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Schweizer Autobauer braucht dringend 166 Millionen

Die Macher des Elektroautos «Mindset» suchen Kapital – trotz Krise. Und das Zentralschweizer Unternehmen Spirt Avert hat noch lange nicht alle Trümpfe gespielt.

Der Prototyp des Mindset soll zahlreiche finanzstarke Investoren anlocken.

Der Prototyp des Mindset soll zahlreiche finanzstarke Investoren anlocken.
Bild: PD

Ist es Mut oder ein Akt der Verzweiflung? Mitten in einer Krise, welche die Autoindustrie in ihrer Existenz bedroht, will eine kleine Entwicklerfirma Investoren dazu bewegen, eine dreistellige Millionensumme in ein Elektroauto zu stecken, von dem es erst einen Prototyp gibt.

Als ob dieses Ansinnen nicht schon schwierig genug wäre, leidet das Innerschweizer Unternehmen Spirt Avert, das den als schickes Lifestyle-Objekt gedachten «Mindset» entwickelt, seit über einem Jahr an einer Unterbilanz. Im März 2008 hatte die Prüferfirma BDO Visura erstmals bemängelt, dass per Ende 2007 «die Hälfte des Aktienkapitals nicht mehr gedeckt ist». In einem solchen Fall muss die Firma Sanierungsmassnahmen ergreifen – oder die Bilanz deponieren.

Schwierige Investorensuche

Unter Präsident Lorenzo Schmid wurde beschlossen, die Entwicklung voranzutreiben und neue Investoren zu suchen. Schon damals war klar, dass dem Kleinbetrieb ohne neue Mittel ab Juni 2009 der Schnauf ausgehen würde. Investoren tauchten nicht auf, auch wurde das Kapital nicht erhöht. Darauf wies BDO Visura nach weiteren 11,6 Millionen Franken Verlust im 2008 erneut auf die Unterbilanz hin und mahnte die Sanierung an.

Da die Mittel nicht bis Ende 2009 reichen, soll die Bank Sal. Oppenheim knapp 4,5 Millionen neue Aktien platzieren, das Stück zu 37 Franken – 27 Franken über dem gestrigen Schlusskurs.

«Wir sind zuversichtlich»

«Wir sind zuversichtlich, dass wir auf bestem Wege sind», sagt Spirt-Chef Daniel Buchter. Ob Investoren es auch so sehen? Zumal der Mindset mit einer Preisvorstellung von 45'000 und 60'000 Euro in der ersten Serie nicht gerade billig ist. Den US-Konkurrenten Tesla, der ein ähnliches Konzept hat – schickes Design, Spurtqualitäten eines Sportwagens – bewahrte erst eine Finanzspritze von Daimler vor dem Aus, vorläufig. Nur 600 Tesla wurden verkauft. Das Problem auch hier: zum Preis von über 100'000 Dollar zu teuer. «Hollywood gefällt so etwas, massentauglich ist es nicht», sagen Skeptiker.

Selbst wenn die Kapitalerhöhung misslingen sollte, sei das nicht das Ende, sagt Buchter. Dann könne man immer noch das Konzept verkaufen. Oder eine am Konzept interessierte Autofirma beteiligt sich am Mindset – wie unlängst bei Tesla passiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2009, 08:58 Uhr

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