Quattro stagioni alla diavola
Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 12.04.2011
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Wenn unsere nördlichen Nachbarn «beim Italiener» eine Pizza für die ganze Familie bestellen, dann meistens eine Quattro stagioni – die bietet für jeden Geschmack etwas. Wers schärfer liebt, der bestellt alla diavola. Beides zusammen funktioniert auf dem Teller nicht, aber auf der Strasse – das beweisen die Italiener mit dem neuen Ferrari FF. Dem wohl schärfsten Familienmenü der Gegenwart.
Und diese Schärfe bezieht sich nicht nur auf das neue Design mit den 4 komfortablen Plätzen und den 6,3-Liter-V12-Motor, sondern vor allem auf die Tatsache, dass dieser Ferrari dank dem Allradantrieb 4RM als echtes Ganzjahresauto in den Startlöchern steht.
Wunsch des Ferrari-Chefs
Doch der Reihe nach: Am Anfang stand – so heisst es zumindest bei den PR-Stellen – der Wunsch von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, man möge ein Auto entwickeln, mit dem man auch im Winter stilgerecht und sicher nach St. Moritz zum Skifahren reisen könne. Ein Sportauto mit vier Sitzen und Allradantrieb. Stimmt: Das gibts schon – den Porsche Panamera. Doch der Freundeskreis des Ferrari-Chefs fährt zum einen nicht Porsche, zum anderen fehlt dem üppigen Stuttgarter Gran Turismo nach italienischem Gusto auch das gewisse Etwas. «Die nötige Schärfe», wie ein Ferrari-Testfahrer bei den Probefahrten im Südtirol bemerkte. «Und zwar nicht nur beim Design, sondern auch bei den Fahrleistungen.»
660 PS und 683 Newtonmeter
Damit bei diesem Thema keine Zweifel aufkommen, hat man in Maranello einen V12-Motor unter die schier endlos lange Haube des Neulings gepackt. Mit Direkteinspritzung leistet der 6,3 Liter grosse Direkteinspritzer 660 PS bei 8000 U/min und stellt ein maximales Drehmoment von 683 Newtonmetern bei 6000 U/min zur Verfügung. Das reicht für den Stammtischspurt von Null auf Tempo 100 in nur gerade 3,7 Sekunden. «Wer auf dem Gaspedal bleibt, schafft Tempo 200 nach elf Sekunden», frohlocken die Italiener, und versprechen eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h. Das muss aber nicht sein. Denn trotz Formel-1-Cockpit mit «Manettino» und der omnipräsenten Leistung des V12 lässt sich der FF auch hochanständig und niedertourig fahren. Schon ab dezenten 1000 Touren stellt das italienische Kraftwerk 500 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung.
In der Stadt ein Leisetreter
Apropos dezent: Während der FF bei sportlicher Gangart wirklich alle Tugenden der Marke dynamisch und akustisch zum Vorschein bringt, verhält er sich in der Stadt vorbildlich – kaum steht man richtig auf die Bremse, geht der Motor aus. Das hilft zwar beim Benzinsparen – der FF verbrennt ganze 25 Prozent weniger als die bisherigen Zwölfzylinder, aber 15,4 Liter sind immer noch immens –, doch bei den Probefahrten in Südtirol löste es bei den vielen Ferrari-Fans eher Verwunderung aus. Denn dort gilt der Sound der Triebwerke aus Maranello noch immer als emotionales Highlight. Und wer das Röhren des V12 am Fussgängerstreifen verstummen lässt, wirkt für die Italiener nicht nur uncool, sondern wird sofort verdächtigt, den neuen Heissblüter mangels Feingefühl kalt abgemurkst zu haben.
Doch das ist im FF sowieso kein Thema. Denn für die optimale Umsetzung der immensen Kraft sorgt ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe «aus der Formel 1» mit Schaltpaddels am Lenkrad, das direkt an der Hinterachse verbaut ist. So haben die Italiener eine optimale Gewichtsverteilung von 47 zu 53 Prozent erreicht. Doch das eigentliche Highlight beim FF ist der Allradantrieb. Hier haben die Ingenieure eine völlig neue Lösung parat: In der Regel ist der FF ein Supersportwagen, dessen Hinterräder angetrieben werden. Nur wenn die Kraft dort verpuffen würde, leitet die Power Transfer Unit (PTU) die Kraft direkt und unabhängig an die beiden Vorderräder. «Mit dem Verzicht auf eine mechanische Verbindung zur Hinterachse sparen wir nicht nur Gewicht, sondern der Allradantrieb agiert auch sehr sensibel.»
Jahresproduktion ausverkauft
Das stimmt. Zwar haben die extremen Temperaturen den Schnee auch in Südtirol dahingerafft, doch der finnische Ex-Rallye-Weltmeister Markku Alen staunte bei Probefahrten in Schweden: «Der FF erinnert mich an mein einstiges Gruppe-B-Monster – ohne Spikes erklimmt der Ferrari vereiste 15-Grad-Steigungen.» Haben die Italiener also alles richtig gemacht? Ja, denn wenn ein ehemaliger Rallye-Weltmeister einen familientauglichen Vierplätzer mit seinem Siegerauto vergleicht, ist das das höchste Lob für die Italiener. Denn es zeigt, dass sie den Spagat zwischen Supersportler und Familienauto perfekt gestanden haben. Und zwar nicht nur bei der Fahrdynamik, sondern auch bei ganz profanen Disziplinen wie Kofferraum und Platzangebot. Denn im luxuriösen FF fühlt man sich trotz dem beschwerlichen Einstieg auf die hinteren Plätze auch in Reihe 2 pudelwohl, und die 450 Liter Kofferraum sind eine Ansage.
Doch bevor sportliche Familienväter die Hypothek auf dem Eigenheim erhöhen und mit 360?000 Franken zum nächsten Ferrari-Spezialisten fahren: Die ersten 800 Exemplare sind schon weg.
Ferrari FF Masse: Länge 4,907 Meter. Breite 1,953 Meter. Höhe 1,379 Meter. Radstand 2,990 Meter. Gewicht: Leergewicht 1790 Kilo. Gewichtsverteilung: 47 Prozent vorne, 53 Prozent hinten. Motor: 6,3-Liter-V12 mit 660 PS bei 8000 U/min und 683 Nm bei 6000 U/min. Antrieb: 4-Rad-Antrieb 4RM. Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 3,7 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 335 km/h. Bremsen: 100 bis 0 km/h in 2,7 Sekunden. Vorne 398 x 38 mm, hinten 360 x 32 mm. Verbrauch: 15,4 Liter auf 100 Kilometer (Werksangaben) mit Start-Stopp-System. CO2: 360 Gramm pro Kilometer. Preis: 360?000 Franken. Infos: www.ferrari.com. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.04.2011, 01:23 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




