Clark Gables edle Karosse
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 12.01.2012 1 Kommentar
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Packard? Es wäre falsch zu behaupten, dass jedes Kind diese Automarke kennt. Es ist heuer genau 50 Jahre her, dass der Name endgültig von der Bildfläche verschwand. 1962 strich der Rüstungskonzern Curtiss-Wright, damals gerade Besitzer des Automobilherstellers Studebaker-Packard, Packard einfach hinten weg. Erst wenige Jahre zuvor hatte Packard die eigene Autoproduktion aufgegeben, 1956, um genauer zu sein, 1954 war es zur Fusion mit Studebaker gekommen. Packard hatte sich nach dem 2. Weltkrieg selber zermürbt im ewigen Kampf gegen die «Big Three» (General Motors, Ford, Chrysler) – und das, obwohl man vor dem Krieg noch zu den grossartigsten Herstellern der Welt gehört hatte. Doch die eigenen Ansprüche waren zu hoch gewesen, der 1941 vorgestellte Clipper war zwar eines der fortschrittlichsten Fahrzeuge jener Jahre gewesen, doch der 2. Weltkrieg verhinderte eine grosse Karriere.
Packard war 1899 als Ohio Automobile Company gegründet worden, aber schon 1903 benannten die beiden Gründer, James Ward Packard und William Doud Packard, das Unternehmen in Packard Motor Car Company um. Schon ganz früh machten die Brüder mit aussergewöhnlichen Erfindungen von sich reden, das erste Modell, der A, besass 1899 bereits eine H-Kulissen-Schaltung, das Modell C von 1901 verfügte als eines der ersten Automobile über ein Lenkrad. Doch auch sonst dachten die Packard-Gründer sehr fortschrittlich: Ihre 1903/04 am East Grand Boulevard in Detroit von Architekt Albert Kahn errichtete Fabrik gilt als das erste Gebäude dieser Art aus Eisenbeton. Doch als Packard 1904 in dieses neue Gebäude einzog, war Firmenchef J. W. Packard schon nicht mehr an Bord – er blieb lieber in Warren, Ohio.
Als der Schwarze Donnerstag kam
Das Unternehmen hatte mit Einzylindern begonnen, doch es folgten bald Zwei-, Vier- und auch Sechszylinder-Motoren, und bereits 1915 entwickelte Chefingenieur Jesse G. Vincent mit dem Twin Six den ersten serienmässigen Zwölfzylinder-Motor der Welt. Und dieser Motor, der in verschiedenen Serien bis 1923 gebaut wurde, war sehr erfolgreich, insgesamt 30'941 V12-Fahrzeuge konnten abgesetzt werden – Packard hatte sich endgültig etabliert, gehörte mit Pierce-Arrow und Peerless zu den grossen drei «P» in Detroit, und lieferte sich mit Cadillac und Lincoln einen spannenden Kampf um die technische Vorherrschaft unter den amerikanischen Herstellern. Und sehr oft stand Packard ganz vorne, Potentaten aller Couleur liebten die zumeist eher konservativ gestylten Fahrzeuge. Ende der 20er-Jahre verkaufte Packard über 50'000 Luxusfahrzeuge pro Jahr und war unbestrittener Marktführer. Einige der schönsten Fahrzeuge jener Jahre wurden auf ein Packard-Chassis gebaut. Man darf nicht vergessen: In den 20er- und 30er-Jahren war die amerikanische Autoindustrie auch in der Luxusklasse absolut führend, die bekannten europäischen Marken wie Rolls-Royce oder Mercedes kamen erst so langsam in Fahrt. Doch es kamen der Schwarze Donnerstag und die Weltwirtschaftskrise, und Marktführer Packard wurde besonders hart getroffen.
1932 kam aber trotzdem wieder ein Twin Six, ein Zwölfzylinder, auf den Markt. Aus dem einfachen Grund, dass die Entwicklung schon zu weit fortgeschritten gewesen war, um das Projekt noch zu stoppen. Schon 1933 wurde der Twin Six in Twelve umbenannt, doch der 7,3-Liter-Zwölfzylinder blieb einer der aussergewöhnlichsten Motoren jener Jahre. 160 PS bei 3200 U/min leistete er – und arbeitete fast lautlos. 1933 wurde der Name dann, in Anlehnung an die sonstigen Packard-Typenbezeichnungen, in ein schlichtes «Twelve» geändert, es gab zwei verschieden lange Radstände (3,61 oder 3,73 Meter) und die verschiedensten Karosserievariationen. 1934 kam eine sehr sportliche Version mit einem Radstand von 3,43 Metern auf den Markt, entweder als Sport Coupé oder, besonders begehrenswert, als Runabout Speedster. 1935 wurde der Hubraum auf 7,7 Liter erhöht, die Zylinderköpfe wurden aus Alu gefertigt, die Leistung stieg auf 175 PS. Der Twelve wurde bis 1940 gebaut, insgesamt wurden von der zweiten Serie der Packard-Zwölfzylinder 5262 Exemplare produziert.
Sechs Preziosen unter dem Hammer
Bei der Versteigerung von Gooding & Company am 20./21. Januar im amerikanischen Scottsdale kommt nun eine der schönsten Packard-Sammlungen der Welt unter den Hammer. Thomas A. Moretti hatte über die Jahre sechs Twin Six/Twelve zusammengetragen – ein Auto wunderbarer als das andere, alle in einem hervorragenden Zustand. Höhepunkt ist sicher der Twin Six 905 Coupé Roadster von 1932, der einst dem amerikanischen Schauspieler Clark Gable gehört hatte; dieses Fahrzeug wird auf 650'000 bis 850'000 Dollar geschätzt. Die anderen fünf Moretti-Packard sind etwas günstiger, aber unter 300'000 Dollar wird wohl keine dieser sechs Preziosen verkauft.
In den USA gehört Packard auch heute noch zu den ganz grossen Namen. Immer wieder wurde versucht, die Marke neu zu beleben. Doch bisher sind alle Versuche gescheitert.
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Erstellt: 12.01.2012, 12:09 Uhr
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