«Ich wüsste nicht, welchen anderen Wagen ich fahren sollte»

Von Andreas Frei. Aktualisiert am 26.01.2010 4 Kommentare

Werner Eggert aus Uster fährt seit 36 Jahren NSU Ro80 – heute ist er ein ausgewiesener Experte für das Auto.

Von wegen Oldtimer: NSU Ro80.

Von wegen Oldtimer: NSU Ro80.

Sogar Automechaniker fragen ihn um Rat: Werner Eggert in seiner Hobbygarage.

Sogar Automechaniker fragen ihn um Rat: Werner Eggert in seiner Hobbygarage. (Bild: Christoph Kaminski)

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Ein Auto wie von einer anderen Welt

Zehn Jahre lang wurde im deutschen Neckarsulm der NSU Ro80 gebaut.

Als der Ro80 im Jahre 1967 vorgestellt wurde, rieben sich Autoexperten buchstäblich die Augen. Irgendwie schien der Wagen mit seiner keilförmigen Karosserie und dem revolutionären Wankelmotor nicht von dieser Welt zu sein. Kein Wunder wurde er zum «Auto des Jahres» sowie zum «Auto mit dem grössten technischen Fortschritt» gewählt. Die äussere Erscheinung des Wagens prägte das Automobildesign weltweit während vieler Jahre.

Auch beim Publikum fand «der grosse NSU» Anklang – allerdings nicht lange. Schuld war der Motor, der sich wegen der verwendeten Materialien und der Behandlung durch die in der neuen Technik unerfahrenen Automobilisten als wenig haltbar erwies. Der Ruf der Limousine, die in der oberen Mittelklasse angesiedelt war, litt darunter erheblich. Bis heute müssen sich Ro80-Fahrer die boshafte Frage «Den wie vielten Motor fahren Sie gerade?» anhören. Und das, obwohl technische Fortschritte die Qualität des Motors mit der Zeit erheblich verbesserten. Fahrer und Experten preisen seine Laufruhe bis heute. Kein Wunder, schliesslich hat der Wankelmotor, abgesehen vom Treibstoff, nichts mit einem herkömmlichen Benzinmotor gemein. Im sogenannten Hubkolbenmotor bewegen sich die Kolben auf und ab. Dadurch entstehen die bekannten Vibrationen. Im Wankelmotor wird der Kolben hingegen in eine Drehbewegung versetzt. Vibrationen fehlen darum fast vollständig. Trotz dieses Vorteils wird die Technologie heute nur noch in einzelnen Modellen des Herstellers Mazda verwendet.

Auch punkto Ausstattung war der Ro80 seiner Zeit weit voraus. NSU lockte die Käuferschaft mit Selektivautomatik und elektropneumatischer Kupplung, Zweikreisscheibenbremsen, Einzelradaufhängung, Liegesitzen, erweiterbarem Kofferraum, Halogenlicht und Seitenaufprallschutz. Billig war das nicht: Im Jahr 1967 kostete ein Neuwagen stolze 18'600 Franken.

Den Ro80 gibt es seit 1977 nicht mehr, rund 37'400 Wagen wurden in zehn Jahren gebaut. Der Hersteller NSU fusionierte schon 1969 mit Audi. (anf)

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«Früher war ich ein ganz normaler Autofahrer, war mit DKW und später mit Audi unterwegs –, und dann kam er ...» In Werner Eggerts Stimme schwingt noch heute Bewunderung, wenn er von jenem Tag vor fast 40 Jahren erzählt, der sein automobilistisches Leben für immer verändern sollte. Damals besuchte er seinen Schwager im württembergischen Neckarsulm, der als Kundendienstinspektor beim Autobauer NSU arbeitete. «Wir fuhren das damalige Flaggschiff des Herstellers, den Ro80. In den Weinbergen um Neckarsulm durfte ich selber ans Steuer. Es war unglaublich», erzählt der heute bald 80-jährige Ustermer. In den Kurven sei ihm klar geworden, wozu die Konstrukteure im Innenraum verschiedene Haltegriffe installiert hatten. «Mit dem Wagen konnten dank des hervorragenden Fahrwerks Kurven in einer Weise gefahren werden, die in der damaligen Zeit unfassbar war.» Als er ausstieg, sei ihm klar gewesen: «So einen muss ich auch haben!»

