Nissan-Stromer im Alltagstest

Mit dem Leaf bringt Nissan im November ein reines Elektrofahrzeug in die Schweiz. Wir sind den Stromer im Grossraum Zürich gefahren.

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Elektrofahrzeuge sind im Kommen. Auch der zweitgrösste japanische Autohersteller Nissan wagt sich auf das (Elektro-)Terrain und bringt mit dem Leaf das laut Werbung «erste Grossserien-Elektroauto für die Familie» auf den Markt. Der von uns schon im vergangenen Oktober vorgestellte Fünfplätzer vermag optisch und technisch zu überzeugen. Bereits kurz nach seiner ersten Fahrvorstellung wurde das emissionsfreie Elektroauto von europäischen Fachjournalisten zum Auto des Jahres 2011 gewählt. Wenig später erhielt der Neuling auch noch den Titel «World Car of the Year» verliehen.

Viele Vorschusslorbeeren sind dem kompakten Stromer also sicher. Doch hält er den hohen Erwartungen auch im Alltagseinsatz stand? Und wie gross ist die Reichweite seiner 48 wartungsfreien Lithium-Ionen-Batterien wirklich?

Wir haben uns dieser Fragen anlässlich einer Probefahrt zwischen Baden und Zürich angenommen. Rund 90 Kilometer reine Fahrstrecke im spätnachmittäglichen Berufsverkehr. Dazwischen, als kleine Erschwernis, verschiedene Abstecher über Hügel mit insgesamt rund 800 Meter Höhendifferenz und zu guter Letzt ein rund 10 Kilometer langer Autobahnabschnitt. Eine Strecke also, wie sie viele Menschen bei der täglichen Fahrt zur Arbeit zurücklegen.

Nissan garantiert 175 Kilometer

Beim Start in Baden zeigt die Reichweitenanzeige im digitalen Cockpit 115 Kilometer an. Obwohl die Batterie vollgeladen ist und laut Nissan eine maximale Reichweite von 175 Kilometern garantieren sollte, fehlen uns laut der Anzeige bereits 60 Kilometer. Erklärt wird uns dieses vermeintliche Manko damit, dass der Fahrer vor uns nicht sehr ökonomisch unterwegs war und der Bordcomputer die neuen Berechnungen auf dessen gespeicherten Fahrwerten herstellt.

Das soll uns nicht beunruhigen, denn wir fahren nicht im normalen Drive-Modus los, sondern tippen mit dem Joystick-Schalthebel gleich den Eco-Modus an. Damit garantiert uns das ausgeklügelte Einstufengetriebe zusammen mit dem immerhin 109 PS starken Elektromotor eine maximale Rekuperation der Bewegungsenergie. «Mit sparsamer Fahrweise sollten sie ihren auf der Digitalanzeige stets aktualisierten Reichweitenradius deutlich vergrössern können», verspricht uns Florian Wunsch, Brandmanager Electric Vehicles von Nissan. «Ich bin mit meinem Leaf auch schon mal 200 Kilometer weit gefahren, ohne an die Ladestation zu müssen.»

Leaf mag keine hohen Tempi

Hätten wir wegen der Sommerhitze nicht die Klimaanlage auf vollen Touren laufen, würde sich die Reichweite gleich um 6 Kilometer erhöhen, teilt uns das Display freundlich mit. Darüber zerbrechen wir uns jetzt nicht den Kopf, denn trotz diverser Steigungen steht nach rund einer halben Stunde lautloser und emissionsfreier Fahrt eine Reichweite von 125 Kilometern auf der Anzeige.

Freude herrscht, bis wir uns mit dem Leaf auf die kurze Autobahnstrecke wagen. Bei der Auffahrt lesen wir eine Reichweite von 110 Kilometern ab. 10 Kilometer später steht uns bei der Ausfahrt laut Anzeige nur noch Strom für 43 Kilometer zur Verfügung. Hohe Tempi von 120 Stundenkilometern lassen den Stromvorrat rasant schmelzen. Aber wie wir es uns im Leaf bereits gewohnt sind, erholt sich dieser Wert im Stopp-and-go-Verkehr dank der Rekuperation rasch wieder. So rollen wir mit gut 40 Kilometer Reserve in Zürich an die Ladestation, wo unser Auto in knapp 30 Minuten am Schnelllader rund 80 Prozent seiner Batterien wieder auflädt. Das reicht später locker, um den Rückweg nach Baden stressfrei unter die Räder zu nehmen.

3.50 Franken pro 100 Kilometer

Fazit unserer kurzen Probefahrt im Grossraum Zürich: Im Kurzstreckenverkehr bewährt sich der Elektroantrieb. Stromkosten von durchschnittlich 3.50 Franken pro 100 Kilometer schonen das Portemonnaie im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren spürbar – allerdings nur, wenn man den hohen Kaufpreis von fast 50 000 Franken nicht in die Berechnungen einbezieht.

An den ständigen Blick auf die Reichweitenanzeige gewöhnt man sich rasch, und der sanfte Gasfuss wird im Leaf bald zur sportlichen Herausforderung. Der grosse Energiebedarf bei Autobahntempo und in Steigungen könnte aber für den einen oder anderen Leaf-Interessenten ein Problem darstellen. Spätestens dann, wenn am Zielort keine Ladestation zur Verfügung steht. Denn an der normalen Haushaltsteckdose mit 220 Volt dauert ein kompletter Ladevorgang bis zu acht Stunden und ist nur dann wirklich gefahrlos, wenn eine 16-Ampere-Sicherung existiert. Um hier allfälligen Schwierigkeiten vorzubeugen, bietet Nissan den Leaf-Kunden in Kooperation mit der Mobility House AG eine Hausladestation zum Kaufpreis von 1499 Franken an.

30 Autos sind verkauft

«Der problemlose Zugang zur Ladeinfrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Lancierung von Elektroautos», ist Hans-Jörg Hänggi überzeugt. Als Managing Director von Nissan Switzerland glaubt er in der Schweiz an die Zukunft der Elektromobilität und an den Erfolg des Leaf. «30 Schweizer Kunden haben bereits online einen reserviert und angezahlt, ohne dass sie je darin gesessen sind», sagt Hänggi stolz. «Und weitere 180 Personen haben ihr festes Interesse am Leaf bekundigt.»

Ab November können sich alle Interessenten bei fünf auf Elektrofahrzeuge spezialisierten Nissan-Händlern in der Schweiz eine eigene Meinung bilden – dann steht der erste Nissan-Stromer für Probefahrten bereit. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.08.2011, 11:02 Uhr)

Stichworte

Nissan Leaf

Kategorie: 4-türige Schrägheck-Limousine mit Elektroantrieb.
Masse: Länge 4,45 Meter, Breite 1,77 Meter, Höhe 1,55 Meter, Radstand 2,70 Meter.
Kofferraum: 330 bis 680 Liter.
Motor:Wechselstrom-Synchronmotor mit 109 PS (80 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 11,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 144 km/h.
Reichweite:bis zu 175 Kilometer (im neuen europäischen Fahrzyklus).
Verbrauch:0 Liter.
CO2-Ausstoss: 0 Gramm.
Auslieferung: ab November 2011.
Preis: 49 950 Franken.
Infos: Link

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