Schweizer Traumauto kurz vor seinem Comeback

Noch ist vieles geheim, das Ziel aber ist klar abgesteckt: 2017 soll am Genfer Automobilsalon ein neuer Wagen des legendären Binninger Luxusauto-Herstellers Monteverdi vorgestellt werden.

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Nach Jahrzehnten soll wieder ein Auto mit einem Swiss-Label auf den Markt kommen – eine Hommage an Peter Monteverdi, den genial-verrückten Autobauer aus Binningen, gestorben 1998. Hinter der Idee stecken Paul Berger, Lebensgefährte von Peter Monteverdi und alleiniger Inhaber der Monteverdi Automobile AG, André Maurer und der Rechtsberater Reto Mauerhofer.

Das Trio lässt sich noch nicht allzu tief in die Karten blicken. Ein exklusiver Sportwagen soll es werden, so wie es alle Monteverdis sind; er soll in Europa zusammengebaut werden. Den Wagen in Binningen zu bauen, wie es Peter Monteverdi noch getan hatte, das sei heute nicht mehr möglich, sagt Paul Berger. Ein amerikanischer ­Motor? Der High Speed 375 L beispielsweise hat noch einen Chrysler-V8-Motor unter der Haube. Nein, ein europäischer Motor wird es sein. Welcher? Wird noch nicht preisgegeben. Der Name des Autos? Natürlich Monteverdi.

Grosser privater Aufwand

Paul Berger führt in das Museum, will zeigen, dass sie noch alle dastehen. Der rote Hai F1 mit seinem Formel-1-Motor sticht gleich am Eingang ins Auge, das letzte Auto, das Peter Monteverdi gebaut hat. Alles glänzt, alle Autos sind in einwandfreiem Zustand. Paul Berger betreibt einen grossen privaten Aufwand für das Museum. Jedes Auto sei innerhalb von 24 Stunden fahrtüchtig, sagt er. Berger beschäftigt zwei Mechaniker, die die Autos in Schuss halten. Wie viel er Jahr für Jahr aus seinem Privatvermögen in das Museum steckt, das will er nicht verraten. 2017 können 50 Jahre Monteverdi gefeiert werden. Paul Berger wollte auf das Jubiläum hin das Museum auffrischen: neue Farbe, andere Teppiche, neues Licht.

Rund eine halbe Million Franken hat er für die Auffrischung veranschlagt und wollte beim Kanton anklopfen, ob dieser nicht einen Beitrag daran leisten könnte. Immerhin strahlt der Name Monteverdi bis heute von Binningen aus in die ganze Welt. Warum also sollte nicht der Staat einen kleinen Beitrag an dieses Schmuckstück, an dieses Stück schweizerischer Autogeschichte leisten? Zudem wollte Paul Berger mit festen Öffnungszeiten das Museum einem breiteren Publikum zugänglich machen. Das Museum kann heute nur auf Voranmeldung besucht werden. Fixe Öffnungszeiten aber hätten höhere Beriebskosten zur Folge gehabt, an denen sich auch der Kanton beteiligen sollte.

Der Kanton liess sich viel Zeit

Der frühere SD-Landrat John Stämpfli hatte im Oktober 2010 ein Postulat eingereicht und den Kanton um eine finanzielle Unterstützung des Museums gebeten. Vor zwei Tagen erst hat die Regierung reagiert und empfiehlt dem Landrat jetzt, das Postulat als erfüllt abzuschreiben. Es habe sich eine private Lösung ergeben, schreibt die Regierung. Private Lösung, ja klar, sagt Paul Berger, er bezahle weiterhin alles aus seiner eigenen Tasche. Das Prozedere mit dem Kanton habe ihm schlicht und einfach zu lange gedauert, und seitens des Kanton seien ihm höchstens 50'000 Franken aus dem Lotteriefonds in Aussicht gestellt worden.

«Mit diesem Betrag kann ich nicht mal die alten Teppiche rausreissen lassen», erklärt er. Bildungs- und Kulturdirektor Urs Wüthrich sagt auch offen, dass ein Beitrag an den Betrieb des Monteverdi-Museums allein schon finanziell derzeit keine Chance habe. «Wir haben ja kaum mehr genug Geld für die kantonseigenen Sammlungen.» Paul Berger ist immer noch enttäuscht über die Knausrigkeit des Kantons. Langes Hadern aber ist nicht sein Ding. Parallel zum Zögern des Kantons entwickelte sich in dem Büro vor dem Monteverdi-Museum eine sehr viel grössere Idee als bloss ein Pimpen des Museums.

Vorbereitungen auf Hochtouren

Das Trio Paul Berger, André Glaser und Reto Mauerhofer überlegte, wie sich das Andenken an Peter Monteverdi hochhalten lässt; wie sich das 50-Jahr-Jubiläum würdig feiern liesse. Vielleicht hat einer ganz salopp in die Runde geworfen, bauen wir doch ein neues Auto – und erntete erst mal erstaunte Blicke. Die Idee aber begann Gestalt anzunehmen, und heute laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. «Wir sind im Gespräch mit Investoren», sagt Reto Mauerhofer. Gespräche, die gut laufen müssen, denn der neue Monteverdi soll bereits 2017 auf den Markt kommen, rechtzeitig zum Genfer Automobilsalon.

Das Museum muss warten. Macht nichts, eine Auffrischung drängt sich nicht auf, das Museum ist blitzblank wie jede der Karosserien. Der Name Monteverdi aber wird mit dem neuen Sportwagen die gesamte Autowelt zum Vibrieren bringen. Die Vorboten sind schon da: Das Schweizer Fernsehen wird am 15. Dezember eine Reportage ausstrahlen, ein deutscher Sender hat seinen Besuch bereits angekündigt, und ein deutscher Automobil-Journalist arbeitet an einem Buch über Monteverdi. Die Schweiz wird in naher Zukunft wieder zum Player – zum kleinen, exklusiven Player auf dem internationalen ­Automobilmarkt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.11.2013, 11:50 Uhr

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