Auch Toyota kocht mit Wasserstoff
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Das Auto, obwohl ein stattlicher Offroader von 4,8 Meter Länge, sieht ziemlich unspektakulär aus. Und keinesfalls nach jenen 88 000 US-Dollar, die es kosten würde, wenn man es denn kaufen könnte – heute schon.
Der Preis, den Toyota-Pressesprecher Dirk Breuer für den Highlander als Technologieträger eines künftigen Brennstoffzellen-Fahrzeugs nennt, ist aber ebenso hypothetisch wie die Frage, welches Modell die Japaner dereinst und ganz im Sinn des Hybridpioniers Prius auswählen werden, um als erster Toyota mit Wasserstoff statt Benzin (oder Diesel) im Tank in die Geschichte einzugehen. «Am ehesten wird es eine Limousine sein, ein Sedan», vermutet Breuer. Und kaum ein SUV, wie er in diesen Tagen und Wochen als reines Entwicklungsfahrzeug durch Berlin rollt.
Den Anschluss wahren
Von irgendwelcher Relevanz ist solches für Toyota derzeit allerdings nicht. Es geht für die Japaner, die bei allem Aufholen der Konkurrenz ungebrochen als Hybridmarke schlechthin gelten, im Premiumsegment mit Lexus ohnehin vor allem darum, bezüglich Brennstoffzellentechnologie den Anschluss zu wahren. Und den Zug nicht wie beim Elektroantrieb etwas zu verpassen. Das hört man bei den Japanern zwar nicht gern. Doch Fakt ist: Toyota hat noch immer kein reines Elektroauto auf dem Markt. Die Chance dazu, die sich bei der Lancierung des iQ – einer Art Smart Fortwo mit 3,5-Plätzen –, vor zwei Jahren bot, hat man ungenutzt erstreichen lassen.
Gleiches soll den Japanern auf dem weiteren Weg zur letztlich emissionsfreien Mobilität der Zukunft nicht passieren. Einerseits hat Toyota bereits 2002 mit der praktischen Erprobung von Brennstoffzellen-Hybridfahrzeugen unter dem Kürzel FCHV begonnen. Und seither Reichweite, Haltbarkeit und Effizienz bei den jeweiligen Prototypen stetig verbessert, so auch durch die Optimierung der Hochdruck- Wasserstofftanks. Anderseits soll durch ein vor Jahresfrist gestartetes Demonstrationsprogramm in den USA mit über 100 Fahrzeugen in verschiedenen Bundesstaaten die Praktikabilität getestet werden. Mit einem klaren Ziel: den Aufbau der erforderlichen Wasserstoff-Infrastruktur voranzutreiben – weltweit nach wie vor die wohl mit Abstand grösste Herausforderung.
Auf drei Jahre ist diese Erprobungs und Erfahrungsphase von Toyota in den USA ausgelegt – und in gleichem Sinne engagieren sich die Japaner nun auch in Europa. Allerdings nicht im Alleingang, sondern im Verbund mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie und Politik. Clean Energy Partnership – kurz CEP – nennt sich das Projekt, das sich laut Pressereferentin Claudia Fried neun Jahre nach dem Start bereits in seiner dritten Phase befindet. Einer ganz entscheidenden.
Öffentlichkeit sensibilisieren
Denn laut Fried geht es in den nächsten fünf Jahren vor allem darum, «die Marktvorbereitung mit einem breit angelegten Betrieb von Fahrzeugen, auch von Privatpersonen, zu forcieren, um weitere Erkenntnisse über die Schnittstelle zwischen Fahrzeug, Kunde und Infrastruktur zu erlangen». Das heisst im Klartext: Ausbau des Tankstellennetzes, Umsetzung der neuen Technologie im öffentlichen Verkehr, markante Erhöhung der im täglichen Einsatz stehenden Privatfahrzeuge. Und, natürlich, die damit angestrebte Sensibilisierung der Öffentlichkeit.
Das klingt gut. Doch auch in Phase III des Clean-Energy-Partnership-Projekts, wie es sich derzeit in Berlin abspielt – «vor den Augen der Bundesregierung», wie Fried bedeutungsvoll anmerkt –, sind es nach wie vor nur kleine Schritte. So will CEP bis Ende 2012 Jahres immerhin ein Flotte von über 100 Personenwagen in und um die Hauptstadt im täglichen Einsatz haben, dazu zwei Dutzend Busse mit H2-Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen-Hybridtechnologie.
Mit dem weitaus grössten Anteil an der Testflotte – rund zwei Drittel stellt Mercedes mit seiner B-Klasse F-Cell – unterstreicht der Daimler-Konzern seine Vorreiterrolle in Sachen Brennstoffzelle zumindest in Europa. Opel wird mit 20, VW mit 8 und Toyota mit 5 Autos am Berliner Projekt beteiligt sein. Bestens ins Bild der Strategie von CEP passt auch der Umstand, dass beim neu entstehenden Flughafen Berlin-Brandenburg die erste, völlig CO2-neutrale Tankstelle gebaut wird. Wer dort künftig nicht Wasserstoff tankt, der holt sich zumindest Strom aus der Steckdose.
Prius Plug-in schon bald am Netz
Was ebenfalls sehr gut ins Gesamtkonzept von Toyota passt. Zwar haben auch die Japaner – bei allem Bemühen – mit der Brennstoffzelle wie andere Hersteller auch noch eine längere Durststrecke vor sich. Doch fürs «Nachtanken» an der Steckdose kann (oder könnte) man ab nächstem Jahr bei der geplanten Berliner Flughafen-Tankstelle mit einem ganz bestimmten Toyota-Modell schon in stattlicher Zahl vorfahren. Denn nach einem dreijährigen Feldversuch vor den Toren Strassburgs, dem Sitz des Europarates, geht der Prius Plug-in nun definitiv in Serie und soll in der Schweiz bereits in der ersten Jahreshälfte 2012 zu kaufen sein. Obwohl auf der erfolgreichen Vollhybridtechnik basierend, macht Toyota mit dieser Prius-Version einen weiteren Quantensprung. Bis zu 20 Kilometer soll seine Reichweite im emissionsfreien, rein elektrischen Betrieb betragen, und das bis zu Tempo 100. Danach genügen 90 Minuten, um die Lithium-Ionen-Batterie an jeder beliebigen Steckdose aufzuladen.
Kommt dazu, dass der Elektromotor in Kombination mit dem 1,8-Liter-Benziner bei einer Systemleistung von 136 PS sehr wohl auch von einer Ferienreise in den Süden träumen lässt. Und das bei einem wahrlich traumhaften Verbrauch von 2,6 Litern auf 100 Kilometer und einem CO2 von nur 59 g/km. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.08.2011, 08:41 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




