Warum bei BMW die 6. Generation des 5ers ein kompakter 7er ist
Von Thomas Geiger, Dieter Liechti. Aktualisiert am 28.11.2009
Hybrid-Varianten, 12-Zylinder, M-Modelle und der ungewöhnliche Gran Tourismo – in den vergangenen Monaten hat BMW vor allem die Nischen bedient. Doch jetzt wird es wieder Ernst für die Bayern: Mit einer kleinen Vorpremiere in München hat BMW diese Woche das Publikum auf die nächste Generation des 5ers eingestimmt. Der neue Bayer für die Businessklasse, der für Entwicklungsvorstand Klaus Dräger «der Kern im Modellprogramm unserer Marke» ist, kommt im März in den Handel und fährt vor allem gegen die neue Mercedes E-Klasse und den Audi A6.
Wie immer bei solchen Gelegenheiten steigen natürlich auch die Preise: «Die genauen Preise stehen allerdings noch nicht fest», sagt Beda Durrer, Leiter Corporate Communications bei der BMW (Schweiz) AG. «Aber wir rechnen trotz besserer Ausstattung mit einer Erhöhung der Preise um 3 bis maximal 5 Prozent.»
5er mit den Genen des 7ers
Technisch wie optisch ist der 5er ein direkter Ableger des neuen 7ers und ein enger Verwandter des 5er GT. Etwas flacher und deutlich dynamischer, aber eher evolutionär als revolutionär gezeichnet, soll er die Kundschaft nach den Stilbrüchen von Chris Bangle endgültig mit der Marke versöhnen und wieder ein beständiges Bild abgeben. Gleichzeitig allerdings will der 5er seine Rolle als «Athlet im Anzug» verteidigen und wirkt deshalb schon im Stand sportlicher als die Konkurrenz: Die Motorhaube erinnert mit ihrer angedeuteten Pfeilform und den tiefen Falzen
an die Vergangenheit in der Formel 1, und markante Lichtkanten in der schlichten Flanke lassen die Limousine muskulös und kräftig wirken.
Zwar fällt der 5er trotz der gemeinsamen Architektur deutlich kleiner aus als das Flaggschiff. Doch gegenüber dem Vorgänger ist er spürbar gewachsen. 5 Zentimeter mehr Länge (4,90 Meter) und 9 Zentimeter mehr Radstand (2,97 Meter) als früher rücken den Bayern nahe an die E-Klasse und machen vor allem den Fondpassagieren den Umstieg leichter. Waren die Rücksitze beim Vorgänger für Erwachsene eher eine Strafbank, lässt es sich dort jetzt locker reisen – nur das Kofferraum-volumen bleibt bei 520 Litern.
Neben der eingedampften Plattform übernimmt der Fünfer vom grossen Bruder auch viele Komponenten des Fahrwerks – selbst die Hinterachslenkung ist auf Wunsch verfügbar. Zusammen mit den variablen Systemen für Federung und Lenkung im Adaptive-Drive-Paket «fährt sich der 5er so leichtfüssig und handlich wie ein 3er», verspricht Dräger.
Viel Hightech an Bord
«Bei Ausstattung und Komfort dagegen ist der 5er Oberklasse», schiebt er schnell hinterher. Denn die Auswahl der Ausstattungsoptionen ist wie bei BMW üblich riesig und die Preisliste lang. Weil der 5er ein klassisches Auto für Vielfahrer ist, wird speziell bei den Assistenzsystemen aufgerüstet: Spurhalte- und Spurwechselhilfe, der elektronische Blick in den toten Winkel, ein Nachtsichtsystem mit Fussgängererkennung und eine Kamera, die Verkehrsschilder lesen kann, sind deshalb zumindest gegen Aufpreis verfügbar. Und zum ersten Mal bei BMW gibt es im 5er einen Parkassistenten, der den Wagen wie von Geisterhand in eine ausreichend grosse Lücke bugsiert, sowie eine Video-Darstellung, die den Wagen beim Rangieren aus der Vogelperspektive zeigt.
