4 – 3 – 2: Die Spritspartechnologie von
VW zielt in Richtung 1-Liter-Auto
Eigentlich gibt es das 1-Liter-Auto von Volkswagen bereits. Und das nicht nur auf dem Papier. An der weltweit grössten
Autoshow, der IAA in Frankfurt, war das futuristisch anmutende Leichtfahrzeug, in welchem Pilot und Passagier hintereinander sitzen, im September erstmals zu sehen. Ob es allerdings über den aktuellen Status eines Technologieträgers hinauskommt, das lassen derzeit selbst die umweltpolitisch fortschrittlichsten Denker in Wolfsburg offen.
Der Polo ist der Spar-Star
Definitiv beschlossene Sache ist hingegen das 2-Liter-Auto. Der geplante Cityflitzer wird auf der Studie Up! basieren
und dürfte bis 2012 Realität werden. Oder spätestens bis 2013. Mehr noch: In einem weiteren Up!-Derivat sieht Konzernchef Martin Winterkorn auch das erste
Elektroauto von VW.
Zumindest gefühlsmässig elektrisierend wirkt das, was VW schon jetzt auf die Strasse bringt: das 3-Liter-Auto. Und zwar nicht mehr als Kleinstwagen à la
Lupo, wie er von 1999 an mehr oder weniger erfolglos gebaut und schon nach vier Jahren wieder eingestellt wurde.
Nein, der neue Top-Sparer im Konzern ist der Polo, der in allen Belangen neue Dimensionen erreicht: vom schlichten, aber schnittigen Desing des Walter de
Silva bis hin zum Gardemass von knapp vier Meter Länge. Und, natürlich, von seinen Verbrauchs- und Emissionswerten her. Mit nur 3,3 Litern auf 100 Kilometer soll sich der Dreizylinder bescheiden und dabei nicht mehr als 87 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Das sind Werte, wie sie für einen ausgewachsenen Fünfplätzer mit einem Kofferraumvolumen von mindestens 280 Litern bis vor Kurzem noch (um)weltfremd schienen. Mit dem VW Polo gibt sich somit bei der
aktuellen Bluemotion-Offensive der Kleinste als der grösste Spar-Star. Dies, obwohl sich auch die Werte der beiden anderen Volumen-Modelle von Volkswagen, die mit der neusten Diesel-Technologie und weiteren Innovationen auf totalen Sparkurs getrimmt worden sind, sehen lassen dürfen: 3,8 Liter sind es beim Golf, 4,2 Liter beim Passat.
Common-Rail-Diesel
Die Basis für diese extrem niedrigen Verbrauchs- und Emissionwerte bilden bei allen Modellen die neusten Common-Rail-TDI-Motoren mit modifizierter Software des Antriebsmanagements und weiter abgesenkter Leerlaufdrehzahl. Beim Polo Bluemotion ist es der von VW neu entwickelte 1,2 Liter mit drei Zylindern, die Bluemotion-Versionen von Golf und Passat verfügen über weiterentwickelte 1,6-Liter-Vierzylinder aus dem Konzernregal.
Dazu kommen die im Bluemotion-
Paket geschnürten bekannten und bewährten Massnahmen wie Start-Stopp-Automatik, Rückgewinnung der Bremsenergie (Rekuperation), eine verlängerte Getriebeübersetzung, Schaltpunktanzeige,
optimierte Aerodynamik, Unterboden-Verkleidung, Tieferlegung und last but not least Eco-Reifen.
Dass Volkswagen bei all seinen elektrischen Zukunftsplänen – Konzernchef Martin Winterkorn sagt dazu: «Wir bekennen uns dazu, dass das Elektroauto
unsere individuelle Mobilität dereinst entscheidend prägen wird» – mit hoher Intensität an der Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren arbeitet, hat gute Gründe. Realistische vor allem. Denn fast im gleichen Atemzug dämpft der VW-Boss allzu hohe Erwartungen, was das Fahren ausschliesslich mit Strom anbelangt: «Der Weg zum Elektro-Auto ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Dessen muss sich jeder bewusst sein.»
So rechnet man in der Konzernzentrale
in Wolfsburg bis 2020 mit einem globalen Marktanteil reiner Elektroautos von nur 1,5 Prozent. Und folgert daraus, so Winterkorn wörtlich: «Die verbleibenden 98,5 Prozent entsprechen auf dem Niveau des letzten Jahres rund 55 Millionen weltweit verkaufter Autos, die noch nicht an der Steckdose betankt werden können. Erholt sich der Markt, so reden wir demnächst von 70 Millionen Autos. Ohne Hightech-Benzin- und Dieselmotoren wäre somit in naher Zukunft nichts zu machen.»
Benzin und Diesel dominieren
Das sieht logischerweise auch Ulrich Hackenberg so. Der VW-Vorstand, verantwortlich für den Bereich Entwicklung, lässt sich im Rahmen der aktuellen Bluemotion-Offensive mit Polo, Golf und Passat so zitieren: «Über die nächsten zwei Autogenerationen, also in den nächsten 15 bis 20 Jahren, werden die Verbrennungsmotoren definitiv dominant bleiben. Umso wichtiger ist es heute, eine klares Szenario zu liefern. Denn die Käufer von Autos wollen wissen, welche Technologien morgen noch aktuell sind und welche es auch übermorgen noch sein werden.»
So gesehen, ist VW mit dem aktuellen 4-Liter-Passat, dem 3-Liter-Golf und dem geplanten 2-Liter-Auto gut aufgestellt – der Kurs in Richtung 1-Liter-VW stimmt. Sofern es denn ab 2024 ein solches Auto überhaupt noch braucht.
Erstellt: 08.11.2009, 09:44 Uhr
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