Kein teurer Neuwagen

Finanziell sei die Anschaffung eines Neuwagens allerdings nicht infrage gekommen. Schliesslich war der Ro80 mit seinem revolutionären Wankelmotor klassenmässig unweit von Mercedes, BMW oder Jaguar angesiedelt. «Ich suchte etwas herum und hatte schliesslich Erfolg: Im Frühling 1974 fand ich einen weissen Ro80 Baujahr 69 mit defektem Motor.» Eggert kaufte den Wagen und brachte ihn - vom Schwager mit dem nötigen Knowhow ausstaffiert – wieder zum Laufen. «Von jenem Tag an fuhr ich nur noch Ro80, und das hat sich bis heute nicht geändert.» Sehr zur Freude des gelernten Mechanikers konnte sich auch seine technisch interessierte Ehefrau für den neuen Wagen erwärmen. «Als meine Assistentin macht sie überall mit und legt auch selber gern Hand an», sagt Eggert, der 1956 aus Deutschland in die Schweiz gekommen war. Es verwundert nicht, dass Ehefrau Lilo ihren eigenen Ro80 erhielt - sobald dies finanziell drinlag, wie der Gatte betont. Auch die Kinder des Paares wurden mit einer der schmucken Limousinen ausstaffiert.

Anrufe von Rat suchenden Ro80-Besitzern gebe es öfter. Sogar Automechaniker, die sich mit der Wankeltechnik nicht so gut auskennen, haben bei den Eggerts schon um Hilfe nachgesucht. «Ich will den Ro80-Besitzern helfen, ihr Fahrzeug besser zu verstehen. Ich gebe ihnen Tipps und Anleitungen, die es ihnen erlauben, die nötigen Arbeiten auszuführen.» Wenn es nötig sei, arbeite er aber auch mit, sagt er, der seine zwei Ro in seiner Hobbygarage in Schuss hält. Unweit davon unterhält Werner Eggert auch ein grosses Ersatzteillager.

«Ich bin Perfektionist, wenn ich etwas anfange, muss es nachher perfekt funktionieren, sonst bin ich unzufrieden. Wenn die Ro80-Fahrer später zurückkommen und mir sagen, ihr Auto habe noch nie so gut funktioniert, bin ich glücklich.» Viele der Fans seien im schweizerischen Ro80-Klub organisiert, der 1980 auf seine Initiative in Uster gegründet wurde, berichtet er.

Der Ro80 wird cool

Obwohl Eggert überzeugt ist, dass die Konstrukteure mit dem Ro80 einen ausgezeichneten Wagen schufen, sieht er noch Verbesserungspotenzial. «In über 30 Jahren fällt einem die eine oder andere Sache auf, die nicht ganz perfekt gelöst wurde.» In all den Jahren fand der Ustermer Tüftler Mittelchen gegen so manche Macke des Autos. Auch wenn er sein Wissen gerne mit anderen teilt, aufgeschrieben hat er die vielen Tipps und Tricks noch nicht. Vielleicht mache das ja dann doch noch einmal jemand, hofft der Senior, damit Eggerts Hausmittelchen auch kommenden Ro-Fan-Generationen nützen können.

Dafür, dass das Auto nicht ganz in Vergessenheit gerät, sorgt Eggert gleich selber, indem er oft damit unterwegs ist. So beispielsweise bei der alljährlichen Fahrt in die Winterferien im Engadin – da reist der Ustermer selbstverständlich per NSU an. Bei solchen Gelegenheiten werde er oft auf den Wagen angesprochen – obwohl er des Designs wegen kaum aus der breiten Masse heutiger Fahrzeuge hervorsticht. «Der Ro ist wieder in, gerade junge Leute interessieren sich für ihn. Das freut mich natürlich.» Heute seien im Oberland und der Umgebung mindestens 20 Ro80 vorhanden, Tendenz steigend. Es tauche auch immer wieder mal ein Occasionsfahrzeug auf. Laut Eggert muss man für einen solchen Klassiker je nach Zustand mit Preisen zwischen 1000 und 15'000 Franken rechnen.

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Erstellt: 26.01.2010, 11:59 Uhr

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4 Kommentare

Rene Wetter

26.01.2010, 12:08 Uhr
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Laut Werksangabe braucht der RO 80 11.2l/100km aber in Realität eher über 15l. Zumindest begnügt er sich mit Normalbenzin. Ein Kathalisator gibts nicht. Da es wohl nicht mehr viele RO gibt, dürfte das für die CO2 Bilanz nicht entscheiden sein. Ach ja, die meisten fahren nicht mit dem ersten Motor ;) Antworten


Mario Monaro

26.01.2010, 12:46 Uhr
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Ich hatte selber mal für ein paar Wochen einen Ro80 und obwohl der eher mit Öl als mit Benzin fuhr und mich mitten auf dem Bellevue und auch an anderen unpassenden Orten im Stich gelassen hat, war ich doch beeindruckt. Laufruhe, Beschleunigung und die Ruhe im Innenraum waren beeindruckend. Da mussten schon viel grössere Jaguars oder Mercedes ran um mithalten zu können. Antworten



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