Auto

Der Aufsteiger

Von Dieter Liechti, Mallorca. Aktualisiert am 08.06.2012

Die dritte Generation des Audi A3 rollt im Herbst auch bei uns auf die Strasse – mit viel Technik aus der Oberklasse.

1/4 Evolution statt Revolution:
Bild: UnitedPictures.com

   

Audi A3

Kategorie: 3-türiger Kompaktwagen?mit 5 Plätzen.?
Masse: Länge 4237 mm, Breite 1777 mm, Höhe 1421 mm, Radstand 2601 mm.
Kofferraum: 365 Liter.
Motor: Zwei 4-Zylinder-Benziner mit 122 oder 180 PS, ein 4-Zylinder-Diesel mit 150 PS.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h von 7,2?bis 9,3 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 203 bis 232 km/h.?
Verbrauch: 4,1 (Diesel) oder 5,2 bis 5,6 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangaben).
CO2-Ausstoss: 106 Gramm (Diesel) und 120 bis 130 Gramm (Benziner) pro Kilometer.
Preis: Benziner ab 31 400 Franken (1.4 TFSI), Diesel ab 35 750 Franken (2.0 TDI).?
Infos: www.audi.ch

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«Wo steht denn der neue A3», fragte mich im Frühjahr ein Kollege, als er am Genfer Autosalon unterwegs war und den AudiStand besuchte. Er stand nur knapp zwei Meter daneben . . .

Solche Anekdoten hört man bei Audi nicht gerne. Oder tut sie als Witz ab. Denn was für die Fachleute in Sachen Design ein Riesensprung sein mag, ist für Laien oder durchschnittliche Autofans auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Sicher, der neue Audi A3 ist flacher, hat tailliertere Flanken, schärfere Kanten und dank des längeren Radstands sind die Überhänge vorne und hinten kürzer. Das macht den Neuling dynamischer. Aber eine Revolution ist das nicht. Doch dazu hat Audi auch keinen Grund: Selbst in den Monaten vor dem Generationenwechsel liegt der A3 in der Schweiz noch immer vor der direkten Konkurrenz.

Innen setzt Audi Massstäbe

Damit das auch in Anbetracht der revolutionär gezeichneten neuen Konkurrenz aus Stuttgart – der A-Klasse von Mercedes – so bleibt, erinnert man sich bei Audi an den altbekannten Leitspruch «Vorsprung durch Technik», und gibt die nötige Prise Luxus dazu. So macht der Wagen vor allem innen einen riesigen Sprung nach vorn: Wären die Platzverhältnisse noch ein bisschen grosszügiger und der Weg auf den Rücksitz nicht ganz so beschwerlich – man könnte sich angesichts des edlen Ambientes und der liebevollen Details fast in einem A6 wähnen. Vornehme Materialien, eine hochwertige Verarbeitung und ebenso klares wie elegantes Design machen den A3 zumindest in dieser Disziplin zum Massstab seiner Klasse. War der A3 schon immer etwas vornehmer als sein Wolfsburger Vetter Golf, schliesst er jetzt ganz zur Oberklasse auf.

«Kompakt ist an diesem Auto nur noch das Format», hiess es denn auch bei der Fahrpräsentation auf Mallorca. Denn wer bei der Bestellung genügend Kreuzchen macht und den Taschenrechner nicht dabei hat, der bekommt im A3 nun neben Standards wie den sieben Airbags, der Klimaanlage und dem Radio fast alle Extras, die auch für die grösseren Modelle angeboten werden. Das gilt für Assistenzsysteme wie den radargestützten Abstandsregler, die Verkehrszeichenerkennung, den Einparkassistenten, das Soundsystem von Bang & Olufsen, den ausfahrbaren Flachbildschirm oder das Bediensystem auf der Mittelkonsole.

Kein «Schnäppchen»

Hier ist der A3 dem A8 sogar voraus. Denn nicht nur die Tasten des MMI touch sind intelligenter und intuitiver angeordnet, sondern auch der Controller selbst kann mehr. Zum ersten Mal haben die Bayern im grossen Drehknopf ein Sensorfeld integriert, das die Handschrift des Fahrers lesen kann. Das leidige Buchstabieren der Navigationsziele gehört damit der Vergangenheit an – zumindest nach einer kurzen Eingewöhnungsphase. So lange die Liste der Extras, so gross ist am Ende allerdings auch die Summe, die unter dem Strich steht: Zwar gibts den A3 ab 31 400 Franken. Doch richtig nett ausgestattet und entsprechend stark motorisiert kostet er mehr als ein nackter A6.

Während innen alles so aussieht und sich so anfühlt wie ein echter Audi, ist der A3 unter dem Blech eigentlich ein VW Golf. Allerdings nimmt er als erstes Auto aus dem sogenannten Modularen Querbaukasten bereits den Generationswechsel des Wolfsburger Bestsellers vorweg. Das heisst: Es gibt ein neues Fahrwerk mit Finessen wie verstellbaren Dämpfern und der elektronischen Differenzialsperre und einen kompletten Satz neuer Motoren. Starten wird der A3 mit zwei Benzinern und einem Diesel – alle 4-Zylinder mit Turbo und Direkteinspritzung.

Der Diesel überzeugt

Los geht es mit einem 122 PS starken 1,4-Liter. Darüber rangiert ein 2-Liter-TDI mit 150 PS und einem Normverbrauch von 4,1 Litern. Und an der Spitze steht ein 1,8 Liter grosser TFSI mit 180 PS, der mit 232 km/h auch beim Tempo die Obergrenze markiert. Viel wichtiger sind für Schweizer Autofahrer allerdings die Verbrauchsdaten. Und da liegt, wie erwartet, die 150-PS-Dieselversion klar vorne. 4,1 Liter auf 100 Kilometer sind ein toller (theoretischer) Wert, zumal der leise Selbstzünder bei den Probefahrten auf «Malle» den harmonischsten Eindruck hinterliess.

Dass der A3 im Schnitt 12 Prozent weniger verbraucht als früher, liegt aber nicht allein an den neuen Aggregaten, sondern an einer strikten Diät. Dank der Verwendung von Alublechen wiegt der Neuling mit 1175 Kilo etwa so viel wie bei der Premiere der Baureihe im Jahr 1996. Allerdings werden das nicht alle Käufer bemerken – denn wer bei den Assistenzsystemen zuschlägt, ordert bis zu 140 Kilogramm Mehrgewicht. Apropos ordern: Ab November gibts den A3 auch als quattro, und weitere Karosserievarianten stehen in den Startlöchern.

Dieter Liechti fuhr den neuen A3 am?6. Juni auf Einladung von Audi-Importeur Amag auf der grössten Balearensinsel. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2012, 14:54 Uhr

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