Mercedes auf den Spuren von Vivaldi
Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 13.03.2010
Das passt ja nicht schlecht: «Die vier Jahreszeiten», das bekannteste Werk von Antonio Vivaldi, baut in seinem ersten Teil, «La primavera» (Der Frühling), auf einem E-Dur-Akkord auf, bis der orchestrale Frühlingssturm losbricht. Ende Februar bricht der Frühlingssturm über der Baleareninsel Mallorca los, während wir mit dem neuen Cabrio der E-Klasse unterwegs sind. Jenem Cabrio also, das Mercedes als «Cabrio für vier Jahreszeiten» ankündigt. Das verheisst nichts Gutes. Denn trotz bestem Willen hat es bis jetzt noch kein Hersteller geschafft, ein richtig schickes Cabrio mit Blechdach auf die Strasse zu stellen. Dessen war sich Designchef Gorden Wagener sehr wohl bewusst, und so hat er auch dem Nachfolger des CLK ein knappes Stoffdach geschneidert.
Aircap und Airscarf
Wageners Entscheid verlangte von den Technikern viel Erfindergeist. Denn ganz zuoberst im Lastenheft des neuen Cabriolets liess Daimler-Chef Dieter Zetsche die Ganzjahrestauglichkeit nach dem Motto «Vier Jahreszeiten, vier Personen» notieren. Um das zu erreichen, setzen die Stuttgarter bei der vierten und vorläufig letzten Spielart der neuen und erfolgreichen E-Klasse auf drei Innovationen: Aircap, Airscarf und das Akkustik-Verdeck.
Highlight ist der Aircap, der Schluss macht mit unschönen Windschotts und zerzausten Frisuren. Musste man bisher zum Schutz der Haarpracht meist eine Netzkonstruktion hinter den Sitzen aufspannen und dafür den Platz im Fond opfern, genügt nun ein Knopfdruck. Dann fährt ein Luftleitblech etwa 6 Zentimeter aus dem oberen Rahmen der Frontscheibe hoch. Das hebt den Strom kalter Luft gerade soweit an, dass er kaum fühlbar über die Köpfe der Passagiere hinwegstreicht. Weil der Luft zudem ein kleines Windschott zwischen den Kopfstützen der hinteren Sitze den Rückweg versperrt, sitzen die Passagiere wie im Auge des Sturms in absoluter Ruhe und geniessen die Wärme, die aus der Klimaanlage bollert.
Dazu gibt es für die Passagiere in der ersten Reihe den weiterentwickelten Air-scarf, der jetzt mit verstellbaren Düsen Warmluft aus den Kopfstützen bläst und die Insassen so noch unempfindlicher gegen die Widrigkeiten des Wetters macht.
Von 184 bis 388 PS
Und selbst wenn es regnen sollte, macht das neue Cabrio jetzt eine noch bessere Figur. Denn erstens lässt sich das vollautomatische Dach nun bis Tempo 40 auch während der Fahrt bewegen, und zweitens verfügt die in nur gerade 20 Sekunden geöffnete Stoffmütze jetzt über eine zusätzliche Dämmschicht, die den Lärmpegel drückt und Temperaturschwankungen vorbeugt.
Und sonst? E-Business-Class as usual: Die Motorpalette übernimmt das Cabrio vom Coupé und bietet deshalb die Wahl zwischen vier Benzinern vom E 200 CGI mit 184 PS bis zum E 500 mit 388 PS. Neu ist die üppige Palette der Diesel, die drei Aggregate umfasst. Hier beginnt das Vergnügen mit dem 170 PS starken E 220 CDI und reicht hinauf bis zum E 350 CDI mit 231 PS. Der offene Zweitürer steht ab dem 27. März parat und kostet in der Schweiz zwischen 70?400 und 112?700 Franken. Aircap (1240 Franken) und Airscarf (825 Franken) gibts gegen Aufpreis. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.03.2010, 08:20 Uhr
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