Wie viel Porsche braucht der Mensch?

Porsches Kleiner eröffnet als GT4 neue Dimensionen. Doch der Top-Cayman mit viel 911er-Technik wirft auch eine Grundsatzfrage auf.

Schluss mit lustig: Als GT4 wird der Porsche Cayman dank viel 911er-Technik zum echten Sportwagen. Foto: Porsche

Schluss mit lustig: Als GT4 wird der Porsche Cayman dank viel 911er-Technik zum echten Sportwagen. Foto: Porsche

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Porsche erfüllt Wünsche? «Ja», bestätigt Markus Atz, Leiter Motorsportentwicklung in Zuffenhausen. «Und zwar setzen wir beim Cayman GT4 den oft geäusserten Wunsch um, 911er-Technik im Cayman einzupflanzen.» Der Neue bekam zum Beispiel den 3,8-Liter-Boxer des Marken-Stammhalters und die Fahrwerksauslegung des 911 GT3. Beeindruckend, um dies vorwegzunehmen.

Wir sind dort unterwegs, wo es einem Auto mit GT4-Zusatz am wohlsten ist. Die topografische Rennstrecke des Autodromo do Algarve im Süden Portugals ist das Tummelfeld, das Porsche für den ersten Ausritt im jüngsten Spross ausgewählt hat. Eben noch stand der Wagen als Premiere in Genf, jetzt sitzen wir hinter dem Alcantara-bezogenen Lenkrad, rühren in der Schaltung und lassen G-Kräfte auf Mensch und Maschine einwirken.

45 PS mehr als der GTS

Er ist Porsches neuer Einstieg in die GT-Reihe, von der laut dem Hersteller notabene 80 Prozent aller Wagen auch den Weg auf die Rennstrecke finden. Entsprechend anspruchsvoll ist die Aufwertung zum Cayman aller Caymane. Der aus dem 911 Carrera S abgeleitete Motor hat zwar 15 PS weniger als im Original, leistet aber trotzdem 385 PS und damit 45 PS mehr als der 3,4-Liter-Boxer im Cayman GTS, dem bislang Stärksten der kleinen Coupé-Familie, den es ausschliesslich mit 6-Gang-Handschaltung gibt. «Damit folgen wir dem Ruf nach mehr Purismus», so Atz. Das Getriebe schaltet sich schnell und präzise, und bei aktivierter Sporttaste helfen beim Runterschalten automatische Zwischengasstösse. Auf der schnellen Berg-und-Tal-Fahrt des Autodromo wissen wir diese Unterstützung zu schätzen, im Strassenverkehr geniessen sie Porschefans als Ohrenschmaus.

Obwohl die Rennstrecke, eine hohe Agilität und eine sichere Traktion die Priorität bei der Auslegung des überarbeiteten Fahrwerks geniessen, kann der Cayman auch komfortabel. Sind die aktiven Dämpfer nicht auf «Sport» programmiert, werden Bodenwellen und Querfugen sauber absorbiert ? das GT-Fahrwerk verlangt keine Nehmerqualitäten, und die Anfahrt zur Rennstrecke verkommt so auch nicht zur Tortur. Clever: Je nach Einsatz (Rennstrecke oder Alltag) kann der Radsturz an der Vorderachse angepasst werden.

100 Kilogramm Abtrieb

Optik und Aerodynamik gehen Hand in Hand und machen den GT4 unverwechselbar. Die Karosserie liegt um 30 mm tiefer als beim regulären Cayman, drei wuchtige Luftöffnungen an der Front und ein grosser Spoiler auf dem Heck versprühen nicht nur Rennsportallüren, sie sorgen erstmals beim Cayman serienmässig für Abtrieb an beiden Achsen. Laut Atz sind es bei Höchstgeschwindigkeit (295 km/h) rund 100 Kilogramm. Und was Piloten des Porsche Sport Cup Suisse interessieren dürfte: Das Clubsport-Paket mit Überrollbügel und 6-Punkt-Gurten ist bereits parat. «Jetzt mit gleichmässig Gas über die Kuppe in die lange Kurve ... Und rechts bleiben», knistert es im Funk, bevor wir hinter Instruktor Matthias Hoffsümmer in die Start-Ziel-Gerade einfliegen. Es passt! Der GT4 schreit seine Begeisterung aus den Doppelendrohren in die Tribünen, und wir können hinter dem Lenkrad ein Grinsen nicht unterdrücken. Zu gross ist der Spass am Wirbeln mit Lenkung, Schaltstock und Pedalerie, auf der Suche nach der Ideallinie.

Aber wie viel mehr Porsche braucht der Mensch überhaupt? Bereits die Frage ist Antwort genug. Der Cayman GT4 macht alles richtig, beschleunigt in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, absolviert die Nordschleife des Nürburgrings mit 7,40 Minuten nur 8 Sekunden langsamer als der 911 GT3. Und er kostet mit 104 700 Franken erst noch gut 5000 Franken weniger als der günstigste 911er.

Martin Schatzmann fuhr den Cayman GT4 am 10./11. März auf Einladung der Porsche Schweiz AG in Portugal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2015, 17:27 Uhr

Porsche Cayman GT4

Modell: 2-türiges Sportcoupé mit 2 Plätzen.
Masse: Länge 4438 mm, Breite 1817 mm, Höhe 1266 mm, Radstand 2484 mm.
Kofferraum: vorn 150, hinten 184 Liter.
Motor: 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer mit 385 PS und 420 Nm, 6-Gang-Handschaltung.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,4 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 295 km/h.
Verbrauch: 10,3 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe).
CO2-Ausstoss: 238 Gramm/Kilometer.
Markteinführung: ab Ende März 2015.
Preise: ab 104'700 Franken.
Info: www.porsche.ch

Artikel zum Thema

Scharfes aus der Sterneküche

Es ist angerichtet: Mercedes-AMG schickt den C 63 mit bis zu 510 PS ins Rennen. Nicht minder interessant ist aber die neue «Light-Version» C 450 AMG 4Matic – ganz besonders für die Schweiz. Mehr...

Ein BMW-SUV für die Steckdose

Mit einem Plug-in-Antrieb legt BMW nun auch den X5 an die Leine. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Blogs

Politblog Grünes Licht für Affenversuche

Mamablog Die beste Integration der Welt

Paid Post

Psychologie im Business

Ökonomie ist mehr als Aufwand und Ertrag, Effizienz, Güterknappheit und Ressourcen.

Die Welt in Bildern

Mystischer Rauch: Eine Gläubige betet zum Gedenken an ihre verstorbene Mutter während des Muttertags in Kathmandu, Nepal (26. April 2017).
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...