Der heisseste Hengst im Stall
Detroit. Ford hat unter den amerikanischen Herstellern derzeit halbwegs gut lachen. Nicht nur, dass die Familienfirma als Einäugiger unter den Blinden besser überstanden hat als Chrysler und General Motors. Sondern auch im Prestigeduell auf dem Dragstrip und den Flaniermeilen des Landes hat Ford die Nase vorn.
Das beste Beispiel dafür ist der Mustang GT500, der in Zusammenarbeit mit der Rennsport- und Tuning-Legende Caroll Shelby entstanden ist und zurecht dessen Cobra im Grill, auf den Flanken oder am Heck trägt: Denn der heisseste Hengst im Stall ist giftig und schnell wie die Schlange, mit der sich jeder Shelby schmückt.
Soundtube sorgt für den richtigen Sound
Möglich macht das – wie sollte es auch anders sein - ein klassischer V8-Motor mit soliden 5,4 Litern Hubraum. Nach klassischer Tuningmanier mit einem Kompressor beatmet, schüttelt das Kraftwerk so gelassen 540 PS aus dem Ärmel wie Paul Newman die Asse im «Clou». Nur dass hier die Musik leidenschaftlicher ist – und lauter natürlich. Denn kaum senkt man den Stiefel aufs Gas, schwillt das beinahe meditative Leerlauf-Bollern zu einem wütenden Brüllen an, das mindestens ebenso patriotisch klingt wie die Springsteen-Hymne «Born In The USA». Und weil die Entwickler im aktuellen Modelljahr eigens eine «Soundtube» in den Innenraum gelegt haben, bekommt das jetzt auch der Fahrer wieder mit. Das Radio jedenfalls kann man getrost auslassen.
Aber der GT500 ist nicht nur laut und dank seiner wütend aufgerissenen Front und den breiten Rallyestreifen schrill, sondern auch scharf und schnell wie es sich für einen Sportwagen gehört. Urgewaltige 690 Nm reissen über die breiten Hinterräder am Asphalt, wenn das Getriebe in den ersten Gang klack, die Kupplung schnalzend schliesst und der wilde Hengst davon galoppiert wie ein Rennpferd. Kaum mehr als vier Sekunden braucht der GT500 auf Tempo 100, die Viertelmeile schafft er in guten 12 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist ein elektronisches Limit, das einem die US-Tuner quasi beim Ampelstopp wieder aufheben.
Sicher, gelassen und überraschend präzise
Egal ob Speedway oder Landstrasse, beim schnellen Galopp gibt der Mustang das erfahrene Schlachtross, dem jede Nervosität eines jungen Gaules fremd ist. Man muss schon alle Elektronik ausschalten und es gezielt darauf anlegen, wenn beim Start die Reifen qualmen sollen und man die Kurven lieber quer nimmt. Sonst jedoch folgt der stramme GT500 auch bei hohem Tempo sicher, gelassen und überraschend präzise seinem Kurs, verblüfft mit einer zielgenauen Lenkung, bissigen Bremsen und einem Sechsgang-Getriebe, das eine echte Freude ist – zumal der Schaltknauf liebevoll einer Billardkugel nachempfunden wurde. Um so unverständlicher bleibt deshalb, warum die Amerikaner den Rest des Innenraums einfach nicht hin bekommen: Ein Shelby-Logo im Lenkrad und ein paar farblich abgestimmte Zierstreifen in den Ledersitzen und die wie immer bei US-Autos umfangreiche Komfortausstattung können nicht über die Tristesse und Lieblosigkeit hinwegtäuschen, die so gar nicht zum Legendenkult passen will.
Neben dem Kultfaktor ist es vor allem der Preis, der für den Mustang spricht. In den USA kostet das Basismodell gerade einmal 21'400 Dollar, und selbst für den GT500 verlangt Ford nur 46'000 Dollar. Auch wenn die Importeure ein paar Tausender drauf schlagen und der GT500 hierzulande für gut 90'000 Franken gehandelt wird, ist das noch immer ein Schnäppchen. Denn so viel Kult und Kraft zusammen bietet sonst kaum ein Fahrzeug. Das weiss man auch bei Ford in Köln, wo der Mustang immer wieder durch die Vorstandsitzungen geistert. Doch so sehr sie es auch wollen würden, haben die Entscheider noch keinen rentablen Weg für den offiziellen Import gefunden, sagt Vorstandschef Bernhard Mattes fast schon traurig. «Aber die Faszination für den Mustang kann ich gut verstehen. Deshalb freue ich mich über jeden, den ich bei uns auf der Strasse sehe.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.02.2010, 10:23 Uhr
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