Die Last mit der Ladung

Kompaktes Auto, noch erträglicher Preis – mit dem 225xe Active Tourer bringt BMW den Plug­in­Hybridantrieb ab März ins Segment der Familienvans.

Unter Strom: Voll geladen schafft der BMW 225xe maximal 41 Kilometer rein elektrisch. Fotos: BMW

Unter Strom: Voll geladen schafft der BMW 225xe maximal 41 Kilometer rein elektrisch. Fotos: BMW

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In den kommenden zehn Jahren wird sich das Auto mehr verändern als in den letzten fünfzig. Sagt Robert Meyer. Damit meint er als oberster Elektrifizierungsstratege bei BMW natürlich das grosse Ganze in der Automobilwelt: elektrifizierte Antriebe zum Beispiel. Ob in reinen Elektromodellen oder in Plug-in- Hybriden, die man an der Steckdose nachladen kann. Und weil diese Antriebe so wenig Raum einnehmen – und das an völlig neuen Stellen im Auto und eben nicht mehr im Motorraum –, sieht er schon ganz neue Fahrzeugkonzepte heraufziehen. Ein wenig weist der neue Plug-in-Hybrid 225xe in diese Richtung. Denn: Lange Motorhaube, kurzes Heck, Hinterradantrieb – so muss ein BMW längst nicht mehr aussehen. Mit dem 2er Active Tourer lancierte die Marke im letzten Jahr ihren ersten Monospace mit kurzer Haube, ausladendem Gepäckraum und Frontantrieb.

Die Begeisterung der Hinterradfraktion hielt sich in Grenzen, aber offenbar haben die Generation 60 Plus und sicher auch ein paar Familien nur darauf gewartet, endlich einen BMW-Van kaufen zu können. Weltweit wurden im vergangenen Jahr 84'000 Stück zugelassen; in der Schweiz waren es 3871. In dieser Zahl sind zwar auch nicht wenige 2er-Coupés und Cabrios enthalten, aber dennoch: Dank des Tourers hat sich der 2er zum meistverkauften BMW hierzulande gemausert. Und jetzt wird er elektrifiziert.

«Die Kosten im Zaum halten»

«Wir setzen nicht das Mögliche, sondern das Sinnvolle um», sagt Meyer zum Entwicklungsprozess. Heisst: Im 225xe Active Tourer wird keine Monsterbatterie mit hohem Gewicht zu ebensolchen Kosten verbaut, sondern ein Lithium-Ionen- Akku unter der Rücksitzbank mit 7,7 Kilowattstunden Kapazität. Im reinen Elektrobetrieb langt eine Ladung für maximal 41 Kilometer Reichweite. In der Praxis dürften es weniger werden, aber damit noch immer genug für die meisten: «Ein Grossteil unserer Kunden fährt im Alltagsbetrieb um die 30 Kilometer täglich», sagt Meyer.

Auf dieses angemessene Mass wird das Auto konfiguriert, nicht auf möglichst hohe Reichweite: «Wir müssen die Kosten im Zaum halten – wir wollen den Hybridaufschlag so gering wie möglich kalkulieren», sagt Meyer. Verglichen mit demnur 7 PS stärkeren reinen Benzinermodell 225i kostet der 225xe nur 200 Franken mehr. Im Prinzip wurde der Antrieb des Sportwagens i8 im Fünfplätzer verbaut – im Grand Tourer mit 7 Sitzen konnte ihn Chefentwickler Patrick Müller nicht unterbringen. Allerdings mit auf 136 PS gedrosselter Leistung beim Benziner und einem schwächeren Elektromotor. Und um 180 Grad gedreht: Der 1,5-Liter-Turbo treibt die Vorderachse an, die 88 PS starke E-Maschine die hintere. Das gleiche Antriebssystem verwendet der PSA-Konzern bei Peugeot 3008 und 508 und bei der Hybridversion des DS5. Der grosse Vorteil: der wie nebenbei mitgelieferte Allradantrieb. Ohne schwere Antriebswellen und zusätzliches Differenzial.

Mit Leichtbau hat das alles allerdings weniger zu tun. Immerhin 265 Kilogramm wiegt der 225xe mehr gegenüber dem mit dem gleichen Benziner ausgerüsteten 218i. Man hört und spürt den Elektro-Speck vor allem auf der Autobahn, wenn der Benziner allermeistens alleine für den Vortrieb zuständig ist. Und auch wenn die Variabilität der hinteren Sitzbank erhalten bleibt: Dem Laderaum fehlen bei aufgestellten Rücksitzlehnen 68, bei umgelegten 160 Liter gegenüber dem konventionellen 2er.

Effizientes Auto-Programm

Natürlich kann man zwischen drei Abstimmungsmodi umschalten – dem reinen Elektrobetrieb, der aktiv bleibt, bis die Batterie komplett leer gesaugt ist, dem Save-Modus, der im Minimum die Hälfte der Batterieladung für die nächste Innenstadt aufspart, und dem Auto-Programm, das Benziner und E-Motor automatisch koordiniert. «Letzteres ist auf jeden Fall das effizienteste», sagt Patrick Müller und rät dazu, den Wahlschalter einfach in dieser Stellung zu belassen. Zumal der Steueralgorithmus auch Höhenprofil und Streckenverlauf vomNavi bezieht und bei der Abstimmung der Motoren einrechnet. Auf der Testrunde durch München bei Biergartenwetter spielt der Allradantrieb keine Rolle, dafür der elektrische Antritt des 2ers an der Ampel. Rekuperiert wird nicht viel: Nach 31 Kilometern ist der Akku leer. Wäre man jetzt schon am Ziel, könnte man nachladen – an der Steckdose in 3 Stunden 15 Minuten, an der Wallbox eine Stunde schneller. Auf längeren Strecken übernimmt nun vor allem der Benziner, aber im niedrigen Drehzahlbereich, wenn es ihm an Drehmoment fehlt, hilft immer auch der Elektromotor.

Mit dem 225xe kommt am 5. März auch der elektrifizierte 3er mit 252 PS und Hinterradantrieb zu den Händlern. Im Sommer folgt das Flaggschiff, ein 7er mit Plug-in-Hybrid. Trotz des elektrifizierten Antriebs sehen alle drei ziemlich nach einem normalen Auto aus. Aber BMW hat ja auch noch zehn Jahre Zeit.

Andreas Faust fuhr den neuen BMW 225xe am 26. Januar auf Einladung von BMW in München. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.02.2016, 16:40 Uhr)

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BMW225xe

Plug-in-Hybrid mit 224 PS

Kategorie Kompaktvan mit 5 Türen
Masse Länge 4342 mm, Breite 1800 mm, Höhe 1586 mm,Radstand 2670 mm
Kofferraum 400 bis 1350 Liter
Motor 1,5-Liter-Benziner mit 136 PS (100 kW), Elektromotor 88 (65 kW), Systemleistung 224 PS (165 kW)
Fahrleistungen 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 202 km/h, rein elektrisch 125km/h
Verbrauch 2,0 Liter auf 100 Kilometer. CO2-Ausstoss: 46 Gramm pro Kilometer
Markteinführung März 2016 Preis ab 43600 Franken
Infos: www.bmw.ch

Das grosse Display im 225xe.

eDrive mit 224 PS.

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