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LF-A: So fährt sich der 560 PS starke neue Supersportwagen von Lexus

Aktualisiert am 24.10.2009

«Tages-Anzeiger»-Mitarbeiter Thomas Geiger fuhr die ersten Testrunden mit dem Lexus LF-A auf der Norschleife.

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Grosser Premierenzauber an der Tokyo Motor Show: Die Serienversion des Lexus LF-A ist eines der Highlights der Messe, die am Samstag ihre Tore für das Publikum öffnet.

   

Sie sind luxuriös, raffiniert, technisch anspruchsvoll und mittlerweile dank ihres Hybridantriebs sogar in den meisten Fällen politisch korrekt: Doch richtig Lust und Leidenschaft sucht man bei den Modellen von Lexus bis jetzt meist vergebens. Aber damit ist bald Schluss. Denn mit dem neuen Lexus LF-A wollen die Japaner allen beweisen, dass auch sie «Benzin im Blut» haben. Der Supersportwagen fährt in einer Liga mit Lamborghini, Ferrari & Co., und hatte sein eigentliches Debüt – noch im Tarnkleid eines Prototypen – bereits beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Doch erst jetzt, beim Heimspiel auf der Motor Show in Tokio, lässt Lexus vollends die Hüllen fallen und öffnet gleichzeitig die Bestellbücher. Und da müssen sich Lexus-Fans beeilen: Mehr als 500 Exemplare des Sportlers sollen nicht gebaut werden.

Für den LF-A hat das Team um Chef-ingenieur Haruhiko Tanahashi keine Kosten und Mühen gescheut: «Bis auf die Bedienung für das Navigationssystem gibt es keine Gleichteile mit anderen Fahrzeugen des Konzerns», bestätigt Europa-Sprecher Robert Tickner. Der V10-Motor, das an der Hinterachse angeschlagene, sequenzielle Sechsganggetriebe, das Fahrwerk, selbst die Sitze, das Lenkrad und das Kombi-Instrument wurden nur für den japanischen Tiefflieger entwickelt. Kein Wunder, dass der Preis so bei exorbitanten 375?000 Euro landet. Trotzdem wird das Projekt nie kostendeckend sein, räumt Tickner klaglos ein. «Aber das macht nichts, denn wir haben hier viel für die Zukunft gelernt.»

Karbon und Keramik

Technisch ist das mit scharfen Schnitten gezeichnete Coupé einem Rennwagen näher als einem Strassenfahrzeug: «Dieses Auto trägt die Gene der Rennstrecke in sich», sagt Tickner mit Blick zum Beispiel auf die Karbonstruktur der Karosserie, die gegenüber einem Alu-Renner 100 Kilo spart und das Gesamtgewicht auf 1480 Kilogramm drückt. Die Bremsen sind aus Keramik, das Fahrwerk wurde in abertausend Runden auf der Nordschleife abgestimmt, und ein Getriebe wie dieses findet man in Serienfahrzeugen ebenfalls selten – wo sonst kann man die Schaltzeiten mit einem kleinen Rändelrad am Cockpit fast auf die Millisekunde genau einstellen?

Dennoch ist der Wagen keine puristische Fahrmaschine ohne Komfort: Die Schalensitze sind eng, aber bequem, statt der üblichen Hosenträger gibt es konventionelle Dreipunktgurte, in die erstmals ein Airbag eingearbeitet wurde, und die Augen starren gebannt auf ein eigenwilliges Cockpit mit analogen und digitalen Anzeigen, in dem der Tacho auf Knopfdruck hin- und herwandert. Weitet man den Blick, streift er über eine luxuriöse Landschaft aus schwarzem Glanzkarbon und feuerrotem Leder, das eine leicht aggressive Grundstimmung verbreitet und den Fahrer buchstäblich heissmacht auf die erste Runde.

«Seit den Anfängen der Automobilgeschichte haben Supersportwagen unsere Träume, Wünsche und Hoffnungen inspiriert», sagt Chefingenieur Tanahashi: «Für Lexus als Marke mit dem erklärten Ziel, den Kunden nachhaltige und unverwechselbare Fahrerlebnisse zu vermitteln, war die Entwicklung eines solchen Autos deshalb ein logischer Schritt», rechtfertigt er das prestigeträchtige PS-Projekt, das mit einem einzigen Gasstoss die Langeweile der letzten Jahre davonblasen kann. Denn sobald vorn unter der Haube das Triebwerk zündet, beginnt mit dem Benzin auch das Adrenalin zu fliessen und trägt den Fahrer auf einer Woge der Begeisterung davon.
In 3,7 Sekunden auf Tempo 100

In Fahrt bringt den LF-A ein in Handarbeit montierter Zehnzylinder mit 4,8 Liter Hubraum, der auf 560 PS kommt und mit Freuden bis an das Maximum von 9000 Touren dreht. Während bis zu 480 Nm an den 305er-Walzen auf der Hinterachse reissen und die drei pyramidenförmig angeordneten Endrohre wie die Trompeten von Jericho zum Sturm blasen, schiesst der Renner davon, als gäbe es kein Morgen mehr: 3,7 Sekunden braucht er bis Tempo 100, und erst bei 325 km/h ist der V10 mit seinem Latein am Ende. Und mal ganz ehrlich: Wen interessiert bei so einem Auto schon ein Verbrauch weit in den Zwanzigern, wenn es nur 500 Stück davon gibt und keine andere Marke auf einen grösseren Hybridanteil kommt als Lexus?

Natürlich kann man mit dem LFA auch gelassen über die Landstrasse rollen, als wäre er ein besserer Avensis, und dabei sogar einen überraschend hohen Federungskomfort geniessen. Aber wer bestellt im Gourmetrestaurant schon das Diätmenü oder trinkt im Burgund nur Saft und Wasser? Deshalb braucht es kaum mehr als ein, zwei Kurven auf der Rennstrecke, um die Leidenschaft zu wecken und ins Sportprogramm zu wechseln: Man dreht die Gänge weiter aus, schafft 80 im ersten, 120 im Zweiten, 170 im Dritten und hofft, dass die örtliche Polizei heute die Radarpistole im Holster lässt. Zwischenzeitlich wächst aus dem Heck ein riesiger Spoiler; der Wagen saugt sich förmlich auf dem Asphalt fest und schneidet so präzise durch die Kurven wie ein japanischer Spitzenkoch durch eine Lachsseite. Wo man sich eben noch über Laster oder Traktoren geärgert hat, schaltet man jetzt ganz gelassen ein, zwei Gänge runter und ist im Nu an jedem Hindernis vorbei.

So schnell das Auto auch sein mag, so langsam war seine Entwicklung. Denn die ersten Striche auf dem sprichwörtlich weissen Blatt hat Tanahashi bereits vor zehn Jahren gemacht. Und auch wenn sein Team jetzt endlich fertig ist, brauchen Sportwagenfans noch ein bisschen Geduld: «Die Produktion beginnt erst nächsten Herbst, und ausgeliefert wird nicht vor Frühjahr 2011», sagt Tickner.

Erstellt: 24.10.2009, 12:53 Uhr

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