motoren hat Jaguar inzwischen ausgemustert und durch eigene ersetzt – alle mit zwei Liter Hubraum, Turboaufladung und gleichen Abmessungen. Basismotorisierung wird ein 150-PS-Turbodiesel mit Frontantrieb und einem CO2 von 124 Gramm je Kilometer; darüber rangieren allradgetriebene Versionen mit 180 oder 240 PS. Auch die Benziner mit 250 oder 300 PS verfügen serienmässig über den 4?4 mit eher Hinterrad-betonter Auslegung. Nur die beiden kleinsten Diesel werden mit manuellem Getriebe geliefert – der Rest schaltet standardmässig automatisch durch neun Gänge. Optional verfügt der E-Pace über variable Dämpfer und vier Fahrprogramme zwischen Spar- und Schlechtwettermodus. Mit dem Gelände hat er es nicht so – aber diesen Bereich deckt ja auch Land Rover ab.

Ausgeliefert wird der erste im österreichischen Graz produzierte Jaguar erst ab Anfang 2018; die Preise beginnen bei 39 500 Franken und reichen hinauf bis zum topausgestatteten 300-PS-Benziner für 70 300 Franken – natürlich ohne Optionen. Unter diesen findet sich auch die Möglichkeit, Rundenzeiten, Telemetriedaten zu Brems- und Beschleunigungsphasen und die herrschenden G-Kräfte aufzuzeichnen. Bei Terry Grant zeigte der Monitor eine 5,5.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.07.2017, 22:17 Uhr

Artikel zum Thema

Im zweiten Anlauf geglückt

Mit der Street 750 wollte Harley-Davidson vor drei Jahren die Einsteiger locken. Das glückte in Europa nicht. Mit der neuen Street Rod stehen die Chancen besser. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

TA Marktplatz

Kommentare

Blogs

Mamablog 20 Spielideen für den Strand

Blog Mag Essen als Kult

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Jetzt neu ab 18.- CHF pro Monat.

Die Welt in Bildern

Erinnert an einen Pizzaiolo: Auf riesigen Tellern lässt diese Frau in der chinesischen Provinz Jiangxi Chilischoten, Spargelbohnen und Chrysanthemum-Blüten an der Sonne trocknen. (21. Juli 2017)
Mehr...