Auto

Zwei Lysser bauen die Kultkarre K.I.T.T. aus «Knight Rider» nach

Von Simone Lippuner. Aktualisiert am 04.08.2010

Ein Bubentraum wird wahr: Roland und Michael Hirter aus Lyss bauen die Kultkarre K.I.T.T. aus der TV-Serie «Knight Rider» originalgetreu nach. Sie investieren Zehntausende von Franken und Tausende von Arbeitsstunden.

Jede freie Minute am  Schrauben: Roland (links) und Michael Hirter mit ihrem Grossprojekt K.I.T.T. in Lyss.

Jede freie Minute am Schrauben: Roland (links) und Michael Hirter mit ihrem Grossprojekt K.I.T.T. in Lyss.
Bild: Urs Baumann

Intro der Kultserie (Englisch)

In Bern steht eines der Originale

Weltweit gibt es drei originale K.I.T.T.s: Zwei stehen in amerikanischen Museen und einer im Berner Quartier Galgenfeld. Der Berner Nic Megert hat sich mit dem Kauf der «Perle», wie er das Auto nennt, 2007 einen Traum erfüllt. Als Megert erfuhr, dass K.I.T.T. unter den Hammer kommen sollte, beauftragte er seinen Onkel in Ohio, den Wagen für ihn zu ersteigern. 160'000 US-Dollar (heutiger Wert 167'130 Franken) waren ihm Kauf und Transport nach Bern wert. Jetzt vermietet Megert den Wagen für Anlässe. Das Geschäft laufe jedoch nicht so gut: «Die Schweiz ist für ein Original fast zu klein.» Das Projekt der beiden Lysser findet Megert «genial»:?«Hut ab vor den beiden, dass sie so viel Geld und Zeit dafür opfern.» Nic Megert ist überzeugt, dass Roland und Michael Hirter K.I.T.T. fertig bauen. «Vielleicht können wir sogar einmal zusammen an einer Show auftreten.» sl

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In den 80er-Jahren war das die Zukunft: ein sprechendes Auto mit vielen blinkenden Lichtern, funkelnden Knöpfen und: einer Seele. Ein Beschützer auf vier Rädern, der für seinen Besitzer Höllenfahrten in Kauf nimmt. Dieser Zukunftstraum flimmerte allabendlich über die Mattscheibe. «Knight Rider» hiess die US-amerikanische Serie mit David Hasselhoff, die zwischen 1982 und 1986 in vier Staffeln produziert wurde. Michael und sein Wagen K.I.T.T., «ein Mann und ein Auto kämpfen gegen das Unrecht». Das war ein Publikumsrenner.

Sprechende Bordcomputer gehören heute zur Standardausrüstung eines Autos. Dennoch hat die Kultkarre K.I.T.T. für die beiden Brüder Roland und Michael Hirter aus Lyss nichts an Zauber verloren. Früher verpasste vor allem Michael keine einzige Folge der Sendung. Heute verpassen beide Hirters kaum eine Minute, um an einer Kopie von K.I.T.T. rumzuschrauben: Rund 45'000 Franken, viel Freizeit und ganz viel Herzblut investieren sie in ihr Projekt. «Wir haben die Sache unterschätzt», sagt der 24-jährige Michael Hirter, gelernter Automechaniker. «Dennoch war Aufgeben nie ein Thema.»

Teure Sammlerware

Vor einem Jahr kauften Michael und sein ein Jahr jüngerer Bruder bei einem Händler einen Pontiac Firebird, Jahrgang 1990. Einen 82er-Trans-Am, wie er in der Serie verwendet worden ist, konnten sie nicht auftreiben. «Deshalb müssen wir nun die Teile des älteren Modells zusammensuchen und montieren», sagt Roland, gelernter Autoelektriker und -elektroniker.

Eine aufwendige Arbeit. Beinahe ein Jahr dauerte es, bis die Freaks sich die notwendigen Kontakte sichern konnten. «In der Schweiz kennen wir fünf ähnliche Projekte.» In Deutschland gebe es eine grössere Knight-Rider-Fanszene. Den Grossteil der Kleinteile bestellen Hirters in den USA oder in Deutschland. Die Ware ist begehrt und teuer: Allein die Haube kostete 900 Euro, die kompletten Felgen 4200 Franken.

Sparen für den Lack

So, wie K.I.T.T. jetzt vor der Garage von Rolands Arbeitgeber Urs Mühlemann im Lysser Industriequartier steht, stecken 17'000 Franken drin. Die Karosserie ist fertig, nur die Lackierung fehlt. Michael spart dafür, 1250 Franken legt er monatlich für sein Traumauto auf die Seite.

Nun machen sich die Brüder ans Innenleben des Wunderboliden. All die blinkenden Knöpfe sollen auch eine Funktion erhalten. Und K.I.T.T. wird sprechen. Aus unzähligen Folgen haben die Lysser die Autostimme rausgeschnitten und digitalisiert. «Damit es nicht langweilig wird, soll K.I.T.T. auf jede Frage rund 20 Antworten bereit haben.» Das Auto wird zudem auf Sprachbefehl die Fenster öffnen oder den Motor starten.

Auf einige futuristische Charakterzüge müssen die beiden Tüftler jedoch verzichten, weil sie gegen das Gesetz verstossen würden. Die Kopie des Superschlittens soll geprüft und strassentauglich werden. So wird es zum Beispiel sicher keine sogenannte Turbo-Booster-Funktion geben; die hatte den originalen K.I.T.T. beinahe zum Fliegen gebracht.

Ohne Booster, mit Bonnie

Um auf dem Boden zu bleiben: Tatsache ist, dass nicht nur David Hasselhoff und sein Auto die Serie spannend machten. Sondern auch die Frauen: Bonnie oder April hiessen Hasselhoffs Begleiterinnen mit den langen braunen Mähnen. Von den Brüdern hat nur Michael eine Freundin. «Sie hat kein Problem damit, dass ich so viel Zeit in das Auto investiere.» Eher belächelt werden die Hirter-Brüder von ihren Kollegen. «Die glauben nicht so ganz an das Resultat. Denen werden wirs zeigen.»

Im besten Fall Ende 2011 soll K.I.T.T. fertig sein. Dann wollen die beiden mit ihrem Boliden an Pontiac-Treffen fahren oder ihn an Shows vorführen. «Da drin steckt kein Geschäft, sondern Liebe und Freude.» Möchten die Brüder ihre Superkarre verkaufen, würden sie knapp 5000 Franken erhalten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.08.2010, 16:22 Uhr

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