Und wo Volvo oder Mercedes vor einem drohenden Auffahrunfall voll in die Eisen steigen, macht der BMW jetzt bei geringem Abstand zumindest mit kleinen Bremsrucken auf die drohende Gefahr aufmerksam.
Unter der Haube hält – ebenfalls bereits bekannt aus 7er und 5er GT – eine neue Motorengeneration Einzug, die zum Start nur 6- und 8-Zylinder bereithält. Ausserdem gibt es auf Wunsch auch die 8-Gang-Automatik aus dem 7er – allerdings überall diesseits des V8-Modells ebenfalls nur gegen Aufpreis. Einstiegsbenziner ist der Dreiliter im 523i, der auf 204 PS kommt und trotz 100 Kilogramm Mehrgewicht mit 7,6 Litern zufrieden ist. Darüber rangieren der 258 PS starke 528i und der 535i mit Doppelturbo und 306 PS, der den V8 im 540i ersetzt und 1,3 Liter weniger verbraucht. Obwohl 400 Nm und ein Sprintwert von 6,0 Sekunden kaum mehr Wünsche offen lassen, gibt es natürlich trotzdem einen 8-Zylinder, der im 550i mit 407 PS, 600 Nm die Spitze markiert – zumindest bis in spätestens zwei Jahren ein neuer M5 an den Start geht.
Für Dieselfreunde gibt es zunächst zwei 6-Zylinder mit jeweils drei Litern Hubraum: Den 525d mit 204 PS, der im Mittel 6,2 Liter verbraucht oder den 530d, der mit 245 PS, 250 km/h und 6,3 Litern in der Liste steht.
Der Touring folgt im Herbst
Bei aller Lust an der Leistung und den rund 100 Kilo Mehrgewicht hält BMW allerdings am strengen Sparkurs fest und greift tief in den Efficient-Dynamics-Baukasten: Bedarfsgerecht gesteuerte Nebenaggregate, verstellbare Klappen im Kühler und die Rückgewinnung der Bremsenergie sind deshalb in allen Varianten ebenso Standard. Eine Start-Stopp-Funktion gibt es allerdings zunächst erst mit dem Vierzylinder-Diesel im 520d, der bei 184 PS auf einen Verbrauch von 5,0 Litern kommt. Ausserdem wird bereits ein Super-Spar-Modell analog zum 320d Efficient Dynamics Edition kolportiert, der mit 4 Litern zufrieden sein soll. In dieser Klasse wäre das einsame Spitze.
Starten wird der Generationswechsel, den der GT bereits ein wenig vorweggenommen hat, natürlich mit der Limousine. Doch weil der Kombi mittlerweile fast so wichtig und begehrt ist, lässt BMW die Touring-Fans nicht lange warten und reicht bereits zum Herbst 2010 einen sportlichen Lastenträger nach. Und auch eine Hybridversion, die anders als der 7er auf Kurzstrecken auch elektrisch fahren kann, sowie der vom Fünfer abgeleitete 6er als Coupé und Cabrio lassen nicht lange auf sich warten. Nur die Sportler müssen sich gedulden. Denn das M-Modell kommt frühestens 2011. Allerdings sollten dessen knapp 600 PS aus einem Turbo-V8 ausreichen, damit der Nachzügler bald wieder in der ersten Reihe fährt.
Und dort will auch BMW (Schweiz) wieder hin. Das klappt aber frühestens 2010, denn in diesem Jahr liegen die Münchner
klar hinter Audi zurück. Während die Herren der Ringe von Januar bis Oktober total 14?121 Auto verkauft haben, muss sich BMW mit 11?380 Exemplaren begnügen. Und das hat auch mit dem 5er zu tun, der in diesem Jahr gegen den A6 von Audi oder die neue E-Klasse von Mercedes-Benz keine Chance mehr hat. «Wir machen keine konkreten Prognosen», so Beda Durrer, «aber der neue 5er stimmt optimistisch.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.11.2009, 13:32 Uhr
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