Mit dem Gran Cabrio zurück an die Sonne
Von Dieter Liechti, Thomas Geiger. Aktualisiert am 22.02.2010
Minus 44,4 Prozent im Januar: Die italienische Edelmarke Maserati kommt in der Schweiz nur mit Mühe in die Gänge – während im Januar 2009 immerhin 18 Autos verkauft worden sind, waren es in diesem Januar gerade mal 10 Exemplare. Doch das könnte sich bereits in den kommenden Wochen ändern, denn die Italiener haben eine spannende Neuheit am Start. Nein, keine neue Farbe und auch kein neues Leder, sondern ein neues Auto. Und was für eines: das Gran Cabrio.
Diesen Namen trägt der italienische Beau aus zwei Gründen: Zum einen entsteht er auf der Basis des aktuellen GranTurismo, zum anderen bekommt er als erstes Cabrio mit Dreizack an der Front zwei zusätzliche Sitze im Fond. Die sind, allem weichen und hochwertigen Leder zum Trotz, natürlich nicht ganz so feudal wie im Quattroporte. Doch in diese Sportschalen presst man sich gerne. «Und wer nicht grösser ist als 1,74 Meter, der stösst mit Schultern, Kopf und Knien nirgends an», versprach Projektleiter Giorgio Cornacchia, und lobte den neuen Maserati als geräumigstes Cabrio diesseits von Bent-ley Arnage und Rolls Royce Phantom – ein echter Grand mit Vieren also.
Luxuriös und lustvoll
Möglich wird der Familienausflug unter der Sonne durch das grosse Format des Zweitürers. Kam der alte Spyder nur auf gut 4,3 Meter, so wächst das neue, von Altmeister Pinifarina wunderschön und zeitlos elegant gestylte Openair-Modell auf stolze 4,88 Meter und steht damit an der Spitze des Segments. Weil zudem der Radstand mit 2,94 Metern ausgesprochen üppig ist, kann man die zweite Reihe eben nicht nur als Erweiterung des bescheidenen Kofferraums (173 Liter) nutzen. Damit verabschiedet sich der offene Maserati vom Wettbewerb mit Jaguar XK, Mercedes SL oder Porsche 911 und zielt eher auf Konkurrenten wie den 6er-BMW oder den Bentley Continental.
Allerdings lastet das neue Format schwer auf den Hüften: Weil der Wagen nun fast zwei Tonnen wiegt, wird er vom Fighter zum Gleiter. Natürlich ist er noch immer kräftig genug für ein paar flotte Schwünge auf jede Passhöhe und macht die Landstrasse zur Lustmeile. Doch sein Revier ist der Boulevard, über den man in kaum einem anderen Auto so luxuriös und lustvoll bummeln kann. Dafür allerdings gibt es kaum ein Cabrio, das so steif und solide wirkt, wie der Maserati: Schlaglöcher, Bodenwellen, Spurrillen oder aber schnelle Kurven – von nichts und niemandem lässt sich der grosse Viersitzer aus der Ruhe bringen oder gar ein Knistern und Knarzen entlocken.
Das erstaunt. Denn obwohl alle Welt derzeit nach festen Faltdächern schreit, hat Maserati der Versuchung widerstanden und die lange diskutierte Blechmütze in die Altmetallverwertung geworfen. Gottlob. Nun fährt das Gran Cabrio mit einer knappen und eleganten Kapuze aus Stoff vor und bewahrt so die schlanke Silhouette. Egal aus welcher Perspektive man den Wagen betrachtet — er macht auch deshalb immer eine bella figura.
Ausserdem kann man das vollautomatische Dach bis Tempo 30 auch während der Fahrt bedienen, was bei 28 Sekunden für die komplette Öffnung keine schlechte Idee ist. Nur dass dem Wagen die Fernbedienung für den Striptease fehlt, ist ein bisschen schade.
Tempo 274 «oben ohne»
Kein Problem. Denn die Hauptrolle spielt der famose V8 unter der flachen Haube. Er schöpft aus 4,7 Litern Hubraum 440 PS und geht mit stolzen 490 Nm an den Start. Wer die Sporttaste drückt, entlockt dem Auspuff nicht nur den aggressiveren Klang, sondern ändert auch die Schaltpunkte der 6-Gang-Automatik und fährt im Crescendo durchs Chianti. Während der Motor so leidenschaftlich klingt wie Pavarotti zu seinen besten Zeiten, schnellt der Maserati in 5,3 Sekunden auf Tempo 100. Und während Mercedes SL, BMW M6 oder Jaguar XK brav bei 250 km/h abregeln, rennt der Maserati offen auf 274 und geschlossen auf 283 km/h.
Mit dem Neuling wollen die Italiener bis Ende Jahr auch in der Schweizer Verkaufsstatistik wieder ein Plus aufweisen. Wenn auch nur ein kleines. «Wir rechnen 2010 mit 250 verkauften Neuwagen», so Lorenzo Dal Vi, Leiter Marketing und Presse bei Maserati Schweiz. Das entspricht einem Plus von knapp 5 Prozent. «In dieser Zahl sind rund 75 bis 80 GranCabrio budgetiert», so Dal Vi weiter. «Das ist durchaus realistisch, denn für 40 Autos liegen bereits Bestellungen vor.»
Damit kommt man zwar längst nicht an die Rekordzahlen von 2008 mit 343 verkauften Autos heran, doch für einen Platz an der Sonne würde es reichen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.02.2010, 09:12 Uhr
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